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14. September 2011

"Wir sind eben einfach die Coolsten !"

BZ-INTERVIEW: Das Faust-Sinfonie-Orchester in Staufen lässt junge Musiker reifen / Neue Mitspieler gesucht.

  1. Stadt-Streicher: Mitglieder des Faust-Sinfonie-Orchesters beim Straßenmusikkonzert. Foto: Friederike Zimmermann

STAUFEN. Jeden Samstag um zehn Uhr trifft sich der harte Kern des Faust-Sinfonie-Orchesters (FSO) im Musiksaal des Faust-Gymnasiums zum Proben. Da zum Schuljahresende Abiturienten abgegangen sind, werden im Orchester nun wieder Plätze frei. Um für Nachwuchs zu werben, war für elf junge Musiker unlängst Straßenmusik angesagt. Vor ihrem Auftritt befragte sie BZ-Mitarbeiterin Friederike Zimmermann nach ihren Erfahrungen im Orchester.

BZ: Wer genau ist das Faust-Sinfonie-Orchester?
Kerstin Bögner (Orchesterleiterin): Wir sind das Sinfonie-Orchester der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau in Kooperation mit dem Faust-Gymnasium Staufen. Doch sind wir offen für alle motivierten Streicher und Streicherinnen ungefähr ab der 7. Klasse und für alle Interessierten aus der Region, unabhängig von der jeweiligen Schule. Wir bieten regelmäßige Stimmproben, Konzerte, darunter ein Familienprojekt pro Jahr mit rund 100 Mitwirkenden, Workshops, Straßenmusik und noch vieles mehr. Für den ein oder anderen erscheint vielleicht anfangs die Aussicht nicht so attraktiv, außer in den Ferien jeden Samstag um 10 Uhr zu den Proben kommen zu müssen. Andererseits geht es während der Schulzeit an keinem anderen Tag, und die Regelmäßigkeit ist schon sehr wichtig. Im Großen und Ganzen funktioniert das aber sehr gut.

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BZ: Wie kamt ihr denn zu diesem Orchester? Hat euch jemand empfohlen hier mitzumachen oder habt ihr gezielt nach einem Orchester gesucht?
Alexander Ben Hamadou: Mich fragte damals eine Freundin, die Cello spielte, ob ich nicht in ihrem Orchester mitspielen wollte. Und da ich schon lange den Wunsch nach Ensemblespielen hatte, stimmte ich zu. So kam ich hierher.
Anthea Sick: Bei mir war es so, dass die Geigenlehrerin meinte, es wäre wichtig in einem Orchester mitzuspielen.
Johannes Thiemann: Meine Schwester war schon länger im FSO, und eines Tages sagte meine Mutter, dass ich da doch auch mitmachen solle. Und dann dachte ich, warum nicht…

BZ: Nun seid ihr ja alle schon eine geraume Zeit dabei. Was gefällt euch hier am meisten?
Anthea Sick: Ich mag total die nette lockere Atmosphäre. Es macht wirklich Spaß und wir sind ja auch eine lustige Truppe.
Florian Wölker: Für mich ist es das Schönste, in einer Gemeinschaft zu spielen. So ein Orchester, das klingt schon toll. Und man selbst ist ein Teil davon…
Valentin Gartiser: So kam es auch, dass ich neben dem Cello das Kontrabassspielen lernte, denn Kontrabässe werden immer gebraucht. Je nach Projekt wechsele ich dann zwischen den beiden Instrumenten.
Kerstin Bögner: Ja, wir suchen vor allem Kontrabässe und auch Bratschen! Und natürlich Streicher überhaupt. Diese werden für die größeren Projekte in allen Stimmen noch mal erweitert, natürlich ziehen wir immer auch die Bläser hinzu. Für die jährlichen Familienkonzerte oder das Weihnachtskonzert zum Beispiel benötigen wir schon einen großen Orchesterapparat.
Brigitte Täubl (unterstützt regelmäßig die Probenarbeit des FSO, Mitglied des Freiburger Barockorchesters): Ich beobachte immer wieder, wie mit den Proben die Musik und der Klang stetig wachsen, bis hin zum saalfüllenden Sinfonieorchester. Da wächst man als Musiker natürlich immer auch selbst mit.
Alexander Ben Hamadou: Wenn man immer nur die Noten für sich allein übt, ist das einfach nicht so schön, wie wenn man die Stücke im Team erarbeitet. Man lernt dann irgendwann, die Musik dahinter zu verstehen.
Anthea Sick: Als wir zum Beispiel mit dem Freiburger Barockorchester proben durften, war das eine echte Bereicherung. Wir lernten, wie man Stücke aus dem Barock spiel, das machte echt Spaß.
Sofia Fünfgeld: Man lernt viel von den anderen. Und man lernt zu zählen… (alle lachen).
Florian Wölker: Ja, man lernt außerdem ständig neue Stücke kennen, mit denen man sonst vielleicht nicht in Berührung käme.
Dorothee Thiemann: Mir hat der "Sommernachtstraum" [Familienkonzert 2009] am besten gefallen.
Elena Ambacher: Am tollsten war der gemeinsame Opernbesuch von "Idomeneo" mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble in Baden-Baden anlässlich des Orchesterworkshops im Juni.

BZ: Wie ist das für euch, zum Beispiel mit dem Geigenkasten durchs Schulhaus zu gehen – finden die anderen das uncool oder finden die das toll? Auf jeden Fall gilt das doch eher als exotisch, oder?
Florian Wölker: Nee, überhaupt nicht. (Lacht.) Wir sind eben einfach die Coolsten!
Anthea Sick: Also, ich fand das auch jedes Mal total cool, mit dem Geigenkasten durch die Schule zu gehen. Ich dachte immer, schaut alle her! Ich wollte, dass alle sehen, was ich da Tolles dabei habe.
Florian Wölker: Wir hören deswegen ja auch trotzdem die "normale" Musik, die alle anderen auch hören. Aber unser Orchester – das ist etwas, das wir den anderen voraushaben, sozusagen zu dem anderen dazu. Und dafür bewundern uns unsere Freunde und Mitschüler eigentlich eher.

Info: Im Sekretariat des Faust-Gymnasiums liegen CDs der Projekte aus den vergangenen Jahren aus, sie können zum Hineinhören ausgeliehen werden. Wer Lust hat, beim Faust-Sinfonie-Orchester mitzumachen, wendet sich direkt an die Orchesterleiterin Kerstin Bögner unter Telefon 07633/933526 oder per E-Mail: Kerstin_Boegner@gmx.de

Autor: bz