Wenn das Erzählen zur Kunst wird

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mi, 15. Februar 2017

Staufen

Erster Erzählkunstabend im Staufener Stubenhaus unterhielt mit lustigen, spannenden und humorvollen Geschichten.

STAUFEN. Eine eher leise und dennoch sehr vergnügliche Kunst ist die des Erzählens. Es ist die Kunst, Geschichten frei vorzutragen, ohne Kostüm und Bühnenbild, und die Zuschauer in den Bann zu ziehen. Beim Erzählkunstabend im Staufener Stubenhaus unter dem Motto "Männer und Frauen" erzählten drei Erzähler, darunter die Müllheimerin Karla Krauß, lustige, spannende und humorvolle Geschichten über die Geschlechter und ließen Bilder im Kopf ihrer Zuschauer entstehen.

Erika Weiß aus Ansbach in Franken eröffnete den Geschichtenreigen mit der Geschichte, wie Gott Mann und Frau erschuf. Allerdings war nach der Erschaffung des Mannes erst einmal kein gescheites Material mehr in der himmlischen Werkstatt, sodass der Schöpfer sich auf der Erde bedienen musste, um die Frau auszustatten. Dort fand er nicht nur die Süße des Honigs, die Klugheit der Schlange, sondern auch die Heiterkeit der Sonnenstrahlen und vieles mehr. Kurzum: Die Frau gelang dem Schöpfer so perfekt, dass er in einem zweiten Akt auch noch die Falschheit, die Ängstlichkeit und die Anhänglichkeit hinzufügte. Schnell stellte sich heraus, dass der Mann nicht gut mit der Frau, aber auch nicht ohne sie leben konnte. Die ganze Geschichte dargeboten mit unzähligen weichen Ds im fränkischen Dialekt sorgte für eine treffliche Einstimmung ins Thema des Abends.

Reinald Rickmeyer aus Weikersheim in Tauberfranken gelang es mit seiner Geschichte vom Bauer und seiner ihn jederzeit liebenden Frau bestens, einen weiten Spannungsbogen aufzubauen. Gerne folgte man dem Bauern, der seine Kuh auf dem Markt verkaufen wollte, sie nicht loskriegte und auf dem mühsamen Heimweg hinauf in die Berge die Kuh zunächst in eine Schindmähre, dann in ein Schwein, eine Ziege, ein Schaf, eine Gans, einen Hahn und letztlich in ein Mittagessen im Gasthof tauschte und schließlich mit leeren Händen nach Hause kam. Woraufhin die Frau zwar zunächst lange nachdenken musste, aber zuletzt selbst an dem letzten Tausch noch ein Gutes finden konnte: Ohne Essen wäre ihr Gatte Hungers gestorben und gar nicht mehr nach Haus gekommen, stellt sie letztendlich fest.

Die Müllheimerin Karla Kraus erzählte die traurige Geschichte vom Frauenheld Veit und der Königstochter, die von Rockzipfeljäger Veit bitterlich enttäuscht und hintergangen als Lorelei auf dem Felsen am Rhein endet. Vor vier Jahren hat die Müllheimerin, die im Hauptberuf ein Gästehaus führt, eine Ausbildung als Erzählerin absolviert und an der Erzählkunst-Akademie ihre beiden Mitstreiter kennen gelernt. "Zuerst findet man eine Sage oder Geschichte, die einem gefällt, beschäftigt sich mit ihr und entwickelt schließlich eine Handlung mit Spannungsbögen, einen Plot", beschreibt sie die Vorgehensweise des Erzählers.

In Staufen trat Karla Krauß erstmalig auf, in Müllheim steht sie bereits seit vier Jahren gelegentlich auf der Bühne. In Zusammenarbeit mit dem Müllheimer Tourismusbüro bietet sie zudem Sagenwanderungen in Müllheim und Sulzburg an. Als Magd Marie erzählt sie dabei während einer kleinen Wanderung Legenden aus alter Zeit. Für Februar 2018 ist bereits ein weiterer Auftritt mit diesen Erzählerkollegen geplant.

Durchaus lehrreich – vor allen Dingen für die Männer – die Geschichte aus Ostafrika, die Reinald Rickmeyer nach der Pause präsentierte. Da fragt sich der König, weshalb die Frauen an seiner Seite – und seien sie zunächst noch so schön und lieblich – kaum mit ihm verbandelt, verwelken und verbittern. Er versteckt sich und belauscht den Bauern, dessen liebliche und dennoch an seiner Seite schnell verwelkte Frau er gegen die Seine eingetauscht hatte. An der Seite des Bauern erblühte hingegen seine verbitterte Frau zu neuem Leben.

Und das Geheimnis? Sie saßen am Abend vor ihrer Hütte, redeten und lachten, erzählten sich, was sie den Tag über erlebt hatten und tauschten sich aus. Ein Ansatz, der mancher Beziehung durchaus guttun könnte.