Sternsinger – unterwegs für andere

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Do, 04. Januar 2018

Emmendingen

Etwa 50 Kinder sind in Emmendingen und Umland unterwegs / Wetter bremst kaum / Beim Einkleiden war Improvisation gefragt.

EMMENDINGEN. Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Sternsinger, die Jahr für Jahr, bei jedem Wetter, vor dem Dreikönigstag ihren Segensspruch in die Häuser bringen und dafür um eine Spende bitten. Nicht für sich: "Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit" lautet das Motto in diesem Jahr.

Am Mittwoch wurden die Gruppen ausgesandt. Draußen stürmt und schüttet es, deswegen machen sich erst mal die Älteren auf den Weg – meist unbeschirmt. Aber erst gegen Mittag wurde das Wetter besser. "Bei 30 Grad im Schatten kann das jeder", sagt Vikar Striet bei der Segnung der fünf Gruppen, die in St. Bonifatius starten; für St. Johannes sind nochmals ebenso viele unterwegs, sagt er.

Die Vorbereitungen
Die Vorbereitungen beginnen Monate vorher, angefangen mit der Frage in der Ministrantenrunde, wer mitmachen kann. "Bei den Kindern ist das der Großteil", sagt die 18-jährige Helene Oexle. Wie Raphael Dumm (17) ist sie schon seit rund acht Jahren dabei und freut sich, dass die Kinder – die Sternsinger in St. Bonifatius sind zwischen neun und 15 Jahren alt – so gern mitmachen. Schwieriger wird es mit den Leitern, die 16 Jahre und älter sind: Davon gibt es weniger und nicht jeder kann an jedem Tag. Auch per Mail wird für die Aktion geworben. "Dieses Mal haben wir die Aufgaben auf alle Leiter aufgeteilt", sagt Helene Oexle.

Die Organisation
Wer keine der Kindergruppen begleiten kann, schreibt vielleicht Briefe und kümmert sich um die Rückmeldungen der Eltern. Oder er sammelt und sortiert die zu besuchenden Familien und Straßen ein; auch die Familien, die einen Besuch wünschen, melden sich ja an – meist mit einem Zettel ins Pfarrbüro. Dazu kommen alte Anmeldungen aus der Liste des Vorjahres. Insgesamt kommen so gute 450 Besuche zusammen – und das, obwohl St. Bonifatius in diesem Jahr das Ramie-Gelände komplett an St. Johannes abgegeben hat; bisher waren dort die Gruppen aus der Unterstadt unterwegs. Dennoch: Zwei Tage müssen sie einplanen, zwei lange Tage. Am dritten werden dann noch Einrichtungen wie das Krankenhaus, die Arbeiterwohlfahrt und Pflegeheime besucht.. Schließlich sind die Emmendinger auch für Freiamt, Mundingen und Windenreute zuständig. Für die "Auswärtigen" gibt es einen Fahrdienst.

Die Einteilung übernehmen die jeweiligen Gruppenleiter. Aber auch sie können kaum vorhersagen, wann sie wo sein werden; allenfalls vor- oder nachmittags lasse sich festlegen, sagt Helene. "Man weiß ja nie genau, wie lange es in einem Haus dauert", ergänzt Raphael. Oder die Suche nach der richtigen Adresse. Helene erinnert sich an eine vergebliche Suche nach einer Wohnung im Ramiegelände im vergangenen Jahr: "Und plötzlich standen wir mitten auf der Baustelle."

Die Proben
Anfang November haben die Proben begonnen. Drei gab es insgesamt. Neu war in diesem Jahr, dass die Kinder sich aus zwei Dutzend Texten "ihre" Sprüche wählen durften; die Vorlagen gab’s im Internet. Auch bei den Liedern standen rund ein halbes Dutzend zur Auswahl, zum Beispiel "Wir Sternsinger wurden zu euch ausgesandt..."

Die Sternsinger sollen auch wissen, wofür sie unterwegs sind. Dafür gab es Informationsmaterial und der Film "Willi will’s wissen", in dem über die endlos langen Arbeitstage eines indischen Mädchens berichtet wird. Den Film haben sich die Leiter gemeinsam mit den Jüngeren angeschaut. "Das ist eine sehr praktische Möglichkeit, das Thema den Kindern nahezubringen", sagt Helene. Bei der Aussendung in St. Bonifatius geht Vikar Striet nochmals auf diese Ausbeutung ein – Kinder, die arbeiten müssen, weil sie billige Kräfte sind; und die lieber in die Schule gehen würden.

Erstmals haben sich die Ministranten auch selbst um die Kleider gekümmert. Die lagern im Pfarrräumen. Nur sind viele zu groß. "Die stammen aus der Zeit, als es ältere Ministranten gab", erklärt Helene, "früher hat man ja bis 24 Jahren ministriert." Dieses Mal sind aber auch schon Erstkommunionskinder dabei – und die sind halt ein Stückehen kleiner. "Wir haben halt geschaut, was am besten passt – nur farblich stimmt’s dann nicht immer so", sagt Helene. "Wir müssen improvisieren, umnähen können wir nicht", ergänzt Raphael, "aber es geht doch darum, dass man den Segen bringt, und nicht ums Erscheinungsbild."

Die Sternsinger sind in Emmendingen am 3., 4. und 5. Januar unterwegs – wenn es das Wetter erlaubt; am letzten Tag werden Krankenhaus und Altenheime besucht.