Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. Oktober 2011

Wie der Burgunder ins E-Book kommt

Wettelbrunner Bürgerverein veranstaltet zum zweiten Mal "Kunst, Kunsthandwerk und Wein".

  1. Bürgermeister Michael Benitz gratuliert dem Vorsitzenden des Bürgervereins, Gerhard Philipp, zum fünfjährigen Bestehen. Foto: Rainer Ruther

STAUFEN-WETTELBRUNN. Weingut Stefan Karrenmann, Wettelbrunn? Viele Besucher am Stand von Volker Hesse nahmen kopfschüttelnd die Flasche mit rotem Burgunder in die Hand und betrachteten das Etikett. Sollte sich neben den Betrieben von Löffler, Neymeyer und Wagenmann etwa heimlich, still und leise noch ein Winzer in Wettelbrunn etabliert haben? Und hatte er die Veranstaltung des örtlichen Bürgervereins "Kunst, Kunsthandwerk und Wein" am vergangenen Wochenende gewählt, um sich zu enttarnen?

Im Dorf kann man lang nach diesem Betrieb suchen. Fündig wird man erst in einem Buch, einer Sammlung von Kurz-Krimis mit dem Titel "Burgunder-Leichen". Hier, in der Geschichte des Wettelbrunner Autors Volker Hesse, taucht das erfundene Weingut auf – in dem Kapitel "Der Fluch von Wettelbrunn". Womit der Staufener Teilort endlich auch Eingang in die (Geschichts)-Bücher gefunden hat.

Volker Hesse ist eigentlich bei der Bundespolizei – klar also, dass er Krimis schreibt, oder? "Nein, eigentlich interessiert mich etwas anderes – denn Kriminalromane zu schreiben, wäre für mich, als ob ich Arbeit mit nach Haus nehmen und abends weiterarbeiten würde", meint der Ermittlungsleiter bei der Bundespolizei in Efringen-Kirchen. Seine Liebe gehört dem Fantasy-Genre. Mit einem Verlag war er schon über den Abdruck einig – aber dann gab es Probleme, und so ist sein Wälzer "Der 7. Lehrling" zurzeit nur als elektronisches E-Book zu bekommen. "Es sind gedruckt über 500 Seiten", sagte der Autor, der in seiner Freizeit fast zwei Jahre lang an der Geschichte geschrieben hat.

Werbung


Bürgermeister Michael Benitz freute sich derweil über seine sauberen Schuhe. Er hatte seinen Besuch auf dem Fest am Samstag dazu genutzt, die einst sehr schlammige und jetzt neu gepflasterte Auffahrt zum Feuerwehrhaus zu inspizieren. Er war voll des Lobes ob des Einsatzes vieler freiwilliger Helfer und des bürgerschaftlichen Engagements. "In vielen Orten wird gestritten und diskutiert, wie man die Ortsteile einbetten und einbeziehen kann – wir in Staufen zeigen, wie es besser laufen kann", sagte er und beglückwünschte den Bürgerverein Wettelbrunn zum fünfjährigen Bestehen. Er sei sich sicher, so der Bürgermeister, dass der Bürgerverein weiter Impulse setzen und den Bürgersaal des Dorfes mit Leben erfüllen werde.

Gut besucht war er auf jeden Fall an beiden Tagen des Festes. Bei der Eröffnung, dem Anlass der Ausstellung angemessen "Vernissage" genannt, hatte der Vorsitzende des Bürgervereins, Gerhard Philipp, Rückschau gehalten auf die kurze Geschichte des Vereins. Und er konnte stolz vermelden, dass inzwischen 153 Mitglieder aufgenommen wurden.

Danach kosteten die zahlreichen Besucher vom guten Wettelbrunner Wein und Sekt und flanierten an den 13 Ständen der Künstler vorbei. Sie präsentierten Gemälde, Stoffe, Kissen, Kerzen und andere Accessoires. Auch der erstmals gedruckte Wettelbrunner Kalender, eine Idee der Kolpingsfamilie, war zu begutachten. Er stieß auf großes Interesse bei den Besuchern – genauso wie ein Stand, der erst in letzter Minute dazu gekommen war: Auf dem Tisch von Marco Blum waren Ohrmuscheln aus Plastik zu sehen – aus denen krochen Kletterer, Radfahrer oder Phantasiegestalten aus Silber. Der Zahntechniker hat ganz besonderen Ohrschmuck kreiert – die Teile passen sich dem Ohr an und halten ohne Piercing. Blum hofft, eines Tages mit seiner Kunst Geld zu verdienen – für die meisten anderen ist es Hobby. Alle Künstler aber freuten sich über die Resonanz ihrer Arbeiten beim Publikum und werden beim nächsten Mal sicher wieder dabei sein.

Autor: Rainer Ruther