Sternsinger sammeln wieder für notleidende Kinder

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Do, 04. Januar 2018

Offenburg

"Gemeinsam gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit" ist das Motto der der "Aktion Dreikönigssingen 2018".

OFFENBURG (BZ). Für Millionen Mädchen und Jungen weltweit ist ausbeuterische Kinderarbeit traurige Realität. Sie müssen auf dem Feld arbeiten, im Steinbruch oder in der Fabrik schuften, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Diese Kinder stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Sternsingeraktion, bei der deutschlandweit als Könige verkleidete Jungen und Mädchen von Haus zu Haus ziehen, um Spenden zu sammeln für notleidende Gleichaltrige in aller Welt.

Bei Wind und Wetter sind die kleinen Helden in ihren orientalischen Königsgewändern zu Beginn des neuen Jahres auch in Offenburg unterwegs, 13 Gruppen sind es allein in der Pfarrei Heilig Dreifaltigkeit. "Ich will den armen Kindern in anderen Ländern helfen, es macht auch Spaß, zu erleben, wie die Leute uns willkommen heißen, wenn wir an den Häusern klingeln", erzählt Florian. Er ist 17 und schon seit neun Jahren Sternsinger. Manchmal allerdings ist es mit dem freundlichen Willkommen aber auch nicht so weit her. "Wir haben auch schon negative Erfahrungen gemacht, zum Beispiel wenn man klingelt und einem die Tür vor der Nase zugeschlagen wird, oder es kommt ein Ruf von drinnen: ’Ich bin nicht zu Hause’." Das verdirbt den Jungen und Mädchen aber nicht weiter die Freude. Auch der zwölfjährige Dominik ist gern mit den anderen unterwegs für Gleichaltrige in armen Ländern. "Viele leben auf der Straße, andere müssen arbeiten statt zur Schule zu gehen", weiß er. Rafael ist 14 und seit Jahren immer der König Balthasar. Auch er hat den Sternsingerfilm gesehen, der in der Vorbereitungsgruppe gezeigt wurde und freut sich, zu sehen, "was mit unserem Geld gemacht wird, dass die Kinder es ein bisschen besser haben".

Erika Schweikart und Stefanie Kagermeier haben viel Zeit investiert und sich mit den Sternsingerkindern im Vorbereitungsteam getroffen. Als Hintergrundinformation gibt es ein Werkheft mit Fotos und Texten, dazu ein Video von "Willi will es wissen", das anschaulich macht, wie Kinderarbeit aussieht. Die Königsgewänder mussten wie jedes Jahr gebügelt und ausgebessert werden, die Lieder geübt und die Weihrauchgefäße gefüllt werden.

Sternsingen bedeutet in Heilig Dreifaltigkeit auch, dass die Eltern die Kinder in ihren Gruppen begleiten. "Wir haben viele Familien, die regelmäßig dabei sind und sich diese Zeit frei halten, weil sie einfach wissen, wie viel die Kinder bewirken können", freut sich Stefanie Kagermeier, allerdings werde es jedes Jahr schwieriger, Kinder zu finden sich bereit erklären.

Den Stern voran, sind die Sternsinger seit dem 2. Januar unterwegs, besuchen Familien, schauen aber auch in Alten-und Pflegeheimen vorbei. Sie hinterlassen Weihrauchduft und einen Segensspruch für das Neue Jahr und schreiben mit geweihter Kreide die Buchstaben C+M+B über die Türen, was nicht, wie man meinen könnte, Caspar, Melchior und Balthasar bedeutet, sondern "Christus Mansionem Benedicat" – Christus segne dieses Haus. Zusätzlich zum Spendengeld bekommen die Sternsinger oft Schokolade, Weihnachtsplätzchen, Orangen oder Kuchen. Alles wird gerecht aufgeteilt, und beim gemeinsamen Pizza-Essen zum Abschluss der Aktion können die engagierten Spendensammler dann auch mal an sich denken.