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12. November 2009 16:47 Uhr

Hinteres Rathaus soll abgerissen werden

Staufener Stadtbauamt räumt Gebäude

Die Schäden am hinteren Rathausgebäude in Staufen sind inzwischen so massiv, dass das Stadtbauamt ausquartiert werden musste. Auch das Archiv wurde aufgegeben. Eine Sanierung wird ausgeschlossen, jetzt droht die Abrissbirne.

  1. Reif für die Abrissbirne: Das hintere Rathausgebäude ist geräumt und wird nicht mehr saniert. Foto: Markus Donner

  2. Zwischen diesem Riss macht sich bereits Unkraut breit. Foto: Markus Donner

  3. Die Baustelle für die Sanierung des Sondenfeldes hinter dem Rathaus wird eingerichtet. Foto: Markus Donner

  4. In einem Nachbargebäude zum Rathaus (rechts im Bild) hat das Stadtbauamt sein Zwischenquartier bezogen. Foto: Markus Donner

  5. Pressekonferenz heute in Staufen. Das Hinweischild an der Wand haben allerdings die Narren von der Fasneteröffnung zurückgelassen. Foto: Markus Donner

Die linearen Hebungen im engeren Altstadtbereich von Staufen halten weiter an, sie addieren sich in der Rathausgasse bereits auf 20 Zentimeter. Die Mitarbeiter des Stadtbauamtes haben dieser Tage das hintere Rathausgebäude geräumt. Es soll nicht mehr saniert werden.

Wann der Abriss erfolgt, ließ Bürgermeister Michael Benitz in der heutigen Monatspressekonferenz offen, weil auch die Auswirkungen auf benachbarte Gebäude zu berücksichtigen seien. Voraussichtlich am Montag soll mit der Sanierung des Sondenfeldes begonnnen werden.

ARCHIVMATERIAL WIRD EINGELAGERT

Das Stadtbauamt hat ihr Ausweichquartier in der Hauptstraße 55 (über der Bäckerei Heitzmann, Eingang Adlergasse) bezogen. Auch die Wassermeisterei, das Archiv und der Gemeindevollzugsdienst sind inzwischen anderweitig untergebracht. Ein Teil des Archivmaterials befindet sich derzeit noch im Bauhof, kann jedoch vorübergehend im Pfarrhaus in Grunern eingelagert werden. Das hintere Rathausgebäude, das enorme Gebäudeschäden aufweist, soll definitiv abgerissen werden.

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Zunächst soll aber die Sanierung des Sondenfeldes in der Rathausgasse erfolgen. Nach Angaben von Bürgermeister Michael Benitz sei die Baustelle bereits eingerichtet. Voraussichtlich am kommenden Montag werde mit der Perforierung und Injizierung der Sondenschläuche begonnen. Ein Zeitraum von fünf bis sechs Monaten sei für die Verpressung veranschlagt. Den Auftrag zur 1,4 Millionen Euro teuren Sanierung habe die Stadt an die Firma Keller Grundbau, Renchen, erteilt.

BÜRGERMEISTER INFORMIERT SICH IN STUTTGART

Wie Benitz vor den Medienvertretern sagte, befinde sich die Stadt im engen Dialog mit den Ministerien des Landes. Am 3. und 4. November habe sich der Markgräfler Bürgermeistersprengel in Stuttgart davon überzeugen können, dass sich die Landesregierung "intensiv mit dem Fall Staufen beschäftigt und nach Lösungen ringt". Zur weiteren Erörterung werde das Wirtschaftsministerium am 9. Dezember in Staufen erwartet.

Dabei soll es Antworten auf die Frage der Ausgestaltung des Schieds- und Schlichtungsverfahrens geben. Auch die Interessensgemeinschaft der Rissgeschädigten werde in die Gespräche eingebunden, versprach der Bürgermeister. Was die Finanzhilfen anbetrifft, vertraue die Stadt trotz der Deckungslücken im Landeshaushalt auf die von Stuttgart gegebenen Zusagen. "Woher dann letztlich das Geld kommt, ist für uns zweitrangig," so Benitz. Bei der statischen Absicherung müsse die Stadt immer ganze Häusergruppen im Auge behalten. Unverzichtbar werde der Einbau einer zweiten Wand zwischen Rathause und Rathauscafé, um die beiden Gebäude voneinander zu trennen. Die Zahl der geschädigten Privatgebäude wurde wiederum nach oben korrigiert und liegt nun bei 227. Hinzu kommen noch sieben städtische Gebäude.

Für das Regierungspräsidium gab Clemens Ruch gestern einen Zwischenbericht. Die Erkundungsbohrung sei auf 163 Meter abgeteuft worden. Der Bohrturm sei nun abgebaut, jetzt werde das Wasser aus der Lettenkeuperschicht abgepumpt (1,28 Liter/Sekunde). So soll der Zufluss zum quellfähigen Bereich über den Sonden beeinflusst werden, um so das Verpressen der undichten Stellen an den Erdwärmesonden zu erleichtern.

Die Abdichtung der Sonden soll den Zufluss des Wassers in den Quellkörper unterbinden. Anhydrit im Untergrund wird unter Zutritt von Wasser zu Gips. Die damit verbundene Volumenszunahme ist für die Hebung der Erdoberfläche in Staufen verantwortlich.

Bürgermeister Benitz appelliert an die Geschädigten, ihre Erdgasinstallationen ab dem Hauptabsperrhahn innenseitig überprüfen zu lassen. Hier könnte ein von der Stadt beauftragtes Fachunternehmen herangezogen werden. Die Stadt sei bereit, für die Kosten in Vorleistung zu treten.

Autor: Markus Donner