Viel Lob für eine "Leiterin und Begleiterin"

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 25. Juli 2018

Stegen

Rektorin Ulrike Kurz geht nach 23 Jahren an der Grundschule Stegen-Eschbach in den Ruhestand.

STEGEN. Vor dem Festakt zur Verabschiedung von Schulleiterin Ulrike Kurz blieb der Bühnenvorhang in der Mehrzweckhalle in Eschbach geheimnisvoll geschlossen. Niemand durfte kiebitzen. Zunächst jedoch stellten sich die Vorschulkinder des Kindergartens beherzt vor den Vorhang und sangen aus vollem Halse das Mitmachlied "Einfach spitze, dass du da warst" – nach den Worten ihrer Betreuerin Kerstin Müller als Dank für einen "wertvollen, besonderen Menschen", dem es die Kleinsten immer besonders angetan hatten. Dann hieß es "Bühne frei", und die Schulkinder präsentierten über 30 Minuten lang keck-frisch das fetzige Musical "Drei Kater in Paris".

Ausgewählt wurde das von Andreas Hantke komponierte Stück als Anknüpfung an die Reiselust von Ulrike Kurz, und die Songs waren mit französischen Brocken durchsetzt, was vorzüglich passte, weil die Rektorin in diesem Schuljahr erstmals den Französischunterricht übernommen hatte. Im Musical werden der französischen Hauptstadt alle möglichen spannenden Attribute beigemessen, darunter das eines Seelenöffners. Dieses gaben später die drei Kolleginnen an ihre Chefin weiter, schilderten deren "ansteckende Lebensfreude, ihre begleitende und leitende Funktion im Team als Reiseleiterin", bei deren Wahrnehmung sie immer die Reiseziele, aber auch die Reisevorbereitung gekannt habe. Schon dabei und angesichts der erfrischenden Unbekümmertheit der Kinder auf der Bühne war zu spüren, dass es hier um eine bemerkenswerte Pädagogin ging.

Erst Verwaltungsangestellte, dann Lehramtsstudium

Dabei war der Weg zum Lehrerberuf für Ulrike Kurz kein geradliniger. Zunächst arbeitete sie als Verwaltungsangestellte, danach am Kolpingkolleg, erst nach acht Jahren entschloss sie sich zu einem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg mit den Schwerpunktfächern Deutsch, Heimat- und Sachkunde. Über ihre Tätigkeit an der Grund- und Hauptschule Badenweiler und nach einem Zusatzstudium an der PH ankerte sie 1995 an der Grundschule Stegen-Eschbach und bewarb sich 2010 erfolgreich für die freigewordene Stelle der Schulleiterin. Sie setzte nachhaltig pädagogische Zeichen: rhythmisierter Unterricht, Differenzierung, um den Schülern das Lernen im eigenen Tempo zu ermöglichen, individuelle Förderung, lebensnahe Projekte mit außerschulischen Partnern. Sie gab ihre Erfahrungen als Ausbildungslehrerin weiter, setzte sich vehement für Chancengleichheit ein und war multimediaaffin. Maßgeblich prägte sie das Schulmotto miteinander-voneinander-füreinander. All dies erfuhr man von Schulamtsdirektorin Monika Blum-Thol, die es sich – obwohl nicht mehr für die Eschbacher Schule zuständig – nicht nehmen ließ, die Laudatio zu halten.

Bürgermeisterin Fränzi Kleeb schilderte ihr erstes Zusammentreffen mit Ulrike Kurz im Bürgermeisterwahlkampf, bei dem die engagierte Schulleiterin sofort und zielstrebig den weiteren Fortbestand der kleinsten Schule im Dreisamtal gefordert habe und sich daraus nach der Wahl eine gedeihliche und freundschaftliche Zusammenarbeit entwickelt habe.

Schuldekanin Astrid Braun attestierte Kurz zwei spezielle Talente. Sie agiere nicht wertend, sondern wertschätzend, sie mache "alles schön". Und sie spreche auch unbequeme Wahrheiten aus.

Uli Denzel als Vertreter der Lehrer des Dreisamsprengels pflichtete dem bei und hob die bei Kurz stets spürbare Ausgewogenheit von Vorgabe und Freiheit hervor. Als dann auch noch Elternbeirat Johannes Schweizer und Hausmeister Peter Blattmann tief empfundene Lobeshymnen anstimmten, war endgültig klar: Hier geht eine gewichtige Ära zu Ende.

Welche pädagogische Grundüberzeugung prägt so eine Persönlichkeit? Direkt gefragt blieb Ulrike Kurz erst mal still, aber dann sprudelte es: Man solle in der Gemeinschaft sinnvoll wirken, die Welt entdecken, lebendig sein, herausholen, was in einem stecke. Dies gelte für alle, für Kinder wie für Erwachsene. Sie zitierte ein afrikanisches Sprichwort: "Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf." Deshalb das Schulmotto, deshalb die Teamarbeit. Sie selbst habe erst nach einigem Suchen entdeckt, dass die Arbeit mit Kindern für sie das Schönste ist und ein Geschenk. Deshalb liebe sie ihren Beruf, das Loslassen falle ihr nicht leicht. Aber im Familien- und Freundeskreis habe man ihr schon etliche beschäftigungstherapeutische Vorschläge gemacht.