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23. Juni 2016

Leserbriefe

DIE ERSTE MILCHKÖNIGIN
Der Dummheit eine Krone
Zum Artikel "Stegen im Zeichen der Milch" (BZ-Ausgabe vom 7. Juni):

Nun reiht auch Baden-Württemberg seine in Stegen mit aufwändigem Pomp gewählte erste Milchkönigin in die Reihe der Promotion-Hoheiten: Der Dummheit eine Krone. Selbst die Regierungspräsidentin ist sich nicht zu schade, sich mit dem Paradebeispiel einer ebenso strukturellen wie tradierten Misswirtschaft zu identifizieren und den zähen Abgesang der sogenannten Milch als Massenprodukt zu begleiten.

Die jahrzehntelange Dauerkrise, die maßgeblich Ausfluss der Fehlentscheidung zu Massentierhaltung um jeden Preis ist, bescherte der Milch wiederholt nie denkbare Tiefstpreise, die dennoch weiter sinken — einfachen Marktgesetzen folgend.

Rund 70 Prozent der Bestandteile des Rohstoffs Milch macht sie zu einem weltweit handelbaren, industrietauglichen Massenprodukt, das den internationalen Kräften ausgesetzt ist. Sollen also statt einer mutigen Kehrtwende in der Agarpolitik fortgesetzt auf Kosten der Allgemeinheit verschleuderte Subventionen weiter erhöht oder wieder Weihnachtsbutter verschenkt werden?

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Auf Dauer zerstört eine solche Politik weitere wertvolle bäuerliche Existenzen. Der Verfall der Milchwirtschaft heutigen Zuschnitts hat aber ein viel größeres als ein Strukturproblem; denn entgegen der über Jahrzehnte eingebläuten Werbung ist (Kuh-)Milch für den Menschen kein gesundes Lebensmittel, sondern allenfalls ein Genussmittel. Besonders Kuhmilch ist herzlich wenig für den menschlichen Verzehr geeignet. Selbst für die Verdauung der artgerechten Menschenmilch stehen dem Menschen lediglich in seinem Säuglingsalter die notwendigen Enzyme zur Verfügung.

Der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Schädlichkeit der Kuhmilch werden es immer mehr; folgerichtig füllen bekömmliche pflanzliche Milchprodukte die Regale. Kuhmilch steht als zentrale Ursache für viele chronische Erkrankungen, von denen wiederum ganze ("Gesundheits"-)Industriekreise leben. Allein deshalb werden die krankmachenden Milchprodukte um jeden Preis einschließlich der Promotionskampagnen gefördert. Entgegen der von den entsprechenden Industrien gesponserten Propaganda ist Milch kein unentbehrliches Nahrungsmittel — und auch kein gesundes, ja nicht einmal natürliches. Zu allem Überfluss sprechen auch ethische Aspekte gegen den Abusus der Milchproduktion. Zur Erinnerung: Der Mensch ist das einzige "Säugetier", das noch als Erwachsener – artfremde – Säuglingsnahrung beibehält.

Es sind erst wenige Jahrzehnte vergangen, als Milch und deren Produkte noch finanzielle Wertschätzung erfuhren. Milchprodukte waren lebendig, leicht verderblich und kamen nur in geringen Mengen zum Verzehr; Butter und Sahne waren wertig, teuer und verfeinerten als Genuss manche Speise. Was spricht also auf diesem Niveau gegen den Genuss einer wertig-schmackhaften "Schwarzwälder"?Paul Busse, Freiburg

Autor: Paul Busse, Freiburg