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13. Oktober 2011

Überspannungen und Überstunden

Schulhausmeister Albert Riesterer geht nach 31 Jahren am Staufener Faust-Gymnasium in den Ruhestand.

  1. Albert Riesterer mit Schülern des Faust-Gymnasiums Foto: privat

STAUFEN (BZ). Jetzt kann er länger schlafen – Albert Riesterer, 31 Jahre lang Hausmeister am Faust-Gymnasium in Staufen, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Mit Flexibilität, Improvisationstalent und vor allem viel Zeit, hat er bei den großen und kleinen Katastrophen des Schulbetriebs – kaputte Pumpen, Überschwemmungen, Probleme mit zu schürenden Heizungskesseln – immer einen kühlen Kopf bewahrt.

Unter vier Rektoren hat Albert Riesterer am Faust-Gymnasium gearbeitet. Anfangs für die Außenanlagen, die Sporthallen und den Sportplatz zuständig, war er später auch für den Innenbereich verantwortlich. Der Hausmeisterdienst war dabei nie einfach nur Routine: Nächtelang in wadentiefem Wasser stehend, mussten nach starken Regenfällen Lenzpumpen repariert werden; bei laufendem Schulbetrieb galt es technische Anlagen in den Unterrichtsräumen zu warten und früher musste selbst die Bücherausgabe zu Beginn und das Einsammeln der Bücher mit Wäschekörben am Ende des Schuljahres, noch von Hausmeisterseite aus unterstützt werden.

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Heute ist das Aufgabengebiet des Schulhausmeisters noch umfangreicher geworden: Das Faust-Gymnasium ist auf viele Gebäude verteilt, und Vereine, Chöre, Orchester und der Landkreis nutzen die schulischen Örtlichkeiten neben dem regulären Unterrichtsbetrieb. Unvorhersehbare Ereignisse, wie der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, lassen den Bedarf an Verarbeitungsraum und offene Fragen entstehen. Zusammen mit den damaligen Abiturienten schuf er aus diesem Grund in der Aula des Gymnasiums eine Oase der Ruhe, mit Vogelgesang, einem Wasserfall und duftendem Rinden-Mulch.

Diese Fülle von Aufgaben, die Albert Riesterer von morgens früh, bis oft nach 22 Uhr in Anspruch nahmen, hielt ihn nicht davon ab, 15 Jahre lang aktiv in der Fußball-Lehrermannschaft mitzuspielen – berühmt war er dabei für seine fast schon brasilianische Ballbeherrschung. Seine Vorliebe für Musik gab er in der Jugendmusikschule als Querflötenlehrer weiter.

Die Arbeitsgemeinschaften (AGs) am Faust lagen Riesterer besonders am Herzen. Wenn sie sich an die Spielregeln hielten, ließ er ihnen viele Freiheiten, denn die Schüler und die Unterstützung ihrer Ideen waren dem langjährigen Hausmeister wichtig. In den 80er Jahren baute er beispielsweise für die Theater-AG Kulissen, die noch heute genutzt werden. Er stellte Scheinwerfer auf und ab, hängte Bühnenvorhänge an die Vorhangstangen, richtete die Tontechnik ein und war selbst Schauspieler bei der Aufführung der "Nashörner" von Ionesco.

Mit ebenso großem Engagement kümmerte sich Albert Riesterer um die Vereine. Als zum Beispiel ein wichtiges Handball-Punktespiel stattfinden sollte und das Licht in der Sporthalle ausfiel, hat er am Wochenende, mit Hilfe von Handyanweisungen der Elektrofirma, die Fehler in der Lichtanlage gefunden und repariert. Ausgefallene Kühlwagen auf Festen, die wieder flott gemacht werden mussten, oder versteckte Sicherungen, die zu finden waren, kamen dem Rundum-Organisator nicht selten unter. Sogar während seines Aufenthalts im Krankenhaus koordinierte er den Einsatz der Feuerwehr Staufen vom Krankenbett aus, um Überschwemmungen im Gymnasium nach einem Unwetter zu beseitigen.

Bei all’ diesen Aufgaben und dem Stress einen guten Draht zu den Schülern aufzubauen war nicht selbstverständlich – doch Albert Riesterer hatte einen besonders guten. Die Schülermitverwaltung und das Open-Air-Team haben ihm deshalb das diesjährige Sommerfest gewidmet. Aus dem Open-Air wurde "Riester-Air".

Verdient hat sich Albert Riesterer nun das Werkeln in seinem eigenen Garten und das Radfahren mit einem neuen Rad – besonders wenn dabei kein Handyklingeln zu hören ist und eine bittende Schüler- oder Lehrerstimme verlauten lässt: "Herr Riesterer, könnten Sie nicht bitte heute noch am Abend …"

Autor: bz