Ins Schlössle kehrt Leben ein

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 04. Februar 2017

Steinen

Das Gebäude ist inzwischen weitgehend saniert.

STEINEN. Rötlich-glänzendes Kupfer an Dachgauben und Wasserrohren, strahlend-weißer Kalkputz: Schon von außen ist zu erkennen, dass sich am Steinener Schlössle mächtig was getan hat, seit das historische Gebäude vor rund zwei Jahren in den Besitz des Alnatura-Gründers Götz Rehn übergegangen ist. Doch auch die Innenrenovierung ist vorangekommen. Am Freitag konnten sich zahlreiche Gäste unter Führung des Lörracher Maklerbüro Kintzinger ein Bild davon machen, wie es wohl wäre, als Schlossherr oder Schlossdame nach Steinen zu ziehen.

Von den insgesamt neun Wohnungen, die in dem Gebäude entstehen, sind schon vier bezugsfertig, erzählt Bauleiter Achim Hacken (Firma Artifex). An diesem Vormittag, bevor die Besucher eintreffen, haben er und seine Mitarbeiter noch alle Hände voll zu tun, die Gänge freizuräumen, historische Türen an die Seite zu stellen, zu fegen und zu putzen. Und auch die Handwerker können noch längst nicht die Hände in den Schoß legen. Es gilt die restlichen Wohnungen einzurichten, den Fahrstuhl fertigzustellen und die Außenanlagen zu gestalten. "Bis März wollen wir fertig sein", erläutert Achim Hacken den Fahrplan, bis er dem Steinener Mammutprojekt endgültig den Rücken kehren kann.

Ihm ist an diesem hellen Februartag die Zufriedenheit anzumerken über den Weg, der geschafft wurde von ihm, dem Eigentümer, aber auch den rund 100 Handwerkern, die seit August 2015 am Werkeln waren, das Schlössle aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Die Herausforderung es bautechnisch ans 21. Jahrhundert anzupassen, ohne dabei Tabula Rasa in Form einer schlichten Entkernung zu machen, wurde offenkundig bewältigt.

Wenn es bei Saint-Exupery heißt, dass das Wesentliche fürs Auge unsichtbar ist, so gilt das auch für dieses imposante Baudenkmal aus dem 19. Jahrhundert, das Steinens Schlossstraße jetzt deutlich stärker prägt als bisher. Dass etwa das komplette Gebäude über zusätzliche Verstärkungen sämtlicher historischer Balken an die statischen Bedingungen einer Erdbebenzone II angepasst wurde, wird Besuchern und künftigen Bewohnern ebenso wenig ins Auge gefallen sein wie die aufwendigen Drainagearbeiten auf dem Grundstück und unterm Gebäude.

Nicht erkennbar ist auch, wie kritisch es um das Projekt stand, als im vergangenen Jahr der marode alte Dachstuhl eine Erneuerung einforderte und es bei der Landesdenkmalschutzbehörde in Freiburg große Vorbehalte zuüberwinden galt. Inzwischen ist das Dach runderneuert und Achim Hacken geht trotzdem davon aus, dass die Denkmalschützer mit dem Projekt ihren Frieden gemacht haben: "Dort wird inzwischen auch gesehen, wie liebevoll wir das saniert haben".

Und noch etwas ist Bauleiter Hacken wichtig: Alleine oder nur mit dem Geld des vermögenden Investors sei dieses Projekt nicht zu stemmen gewesen. "Die Firmenmitarbeiter haben sich hier über alle Maßen eingesetzt. Nur durch ihre Begeisterung konnte dies alles gelingen". Eingesetzt haben sich übrigens auch zwei Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft in Lörrach, die im Schlössle die ersten Schritte in eine berufliche Zukunft im deutschen Handwerk machen konnten. "Die zwei bekommen ein gutes Zeugnis", weiß Achim Hacken.

Nun hofft Hacken, dass sich für das Haus, das ihm längst "sehr ans Herz gewachsen ist", auch die passenden Mieter finden. Die künftigen Schlossherren – und damen sollten zum Gebäude passen, findet Achim Hacken. Sie müssten etwas anfangen können, mit dem Charme dieses verwinkelten Hauses: mit Fachwerk, das sich in einem WC-Raum offenbart, einer Ziegelmauer, die unvermutet vor einer modernen Küchenzeile herausragt oder auch den gotisch inspirierten Säulchen entlang einer Fensteraussicht. Und sie sollten natürlich auch ein wenig Geld auf der hohen Kante haben, denn wirklich billig wird das Wohnen in diesem modern-historischen Schloss eher nicht.