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08. April 2016

Laser-Scan in heiligen Gemäuern

Britisches Forscherteam erkundet die ältesten Fundamente der Margarethenkirche Höllstein / 3-D-Modell erstellt.

  1. Blick ins Innere: Ein dreidimensionales Modell der Margarethenkirche hat das britische Forscherteam erstellt. Foto: Alex Turner

  2. Lasereinsatz im Höllsteiner Gotteshaus: die Spezialisten aus Newcastle beim Scannen der Turminnenseite der Margarethenkirche. Foto: BZ/Sophie Hüglin

STEINEN-HÖLLSTEIN. Im Rahmen des EU-finanzierten Forschungsprojekts RESTOMO hat vergangene Woche ein Team von Wissenschaftlern des McCord Centres for Landscape aus Newcastle in Nordengland die archäologischen Reste im Untergeschoss Margarethenkirche in Höllstein untersucht. Am Ende soll ein dreidimensionales Bild der Kirche entstehen.

Die Margarethenkirche ist einer der ältesten Kirchenbauten in der Regio mit Wurzeln bis in die Karolingerzeit. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1102 zurück. Als Patrozinium wird 1336 das der heiligen Margarethe genannt (sant margarethe ze Hoelstein). Bei dem aktuellen Forschungsbesuch standen die archäologischen Reste im Untergeschoss der Kirche im Mittelpunkt, die in Zusammenhang mit einem Heizungseinbau 1963 freigelegt wurden. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Margarethenkirche einem Umbau im 14. Jahrhundert.

Die Archäologen Prof. Sam Turner, Dr. Sophie Hüglin und Alex Turner haben in zweieinhalb Tagen fast 70 Scans gemacht, die es erlauben werden, ein detailgetreues dreidimensionales virtuelles Modell der Kirche zu erstellen. Ein erster Vergleich mit der Dokumentation aus den 1960er Jahren zeigt bereits, dass damals nach der Grabung teilweise noch Material entfernt worden sein muss. Im Rahmen eines detaillierten Abgleichs mit Hilfe des virtuellen Modells ist zu erwarten, dass ein Teil der alten Befunde neu zu beurteilen sein wird.

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Ergänzend zur Dokumentation am Kirchenbau wurden die menschlichen Skelettreste aus den Gräbern im Kircheninneren vom Anthropologen Dr. Gerhard Hotz aus Basel einer Schnelldurchsicht unterzogen. Obwohl nur noch ein Teil der Skelette aus den – insgesamt sieben – in den 1960er Jahren dokumentierten Gräbern vorhanden ist und alle Knochen durcheinander in einer Kiste lagen, war es möglich Individuen zu erkennen und sogar einem bestimmten Grab zuzuordnen.
Die Untersuchung hat gezeigt, dass sich eine Neubearbeitung der Befunde und Funde der Altgrabung mit neuesten digitalen Dokumentationsmethoden sowie mit naturwissenschaftlichen Bestimmungs- und Datierungsmethoden sehr lohnen würde. Die kaum bekannten, weil bisher nur lokal vorgelegten Befunden der Margarethenkirche sind nicht nur für Höllstein, sondern für das Verständnis der mittelalterlichen Geschichte der weiteren Region von großer Bedeutung. Zusammen mit den zuständigen Behörden und Fachleuten wird überlegt werden, wie das wichtige Kulturerbe besser geschützt, weiter zerstörungsfrei erforscht und das Ergebnis der Öffentlichkeit anschaulich präsentiert werden kann.

Die Margarethenkirche ist prägend für den alten Ortskern von Höllstein. Sie blickt auf eine spannende Baugeschichte zurück. Ein erstes Gotteshaus fand sich hier aus karolingischer Zeit zwischen dem 9. und dem 11. Jahrhundert. Unter Verwendung der – jetzt untersuchten – noch älteren Fundamente entstand dann etwa in der Mitte des 11. Jahrhunderts ein romanisches Gotteshaus mit rechteckigem Langhaus und quadratischem Chor im Osten. Die Grundform der heutigen Kirche geht auf den Um- und Anbau im 14. Jahrhundert zurück. Zwischen 1607 bis 1610 erfuhr die Kirche eine spätgotische Umgestaltung. Dabei erhielten Süd- und Ostchorwand sowie die Südwand des Langhauses zweiteilige, spitzbogige Fenster, das Kirchendach wurde erhöht. Im Innern entstanden Emporen.

Im Jahr 1570 verlor Höllstein seine Selbständigkeit und wurde Steinen zugeteilt. Im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte verlor die Kirche derart ihre Bedeutung, dass dort nach 1772 keine Gottesdienste mehr abgehalten wurden. Bitten im Jahr 1789 von Bürgern, die verfallene Kirche wieder aufzubauen, blieben zunächst unerfüllt. Nach Instandhaltungsarbeiten im Jahr 1801 diente das Gotteshaus ab 1840 zunächst den katholischen Gemeindemitgliedern. Zwischen 1951 und 1962 wurde die Kirche von der neuen evangelisch-lutherischen Gemeinde genutzt. Erst als durch eine Spende in den 1960er Jahren die Außen- und Innenrenovierung durchgeführt werden konnte, zog am 18. Juli 1965 die evangelische Gemeinde wieder in die Kirche.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Bemalung der Kirchenwände mehrfach geändert, bis sie 1965 vom Freiburger Restaurator Michael Bauernfeind in die älteste Gestalt zurückgeführt wurde. Die Wandbilder im Chor zeigen die zwölf Apostel und die heilige Margarethe. Auch eine Orgel und ein Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert finden sich in der Kirche.

Autor: Mit Material von Wikipedia