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31. März 2011
Wohin bewegt sich der Untergrund?
Millimetergenaue Messungen werden in Staufen vorgenommen.
STAUFEN. So mancher Autofahrer ist in den vergangenen Tagen in Staufen vom Gas gegangen, wenn er die Männer in Orange erblickte, die durch Apparate auf die Straße blickten. Doch hier kam kein neuer Radartrupp der Verkehrspolizei zum Einsatz – hier wurde Geschichte geschrieben.
Die Spur der Löcher zieht sich durch ganz Staufen. An der Volksbank findet sich eins, beim Schuhhaus Haaf oder auf der Brücke über den Neumagen. Kleine, unscheinbare Löcher, markiert mit dem Wort "Messpunkt". Wohl keine andere Stadt im Land ist so gut vermessen wie Staufen – aber es geht eben immer noch besser. Denn die Mitarbeiter des Ingenieurbüros Weber in Müllheim waren in der vergangenen Woche unterwegs, um einem weiteren Phänomen der Hebungsrisse auf die Spur zu kommen."Man muss sich die Altstadt von Staufen wie einen Kuchen vorstellen." Diplomingenieur Andreas Adam hat schon viele Messungen gemacht – aber nie eine wie diese, dazu noch in seiner Heimatstadt Staufen. "Die Hebungsrisse verursachen nicht nur eine Bewegung in die Höhe, sondern es gibt auch eine Lageverschiebung im horizontalen Bereich. Sonst würde es ja nicht in der ganzen Innenstadt zu Rissen kommen, sondern nur an den Rändern."
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Im Auftrag der Stadtverwaltung hat er deshalb mit einem Trupp von Vermessern zunächst terrestrische Messpunkte festgehalten – an zahlreichen Stellen in Staufen wurden genaue Ortsbestimmungen vorgenommen. Danach wurden sie durch Messungen mit Hilfe zweier Satellitensysteme ergänzt. Eine mühsame Arbeit, denn die Dokumentation soll schließlich möglichst vollständig sein. So verlangte das Vermessungsamt des Landkreises, das die Stadt Staufen bei der Aufarbeitung der Hebungsrisse unterstützt, zunächst die Festlegung von sechs stabilen Punkten. Das sind Bereiche, die weit außerhalb der Hebungszone liegen – wie der Bahnhof Süd, der äußere Rand des Gewerbegebiets – und die Burg. "Da bin ich heut’ morgen schon raufgestiegen", stöhnte Adam, "um einen der Fixpunkte zu messen."
Im Bereich der Hebungsrisse, also dort, wo sich die Erde bewegt, kamen 29 Messpunkte hinzu – einer davon mitten auf dem Marktplatz beim Brunnen. Von hier peilte Adam mit seinem Leica-Instrument die am Himmel vorbeiziehenden Satelliten an. Diese Daten wurden aber von jedem Punkt nicht nur einmal erhoben, sondern gleich mehrfach und zu verschiedenen Zeiten, um so immer wieder Daten von anderen Satelliten zu registrieren. Adam bediente sich dabei der Hilfe von zwei Systemen: dem GPS, das auch für die Navis in den Autos Daten liefert, und dem russischen Glonass-Satellitensystem.
Alle Daten wurden registriert und zur Auswertung an die Universität Karlsruhe geschickt. In zwei Jahren wird der ganze Vorgang wiederholt, und dann hat man einen Einblick in die Staufener Erdbewegungen,wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat.
Bis auf zwei Millimeter genau wird man dann nachweisen können, wo sich etwas verändert hat und wie stark diese Veränderungen sind. Diese Daten-Sammelwut wird sich zum einen dann auszahlen, wenn es um die genaue Festlegung der Schäden geht. Und danach, wenn die Schäden beseitigt sind, gehen die Daten in die Stadtgeschichte ein – ein Tag, den alle Betroffenen schon sehnlichst herbeiwünschen.
Autor: Rainer Ruther
