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31. Januar 2017

Überwältigendes Klangbild

Benefiz-Konzert des Kiwanis-Clubs Bad-Krozingen-Staufen mit dem John Sheppard Ensemble.

  1. Unter der Leitung von Bernhard Schmidt interpretierte das John Sheppard Ensemble europäische Chormusik der Romantik. Foto: Hans Jürgen Kugler

BAD KROZINGEN. "Wie bitter – wie wohl", lautete der Titel des Benefiz-Chorkonzertes, das der Kiwanis-Club Bad Krozingen-Staufen für gemeinnützige Projekte am Sonntag veranstaltete. Das international hoch angesehene John Sheppard Ensemble aus Freiburg unter der Leitung von Bernhard Schmidt nahm die Zuhörer in der voll besetzten Pfarrkirche St. Alban zu einer musikalischen Reise durch einhundert Jahre Chormusik in Europa mit.

Das von Johannes Tolle 1995 gegründete Ensemble besteht aus bis zu 32 Sängerinnen und Sängern. Die meisten von ihnen sind Laien, allerdings zumeist mit langjähriger musikalischer Erfahrung. 2013 gewann man beim Landeschorwettbewerb die Sparte Kammerchor.

Mit der Psalmvertonung "Salmo VI" des spanischen Komponisten Isaac Albeniz flutete das Ensemble von Beginn an stimmgewaltig den Kirchenraum mit einer aufwühlenden, von tiefsten menschlichen Emotionen getragenen Interpretation des klangmächtigen Werkes. Ätherische Klangflächen, vom tiefsten Bass bis zu lichtem Diskant aufsteigende Stimmeinsätze, kristallklare Durchhörbarkeit und eine prägnant akzentuierte Trennschärfe formten ein überwältigendes Klangbild, das man von einem Laienchor so gewiss nicht erwartet hätte.

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Die Motette "Warum ist das Licht gegeben" von Johannes Brahms kreist von der textlichen wie musikalischen Gestaltung her um die zentrale Frage der Theodizee, des vergeblichen Warum? Den Unterschied zur streng katholischen Glaubensauffassung in der folgenden Komposition "D’un coeur qui t’aime" von Charles Gounod charakterisierte Bernhard Schmidt als ein "ebenmäßiges Fließen", das im völligen Gegensatz zu den "kontrapunktischen Verästelungen" bei Brahms stehe.

Die herannahende Moderne zeigte sich musikalisch in Max Regers Motette "O Tod, wie bitter bist du": Sekundschritte, schroffer Fall der Intervalle und schneidende Harmonien sind die kompositorischen Mittel, mit denen Reger Bitternis und Schrecken des Todes im rhapsodischen ersten Teil drastisch schildert.

Glaubenszweifel und vor allem die erschütternden Erfahrungen des Ersten Weltkrieges spiegelten sich dann in der Komposition "Lord, let me know mine end" des englischen Komponisten Charles Hubert Hastings Parry wieder. Hoffnungsvoller mit leuchtendem Sopransolo dagegen erklang das "Jesus, dulcis memoria" des Skandinaviers Otto Olsen; opernhaft-dramatisch die Vertonung des Vaterunsers von Giuseppe Verdi und von bezaubernder musikalischer Schlichtheit der Mariengruß aus dem "Ganznächtlichen Vigil" von Sergei Rachmaninow. Das Ensemble verabschiedete sich mit dem "Nachtlied" von Max Reger, zu dem effektvoll die Beleuchtung auf ein Mindestmaß gedimmt wurde.

Autor: Hans Jürgen Kugler