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15. Oktober 2010 17:02 Uhr

Keine Entwarnung in der Fauststadt

Risse in Staufen: Pumpen, reparieren und hoffen

  1. 127 Häuser in Staufen haben inzwischen starke Schäden. Dazu zählt auch das Rathaus. Foto: dpa

In Staufen gibt es eine Million Euro Landesgeld zu verteilen. Doch noch ist der Run auf das Geld der Schlichtungsstelle zur Regulierung der durch die Hebungen bedingten Gebäudeschäden ausgeblieben. Dabei hat sich der Untergrund in der Rathausgasse, direkt hinter der Bohrstelle, insgesamt schon um über 30 Zentimeter gehoben.

Dass der Schlichtungsstelle bisher nur ein Antrag auf Übernahme der Kosten einer Reparatur vorliegt, führt die Stadt darauf zurück, dass sie der Stelle ein gut bestelltes Feld hinterlassen hat. Alles was akut habe ausgebessert, repariert und abgestützt werden müssen, sei seitens des städtischen Bauamtes erledigt worden, sagte am Donnerstag Bürgermeisterstellvertreter Helmut Zimmermann in der monatlichen Pressekonferenz der Stadt zur Rissekrise.

Die Hebungen in der Staufener Altstadt dauern weiter an, wenn sich auch das Tempo noch einmal geringfügig verlangsamt hat. Aber weil es nach wie vor stellenweise um bis zu neun Millimeter pro Monat nach oben drückt, soll jetzt der Druck aus dem Untergrund noch mehr herausgenommen werden. Seit Monaten schon wird Grundwasser aus der Tiefe nach oben gepumpt. Nicht alle sieben im Sommer 2007 gebohrten Erdwärmelöcher konnten im Nachhinein komplett abgedichtet werden. Zwei der sieben waren im unteren Bereich durch den Druck des Gesteins zusammengebrochen und nicht mehr erreichbar. Möglicherweise steigt durch sie weiter Wasser nach oben und sickert in die Quellschicht.

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Die Verantwortlichen hoffen darauf, diesen Bereich durch die Bohrung eines 160 Meter tiefen Brunnens in der Kirchstraße zu erreichen, über den ebenfalls Grundwasser abgepumpt werden soll. Die Arbeiten dazu beginnen nächste Woche und sollen vor Weihnachten beendet sein. Die Kosten belaufen sich auf 370 000 Euro.

Nicht ausschließen wollte Zimmermann gegenüber der Presse, dass aufgrund der nun schon drei Jahre andauernden Hebungen Grundwasser nicht nur mehr über die sieben gebohrten Erdwärmelöcher aufsteigt, sondern dass das Gestein auch anderswo Klüfte ausgebildet hat, die vom Wasser genutzt werden. Unbekannt sei auch, wie viel Wasser in die Quellschicht aus Anhydrit bereits eingesickert sei und wie viel Hebungspotenzial noch in ihr stecke.

Die Zahl der Häuser, die Risse haben, ist mit 268 gegenüber dem Vormonat nicht mehr gestiegen. Dennoch hat sich eine Zahl stark erhöht – die der Häuser, die besonders stark beschädigt sind und regelmäßig vom Karlsruher Büro für Baukonstruktionen überwacht werden: von rund 100 auf jetzt 127.

Autor: hcw