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30. April 2015

"Sterbehilfe darf nicht zu Geschäftsmodell werden"

Diskussion in Staufen mit Bundestagsmitglied Michael Frieser.

  1. Bundestagsmitglied Michael Frieser (rechts) sprach in Staufen über Sterbehilfe. Bernhard Späth moderierte das Gespräch. Foto: Gabriele Hennicke

STAUFEN. "Sterben in Würde – zwischen Schmerzlinderung und Sterbehilfe" war Thema des Podiumsgesprächs, zu dem der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster seinen Kollegen Michael Frieser nach Staufen eingeladen hatte. Die Moderation übernahm Bernhard Späth, früherer Leiter des St. Josefshauses in Herten und in der Hospizhilfe im Landkreis Lörrach tätig. Schuster konnte nicht wie geplant an der Diskussion teilnehmen, weil der Politiker kurzfristig eine Rede im Bundestag halten musste.

"Begleiten statt Sterben" heißt das Positionspapier, das Frieser, der das Thema Sterbehilfe in der CSU-Landesgruppe vertritt, vorstellte. Es ist eines von fünf Positionspapieren, die sich mit dem Thema Sterbehilfe befassen. "Das Thema Sterbehilfe benötigt eine gewisse Gelassenheit", sagte Frieser zu Beginn seines Statements.

Wie ernsthaft sich der Deutsche Bundestag mit dem Thema beschäftige, zeige schon die ausgesprochen lange Dauer der Debatte. Schon in der vorletzten Legislaturperiode habe das Thema auf der Agenda gestanden, im November 2014 habe es eine vierstündige Debatte gegeben, bei dem die Positionspapiere vorgestellt und diskutiert wurden. Eine gesetzliche Regelung soll noch 2015 auf den Weg gebracht werden.

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"Zwei Drittel der Menschen wollen unter Umständen Unterstützung beim Sterben", beschrieb Frieser Umfragen. Die Selbsttötung sei nicht strafbar, Hilfe dabei auch nicht. Jetzt gehe es um aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen. Doch wer solle Sterbehilfe geben, wenn der Sterbewillige so krank sei, dass er seinem Leben selbst kein Ende setzen könne? Ärzte? Und nach welchen Kriterien?

"Aus meiner Sicht darf Sterbehilfe nicht zu einem Geschäftsmodell werden, mit dem man Geld verdient", sagte der Bundestagsabgeordnete. Gerade in der letzten Lebensphase seien Menschen besonders schutzbedürftig, so Frieser. Für Ärzte sollte kein gesondertes Strafrecht gelten, sie sollten nicht die sein, die gezwungen würden, zu entscheiden, wer sterben dürfe und wer nicht. "Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ein Mensch einem anderen den Tod bringen kann", sagte er plakativ und äußerte die Befürchtung, dass sich das Land verändern würde, wenn die Sterbehilfe frei gegeben würde. Wirtschaftliche Erwägungen würden dann sicherlich immer stärker in die letzte und häufig teure Lebensphase des Menschen hineingreifen. Einen Katalog mit Diagnosen, bei denen Sterbehilfe straffrei bliebe, wie es in anderen Positionspapieren gefordert werde, lehnt Frieser ab.

Wichtig ist dem Bundestagsabgeordneten, dass die Hospiz- und Palliativversorgung massiv ausgebaut wird, insbesondere im ambulanten Bereich. Es sei notwendig, dass Menschen eine bestmögliche Schmerztherapie, Hinwendung und Fürsorge durch Sterbebegleitung erhalten. Diese sei vor allen Dingen im ländlichen Raum nicht sichergestellt. Er beklagte die fehlende Zeit des Pflegepersonals in Pflegeheimen und Krankenhäusern, die verhindere, dass Menschen dort gut begleitet und in Würde sterben könnten.

Bernhard Späth bezog sich auf eine Reportage aus dem "Spiegel" vom Januar dieses Jahres und verwies auf zwei Beispiele aus Holland, wo die aktive Sterbehilfe erlaubt ist: Dort wünschten zwei Menschen den Tod, weil sie unter schrecklicher Einsamkeit und einem quälenden Waschzwang litten. Beide hatten Sterbehilfe erfahren. "Soll Strebehilfe gar eine Ziffer in der Gebührenordnung für Ärzte werden?", fragte daraufhin Frieser und lehnte es vehement ab, dass "künftig angehende medizinische Fachangestellte lernen sollten, entsprechende Medikamentencocktails zu verabreichen".

Im Anschluss an die Darstellung der Referenten entspann sich eine Diskussion mit den etwa 20 Teilnehmern.

Autor: Gabriele Hennicke