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28. März 2016 14:29 Uhr

Osterfest

Auf der Suche nach dem Huhn: Woher kommt das Ei?

Für die Osterfeiertage werden jede Menge Eier gebraucht – Grund genug für die Breisgau-Redaktion, sich auf die Suche nach den gefiederten Produzenten zu machen.

  1. An Ostern werden viele Eier verarbeitet. Die wenigsten wissen jedoch, wo diese eigentlich herkomen. Foto: dpa

  2. Bernd Hug vor dem Hühnermobil und seinen gefiederten Bewohnern auf dem Baldenweger Hof in Stegen. Foto: Philip Müller

  3. Tanja Nock auf ihrem Hühnerhof in Vörstetten Foto: Max Schuler 

  4. Bärbel und Gabriel Sandrock mit Huhn Foto: Andrea Steinhart

Das Huhn ist Haustier des Jahres 2016. Dazu wurde das eierlegende Federvieh jedenfalls von der Stiftung Bündnis Mensch & Tier erklärt. Wann, wenn nicht jetzt, ist es an der Zeit, sich einem Tier zu widmen, das dafür sorgt, dass es über Ostern genug Eier gibt.

Im Hühnermobil

Auf dem Baldenweger Hof in Stegen ist viel los so kurz vor Ostern. Die Kunden wollen Eier. Wer vorher keine reserviert hat, hat allerdings schlechte Karten. Hofbesitzer Bernd Hug (45) sieht das ganz entspannt: "Meine Hühner legen so viele Eier, wie sie eben legen! Auch an Ostern." Viele Bauern trennen sich nach einem Jahr von ihren Hennen, Bernd Hug behält seine bis zu 16 Monate, danach werden sie geschlachtet und verkauft.

Die Direktvermarktung – über den Hofladen – ist Familie Hug sehr wichtig. So wie die Haltung der Tiere. Mitten auf dem Feld steht ein Hühnermobil, in dem die Hennen hausen. Zurzeit sind es um die 250 Hühner mit Hähnen. "Mir ist es wichtig, dass es auch ein paar Hähne bei den Frauen gibt. Schließlich will der Verbraucher Eier von glücklichen Hühnern", sagt Hug. "Nein wirklich, ein Hahn leistet auch ernsthafte Arbeit."

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Morgens und abends kräht er, um den Hennen zu signalisieren, dass es raus oder rein geht. Am Abend schließen sich die Zugangsklappen am Mobil, danach wird kontrolliert, ob alle Hühner sicher auf ihren Stangen sitzen. In dem fahrbaren Stall gibt es eine Futter- und Wasserrinne, an denen sich die Hühner jederzeit bedienen können, und außen eine Nische mit Stroh, in der die Hennen morgens ab fünf Uhr Eier legen. Tagsüber werden diese durch Klappen abgetrennt, damit die Nester sauber bleiben.

"Meine Hühner legen so viele Eier, wie sie eben legen! Auch an Ostern." Bernd Hug
Haben die Hühner ein Feld kahl gepickt, stellt Bernd Hug die fahrbare Hütte einfach aufs nächste. Das Futter wird – bis auf Mineralstoffe und Kalk für die Eierschalen – in eigenem Anbau hergestellt. Momentan hat der Hof ein Hühnermobil, es leben aber noch 350 Hennen in einem herkömmlichen Stall. "Ich halte das Hühnermobil für die perfekte Hühnerhaltung, weshalb wir nächsten Monat unser zweites auf den Hof holen möchten", sagt Bernd Hug.

Im Hühnerhof

"Ostern ist den Hühnern so ziemlich egal – die richten sich beim Eierlegen nicht danach, welche Feste die Menschen feiern", sagt Tanja Nock vom Nockhof in Vörstetten. "Lediglich beim Verkauf auf dem Münstermarkt ist vor Ostern dreimal so viel los wie sonst." Dann wollen die Kunden auch am liebsten weiße Eier. Aber: "Nur weiße und braune Hühner mit weißen Ohren legen auch weiße Eier", erklärt die Bäuerin. Rund 12.000 bis 13.000 Eier legen ihre 14.500 Hühner täglich. Mehr werden es auch vor Ostern nicht. "Meine Hühner sind Lebewesen und keine Maschinen", sagt Nock.

Anfangs legen Hühner kleine Eier, die zum Färben weggegeben werden. Die großen kommen auf den Markt. Entscheidend für den Geschmack sei das Futter, das automatisch gefüttert wird. Auch das Einsammeln der Eier geht vollautomatisch, obwohl die Hühner auf einer Freifläche von sechs Hektar leben. Den ganzen Tag kratzen sie am Boden auf der Suche nach Körnern, Würmern oder Käfern. Wenn es dunkel wird, wandern die Tiere von allein in den Stall.
"Meine Hühner sind Lebewesen und keine Maschinen." Tanja Nock
Seit 2013 betreibt Nock den Freiland-Hühnerhof. Verkauft werden die Eier auf dem Münstermarkt oder über Supermärkte. 18 Wochen alt sind die Hühner, wenn sie vom Züchter kommen. Mit 14 Monaten werden sie geschlachtet und als Suppenhühner verkauft. Seit Sonntag sind die Ställe leer. Die neuen Hühner kommen Mitte April.

Im Privatgarten

Im Sommer 1998 ist Familie Sandrock in Gundelfingen aufs Federvieh gekommen. Erst waren es indische Laufenten, jetzt sind es Hühner, die im Garten des Mietshauses scharren und picken. "Angefangen hat es mit den Enten, die eigentlich die Schnecken fressen sollten, damit wir auch mal etwas von dem Gemüse bekommen, dass wir im Garten anpflanzen", erzählt Bärbel Sandrock. Die Enten haben zwar die Schnecken verspeist – das Gemüse aber auch.

So kam die Idee auf, Hühner zu halten. Die ersten sechs wurden allerdings gestohlen. "Dann besorgten wir uns neue Hühner und einen richtig großen Hahn – der hat allerdings die Sache mit dem Beschützen seiner Hühner so genau genommen, dass wir uns bald selbst nicht mehr in den Garten trauten", sagt Sandrock.

So zahm, dass sie aus der Hand fressen

Seit vier Jahren beherbergt die Familie vier Zwerghühner und Carlos Caruso, den Hahn. Die Hennen haben keine Namen, "aber sie sind so zahm, dass sie aus der Hand fressen", sagt Bärbel Sandrock, Mutter zweier Kinder. Viel Geld kosten die Tiere nicht. "Die Hühner bekommen einige Körner und Salat." Darüber hinaus picken sie im eingezäunten Garten nach Blättern, Gras, Kräutern, Insekten.

Jedes Huhn legt täglich ein Ei – das zehnmal besser schmecke als jedes gekaufte. Am Wochenende gibt es bei Sandrocks immer frische Eier zum Frühstück, auch die Nachbarn bekommen welche ab. Die Hühner selbst würden die Sandrocks nie essen.

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Autor: Philip Müller, Andrea Steinhart