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25. September 2011 18:35 Uhr
Staufen-Besuch
Staatsministerin Krebs überrascht vom Ausmaß der Risse-Schäden
Staatsministerin Silke Krebs zeigt sich bei ihrem Besuch in Staufen überrascht über das Ausmaß der Schäden, die die Risse hinterlassen haben. Und sie betont: Das Land steht weiter zu Versprechen.
STAUFEN. Nein, der oberste Dienstherr war das (noch) nicht, der da am Freitag die Staufener Risse begutachtete. Dafür waren der Sicherheitsaufwand und das Medieninteresse zu gering und der Dienstwagen, der vor dem Rathaus parkte, zu klein. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte seine engste Mitarbeiterin und Parteifreundin, die Staatsministerin Silke Krebs, vorgeschickt, um gute Kunde zu verbreiten: Was die alte Landesregierung der Stadt zugesagt hatte, das wird die neue grün-rote Regierung einhalten.
Das Land stehe zu dem Versprechen, ein Drittel der Sanierungskosten zu übernehmen – "das werden wir auch so im Haushalt abbilden", versprach die Staatsministerin.
Bürgermeister Michael Benitz dürfte das mit Genugtuung gehört haben, hatte doch schon der SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid im Wahlkampf eine Unterstützung Staufens ohne Wenn und Aber versprochen. Jetzt ist er Wirtschafts- und Finanzminister und jongliert mit weitaus größeren Zahlen als der Basis-Schadenssumme von über 40 Millionen Euro, die in Staufen im Raum steht. Aber es tat Benitz sicher gut, aus berufenem Munde und von einer hochrangigen Ministerin Solidarität zu erfahren.
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Zwar hatte Silke Krebs auch schon mal ein paar Semester Mineralogie in Freiburg studiert – was Wasser mit Gips-Keuper und was diese beiden Stoffe gemeinsam mit einer alten Stadt anstellen können, das hatte sie sich so schlimm dann aber offenbar doch nicht vorgestellt. Seine routinierte Führung durch den zerrissenen Altstadtkern beendete Bürgermeister Benitz wie immer im total zerstörten Rückgebäude des Rathauses, das man nur noch mit einigem Gruseln betritt und mit Bauhelmen – ihre Farben, blau und weiß, sind politisch klug neutral gewählt. Und spätestens hier und im Angesicht der zerstörten Gebäude ringsherum müsste eigentlich jedem verantwortlich denkenden Politiker das Portemonnaie in der Hosentasche aufgehen.
In der Region sei die Solidarität mit Staufen aber inzwischen nahezu ausgereizt, erläuterte Benitz seiner Besucherin. Dabei warteten im Lager noch viele hundert Krüge und Taschen, die man geordert habe, und um sie abzusetzen, habe Staufen jetzt seine Bitte um Beistand auf das gesamte Land ausgeweitet.
Die Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt habe bisher einen Ertrag im unteren sechsstelligen Bereich erwirtschaftet, sagte Benitz – die Stadt Staufen selbst haben die Risse bisher rund 1,2 Millionen Euro gekostet. Und so wird auch Ministerpräsident Kretschmann nicht ohne mindestens einen Krug von dannen ziehen, wenn er – sicher in nicht allzu ferner Zukunft – nach Staufen kommt.
Inkognito war er vor seinem Wahlerfolg wohl schon mehrfach in Staufen, wie der Bürgermeister verriet – als Gast auf dem Campingplatz zum Wandern in Staufens Umgebung. "Sollte man auch mal wieder machen", meinte Staatsministerin Krebs seufzend – und stieg dann in ihren Audi A6-Dienstwagen. Ihren nächsten Termin in Freiburg hätte sie zu Fuß wohl kaum pünktlich erreicht.
Autor: Rainer Ruther
