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24. Oktober 2008 10:11 Uhr

Staufen wünscht politische statt juristische Lösung

Risse und kein Ende: Stadt hebt sich weiter

Der Einzug von Bodenplatten unter die Fundamente, die Injektion von Verdichtungsmaterial in den Untergrund und der Einbau von Mauerankern – die Stadt Staufen ringt nach Lösungen, um weitere Gebäudeschäden in der Altstadt zu verhindern.

  1. Die Staufener Altstadt: Mehr als 120 Gebäude haben Risse. Foto: Sparkasse

  2. Foto: Markus Donner

  3. Foto: Markus Donner

  4. Foto: Barbara Hirth

STAUFEN. In der Staufener Innenstadt wird vermutlich noch einmal ein Loch gebohrt. Stadträte aller Fraktionen sprachen sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates dafür aus, eine Kernbohrung in Auftrag zu geben. Sie stimmten auch zu, ein Fachbüro zu beauftragen. Es soll herausfinden, was technisch machbar ist, um die beiden Rathausgebäude statisch abzusichern.

Bürgermeister Michael Benitz warb vor den Stadträten im Bürgersaal in Wettelbrunn um eine politische Lösung für die Risseproblematik. "Die juristische Auseinandersetzung führt zu nichts," so Benitz. Sie könne bis zu vier Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin seien betroffene Häuser vielleicht schon irreparabel geschädigt. Laut Benitz hat sich Regierungspräsident Julian Würtenberger bei seinem Besuch in der Stadt sehr betroffen über das Ausmaß der Schäden gezeigt und zugesagt, Hilfe zu vermitteln. Staufen strebt die Bildung eines Fonds an. In den sollen alle am Erdwärmeprojekt Beteiligten einzahlen. "Dazu gehört als Genehmigungsbehörde auch das Land", betonte Benitz. Am Erhalt der historischen Altstadt Staufens müsse es ein besonderes Interesse haben.

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Was zu tun ist, um die beiden Rathausgebäude zu erhalten, soll jetzt das in Karlsruhe ansässige Büro für Baukonstruktion herausfinden. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu, dass die Experten eine Machbarkeitsstudie erstellen. Geschäftsführer Markus Hauer berichtete über die technischen Möglichkeiten zur statischen Absicherung beider Gebäude. Dazu gehören der Einzug von Bodenplatten unter die Fundamente, die Injektion von Verdichtungsmaterial in den Untergrund und der Einbau von Mauerankern.

Aus seinen Ausführungen wurde deutlich: Es gibt technische Möglichkeiten, aber sie sind aufwändig und teuer. Um das rückwärtige Rathausgebäude, wo das Bauamt untergebracht ist, zu sanieren, müsste das gesamte Erdgeschoss geräumt werden. Das Gebäude ist nicht unterkellert. Wie es um die Fundamente und Keller bestellt ist, soll im Rahmen der Machbarkeitsstudie herausgefunden werden.

Laut Hauer müssen auch die Risse im Rathaus noch genauer unter die Lupe genommen werden. Man wisse noch zu wenig darüber.

Was man sicher weiß: Staufens Untergrund hebt sich mit unverminderter Geschwindigkeit an, binnen nur zwei Monaten um zwei Zentimeter. Das haben die jüngsten Messungen ergeben.

Stadträte aller Fraktionen sprachen sich dafür aus, es nicht bei der Machbarkeitsstudie zu belassen, sondern parallel dazu eine Kernbohrung in Auftrag zu geben. Sie soll Klarheit verschaffen über die Geologie von Staufens Untergrund und die Frage klären helfen, wie lange die Hebungen weitergehen und wie intensiv sie ausfallen. "Wir dürfen nichts unversucht lassen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen", sagte Jan Elert (CDU). Heiner Ulmann (FW) sprach von "Hilflosigkeit" und verwies auf den immensen Aufwand zur Sanierung aller 120 betroffenen Gebäude. Heinrich Ladener (ULS) warb dafür, baldmöglichst auch die Sanierung der beschädigten Privathäuser in Angriff zu nehmen. "Das kommt in der Öffentlichkeit nicht gut an, wenn sich die Stadt nur um ihre eigenen Immobilien kümmert." Zumindest was das Rathaus-Café und das Gasthaus "Löwen" betrifft, wird das vermutlich ohnehin nicht klappen. Beide Gebäude bilden mit dem historischen Rathaus baulich eine Einheit. Sie voneinander zu trennen, ist Hauer zufolge extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Michael Fünfgeld (FW) fragte Hauer, ob in Staufen der Einbau von speziellem Knautschmaterial in den Untergrund in Frage komme, wie das in der Schweiz bei durch Tunnelbau verursachte Hebungen gemacht worden sei. Hauer verneinte das. Benitz warnte vor den möglichen Folgen einer neuerlichen Bohrung. "Sollte durch sie weiterer Schaden entstehen, hätte die Stadt den schwarzen Peter", so der Bürgermeister. Sie anzuordnen, käme nur in Frage mit Rückendeckung durch Landratsamt und Regierungspräsidium. Je nachdem in welche Tiefe sie vorangetrieben wird, kostet eine solche Kernbohrung bis zu 50 000 Euro.

Autor: Hans Christof Wagner