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09. Mai 2014 18:43 Uhr

Tanz

Staufen will Tango-Metropole werden – Einmalige Bandoneon-Sammlung

Die Fauststadt Staufen schickt sich an, Tango-Metropole zu werden. Grundstein dafür ist die Bandoneon-Sammlung des Kirchzarteners Axel Steinhard, die weltweit wohl einzigartig sein dürfte.

  1. Tango – das ist Musik, Tanz und vor allem Lebensart. Foto: DPA

Es war im Herbst 2012, da sendete der SWR in der Landesschau einen Beitrag darüber, dass eine ganz besondere Privatsammlung, bestehend aus Bandoneons und diversen weiteren Tango-Accessoires, eine neue Heimat suche. Das bekam Joachim Baar, Leiter der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau mit Sitz in Staufen, mit. "Und obwohl ich zunächst gar nicht wusste, wo diese Sammlung überhaupt zu finden war – der Ort wurde nicht genannt – habe ich mir sofort gedacht: Diese Sammlung muss nach Staufen." Baar ist selbst passionierter Tango-Tänzer und Musiker. "Außerdem haben wir hier eine so lebendige Kulturszene, da passt sowas einfach zu uns. Und damals war Staufen wegen der Risse immer mit negativen Nachrichten in den Schlagzeilen, da wäre das ein schöner positiver Gegenpol", sagt der Musikschulleiter.

Es dauerte nicht lange, da fand Baar heraus, dass die fragliche Sammlung quasi um die Ecke beheimatet ist – bei Axel Steinhard in Kirchzarten. Dessen Vater, ein Schuhmacher, begann in den 1950er-Jahren Bandoneons zu sammeln, aus Liebe zur Musik, aber auch aus handwerklicher Neugierde. Damals landeten diese Instrumente gerne mal auf dem Sperrmüll – sie waren nicht mehr in Mode und die Verbindung zum Tango war in Deutschland noch nicht bekannt.

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Offene Ohren in der Fauststadt

Allein die Dimensionen dieser Sammlung sind laut Baar wahrlich beeindruckend: rund 450 Bandoneons, dazu tausende weitere Tango-Accessoires – Schellackplatten, Noten, Plakate, Fotos und Autogrammkarten.

Baar fand mit seiner Idee, die Sammlung nach Staufen zu holen, sofort offene Ohren in der Fauststadt, doch die Suche nach Räumlichkeiten gestaltete sich schwierig. Jetzt möchte man in einem Raum im Kapuzinerhof mit dem Museum starten – natürlich lässt sich dort nur eine Auswahl der Steinhard-Sammlung zeigen. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht, und dass die Stadt Staufen die Räume kostenfrei überlässt, freut Baar umso mehr, der – ein entsprechendes Engagement vorausgesetzt – sich vorstellen kann, eine Menge Ideen auf Grundlage dieser Sammlung zu verwirklichen.

Denn so schön viele der Instrumente auch sind – es einfach nur bei einer Ausstellung zu belassen, wäre dann doch vielleicht eine "zu staubige Angelegenheit", meint Joachim Baar. Die Sammlung soll vielmehr zur Inspiration und Motivation für eine Vielzahl von Aktivitäten rund um den Tango werden, so die Vision Baars und seiner ersten Mitstreiter. Gedacht wird unter anderem an Kurse, Workshops und Tanzkonzerte – sogenannte Milongas. Für einen Kurs im Juli hat Baar bereits ein renommiertes Tango-Paar aus Buenos Aires gewinnen können.

Tango spricht Menschen aller Generationen an

Damit Museum und Veranstaltungsaktivitäten sich entfalten können, braucht es die organisierte Mithilfe engagierter Tangoliebhaber – also einen Verein. Der soll am 20. Mai im Stubenhaus gegründet werden, nach anderthalb Jahren Vorbereitungsarbeit wird damit der offizielle Startschuss fallen. Die ersten Resonanzen auf diese Aktivitäten seien überaus positiv, berichtet Joachim Baar. Was ihn besonders freut: Tango scheint etwas zu sein, dass Menschen aller Generationen anspricht. Und den Staufener Tango-Enthusiasten kommt dabei sicherlich auch entgegen, dass es seit einigen Jahren einen regelrechten Tango-Boom gibt – 2009 wurde er zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

Das war nicht immer so: Ende der 70er, Anfang der 80er-Jahre besuchte der heute weltberühmte Komponist Astor Piazzolla, die Ikone des Tango Nuevo, dreimal die Steinhards und ihre Sammlung in Kirchzarten. Groß mitbekommen hat das damals niemand.
Info

Die Gründungsversammlung des Vereins Tango- und Bandoneonmuseum Staufen findet am Dienstag, 20. Mai, 20 Uhr im Stubenhaus statt. Wer sich anmelden möchte oder weitere Informationen wünscht, kann Kontakt aufnehmen unter der E-Mail-Adresse tangomuseum-staufen@t-online.de

Tango

Mit dem Begriff Tango wird in der Regel sowohl der Tanz als auch die entsprechende Musikrichtung bezeichnet. Der Tango entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert in Argentinien und Uruguay als eine Mischung verschiedenster musikalischer und kultureller Einflüsse. Zu einer heute sehr geschätzten musikalischen Kunstform entwickelte sich der Tango vor allem unter dem Einfluss des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla (1921 – 1992). Ein wichtiger Beitrag zum Tango aus deutscher Sicht ist das 1840 vom Krefelder Musiklehrer Heinrich Band erfundene Bandoneon, das Auswanderer nach Buenos Aires brachten, wo es in der Folge zu einem wichtigen Bestandteil des Tango wurde. Heute assoziiert man dieses Handzuginstrument – eine Weiterentwicklung der Konzertina – fast ausschließlich mit dieser Musikrichtung. Der Tango als sinnlicher Tanz mit durchaus erotischer Komponente galt lange Zeit in konservativen Kreisen als unsittlich – heute wird er von Millionen Menschen auf der ganzen Welt getanzt.

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Autor: Alexander Huber