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02. April 2016

Stil aus mehreren Kulturen

Australische Künstlerin im Georg-Scholz-Haus / Bildebenentechnik / Vernissage am 3. April.

  1. Künstlerin Sue Hayward beim Aufbau ihrer Ausstellung. Foto: Gabriele Zahn

  2. Der Ibis, seine schützenden und heilenden Kräfte symbolisierend Foto: Photographer: Gabriele Zahn

  3. Menschen realitätsnah, aber primär deren Wesen soll ausgedrückt werden. Foto: Photographer: Gabriele Zahn

WALDKIRCH. Am Sonntag, 3. April, wird im Georg-Scholz-Haus die Ausstellung "Subject to Change" mit Werken von Sue Hayward eröffnet. Haywards Bilder sind mehrdimensional und wirken je nach Blickwinkel und Lichteinfall faszinierend plastisch. Das Kunstgespräch mit der Künstlerin findet am Montag, 4. April, statt. Die Ausstellung kann bis 8. Mai besichtigt werden.

Die in Brisbane/Australien geborene Künstlerin Sue Hayward studierte in Brisbane und Sydney Kunst, bevor sie 1985 nach Europa kam, nach Berlin umzog und dort ihre Kunststudien ausweitete. In Australien hat die Natur sie geprägt. Ganz besonders haben es ihr die Vögel angetan, die sie immer wieder auf ihren Bildern darstellt oder die zentraler Bestandteil ihrer Skulpturen sind. In Europa war sie von der Mythologie, der Ikonographie und den sakralen Werken und Bauwerken fasziniert.

Für ihre künstlerischen Werke kombinierte sie diese verschiedenen Kulturen und Kunstrichtungen und entwickelte einen ganz eigenen Stil. Im Zentrum ihrer Gemälde und Skulpturen steht der Mensch. Dabei geht es ihr bei der realitätsnahen Darstellung nicht um eine vollends realistische Abbildung, sondern um die Darstellung des Wesens des Menschen vor dem Hintergrund der Mythologie. Hayward bedient sich dabei gegensätzlicher Stilelemente, die sie gekonnt harmonisch kombiniert.

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Die Aufsicht auf ein Bild zeigt einen in sich strukturierten jedoch plakativen, in Spachteltechnik aufgetragenen Hintergrund, der dem Bild nur bedingt Tiefe gibt und der Fantasie viel Freiraum lässt. Im Zentrum steht der Mensch, bei dem sie die Haare und den Körper in derselben Spachteltechnik auf Leinwand dargestellt hat wie den Hintergrund. Meist wurde für das Gesicht die Leinwand ausgeschnitten und Gaze eingesetzt. Diese zart und mit wenigen Strichen bemalte Gaze gewährt dem Betrachter einen Blick hinter das Gesicht auf ein zweites Bild.

Eine zweite Bildebene bewirkt den Effekt des Plastischen

Das Gesicht wirkt weich, durchscheinend und entrückt. Geht der Betrachter an dem Bild vorbei, verändert sich das Gesicht. Es wirkt plastisch und scheint sich zu bewegen, bis es schließlich von einem spitzen Winkel aus betrachtet zerfällt: Der Effekt des Plastischen und der Veränderungen rührt von der zweiten Bildebene hinter der Gaze, auf der Hayward auf Holz weitere markante Elemente des Gesichts gemalt hat.

Diese besondere Technik der zweiten Bildebene hat sie in den letzten Jahren weiterentwickelt. Bei den beiden Bildern "Flight" und "Nocturnal" hat sie nicht das Gesicht des Menschen sondern einen Papagei (Flight) beziehungsweise einen Flughund (Nocturnal) in der Zwei-Ebenen-Technik dargestellt. Beide Bilder befassen sich mit dem Thema Loslassen. Der Mensch zeigt nach oben geöffnete Hände, von denen ein Papagei oder ein Flughund abgehoben hat und davonfliegt. In beiden Bildern bezieht sie bei den Tieren den Schatten der auf die Gaze aufgetragenen Farbe mit ein, so dass beispielsweise beim Papagei der Schatten ein detailliert dargestelltes Federkleid suggeriert. Der Effekt, der sich dem Betrachter durch die beiden hintereinander liegenden Bildebenen offenbart, kann bei Abbildungen des Werkes nicht wiedergegeben werden.

"Swan Song" ist der Titel einer Skulptur, die in der Ausstellung gleich zwei mal betrachtet werden kann: einmal als patinierte Bronze und einmal als bemalte Bronze. Am liebsten arbeitet Hayward bei Skulpturen aber mit Bienenwachs. Bei "Swan Song" sitzt auf dem Kopf einer Büste ein Schwan, der seinen Kopf nach unten hält in Richtung des Mundes der Büste. Der Schwan stellt das Sprachrohr dar, das der dargestellte Mensch vor seinem Tod hatte. Bei einer anderen Skulptur sitzt auf dem Rücken eines nach vorn gebeugten knienden Menschen ein Ibis, dem heilende und schützende Kräfte zugeschrieben werden.

Sehr komplex sind die beiden Stelen im Obergeschoss der Ausstellung. Auf zwei Bildebenen zeigt die obere Stelenhälfte die Silhouette eines Menschen, die sich auf der unteren Stelenhälften wie ein Schatten spiegelt. Die Mitte der einen Stele zeigt einen fest verschnürten und nicht mehr zu öffnenden Koffer hinter Gitter, die andere Stele einen Fischermann hinter Gitter.

Info: Die Ausstellung "Subject to Change" wird am Sonntag, um 11 Uhr eröffnet, die Einführung hält Stefan Tolksdorf. Am Montag 4. April, findet um 20 Uhr das Kunstgespräch mit Sue Haywards statt. Moderator ist Jürgen Meyer-Isenmann. Die Schreibnacht mit Roland Burkhart beginnt am Samstag, 9. April um 20 Uhr. Am Sonntag,10. April, um 11 Uhr, liest Schriftstellerin Herrad Schenk aus ihrem Roman "Für immer Schwestern". Die Akrobatik-Clowns "Alex und Joschi" gestalten am 24. April von 15 bis 16 Uhr den Familiennachmittag für Kinder von 4 bis 84 Jahre. Finissage ist am 8. Mai um 11 Uhr. Ab 10 Uhr werden Texte aus der Schreibnacht gelesen und um 10.30 Uhr Schüler-Arbeiten aus dem Kooperationsprojekt mit Schulklassen präsentiert. Das Georg-Scholz-Haus ist freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr; sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Autor: Gabriele Zahn