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19. Juni 2009

Staufen hofft auf Signal aus Berlin

Bürgermeister Benitz bittet nun auch die Bundespolitik um Hilfe in Sachen Hebungsrisse / Sondenbohrungen sind stark geneigt.

STAUFEN. Die Pressekonferenzen zu den Hebungsrissen in der Staufener Altstadt sind zu einem monatlichen Ritual geworden. Gestern war wieder einmal ein Zwischenbericht fällig. Dabei gab es Hinweise über den Stand der Erkundungsbohrung hinter dem Rathaus, die inzwischen in einer Tiefe von 80 Metern angelangt ist, und die Nachricht, dass einige weitere Häuser statisch gesichert werden müssen. Bürgermeister Michael Benitz setzt den Hebel inzwischen auch bei der Bundespolitik an, allerdings gibt es auf die Intervention noch keine Reaktionen aus Berlin.

Fakt ist, dass die Hebungen in der Altstadt unverändert anhalten. Monat für Monat "wächst" Staufen nun schon seit Ende 2007 um einen Zentimeter in die Höhe. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen. In der Folge sind zwischen 187 Häuser geschädigt. 42 so massiv, dass sie von einem Statiker ständig zu überprüfen sind und mit Ankern und Stützen gegen Einsturz gesichert werden müssen. Notdürftig werden viele Risse, in denen sich in einigen Fällen mühelos eine Hand versenken lässt, gekittet und mit Dämmschaum ausgekleidet. An eine Sanierung der Häuser ist überhaupt noch nicht zu denken.

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Derweil geht die vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau veranlasste Erkundungsbohrung hinter dem Rathaus weiter. Sie hat inzwischen eine Tiefe von 80 Metern. Bis man die Zieltiefe von 140 Metern erreicht haben wird, dürften noch einige Wochen ins Land gehen. Doch Behutsamkeit und Gründlichkeit ist den Geologen wichtiger als ein schnelles Ergebnis. Alle Erdproben werden penibel analysiert, Schicht für Schicht "tastet" sich die Bohrerspitze nach vorn, jedoch höchsten zwei bis drei Meter am Tag. Sperrrohre werden verlegt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Verkarstungen und wasserführende Hohlräumen erschweren die Arbeit. Schon 20 Meter unter der Erde sind die Fachleute auf die quellfähige Schicht gestoßen, die setzt sich wohl bis in 90 Meter Tiefe fort. In fünf bis sechs Wochen soll die Erkundungsbohrung die Zieltiefe von 140 Metern erreicht haben.

Parallel gibt es Messungen an allen sieben Erdwärmesonden hinter dem Rathaus. Dort wird durch Grundwassereintritt bekanntlich der Quell allen Übels vermutet.. Inzwischen steht fest, dass dort nicht sauber gearbeitet worden ist. Die Bohrung verläuft nämlich in den unteren Schichten nicht vertikal in die Tiefe, sondern neigt sich um bis zu 30 Grad nach außen. Für Gunther Wirsing vom Landesamt für Geologie eine wichtige Erkenntnis und letztlich die Bestätigung, dass es richtig war, die Löcher der Erdwärmesonden nicht einfach nur zu überbohren, um damit zugleich eine Sanierung einzuleiten. Auch für Fachingenieur Robert Breder, Berater der Stadt, stellen sich nun neue Anforderungen. Die Abweichungen seien so groß, dass die Sondenfüße möglicherweise irgendwo unter den Gebäuden zu vermuten sind. Das erleichterte die Verfahren für eine spätere Sanierung nicht gerade, zumal es für die erforderlichen Neigungsmessungen auf dem Markt kein technisches Gerät gäbe. Eine Sonderentwicklung speziell für Staufen soll Abhilfe schaffen. Experten aus dem Bergbau und der Ölbranche würden hinzugezogen, um geeignete Lösungen zu entwickeln. Auch über einen groß angelegten Feldversuch werde nachgedacht.

Dessen ungeachtet muss den betroffenen Hauseigentümern geholfen werden: Schadensbegrenzung nennt man das wohl. Das Wohnhaus Kerber in der Jägergasse, aber auch die Bäckerei Faller in der Hauptstraße sollen in den nächsten Tagen statisch gesichert werden. Sie zählen zu den 42 Gebäuden, die mehr oder weniger ständig zu überwachsen sind. Auch die Wendeltreppe im Rathausturm ist inzwischen fest verankert worden, damit sie dem freien Spiel der Kräfte weiter stand hält. Bürgermeister Benitz hält es für nicht ausgeschlossen, dass zumindest das hintere Rathausgebäude noch rechtzeitig vor dem Winter geräumt werden muss. Nach einem Ersatzgebäude hat er sich schon umgesehen. Das Grundbuchamt wurde schon vor Wochen vorsorglich nach Bad Krozingen umquartiert.

Autor: Markus Donner