17. Oktober 2009 16:04 Uhr
Elternbündnis von Winnenden
Stuttgart: Killerspiele in den Müll
Das nach dem Amoklauf von Winnenden gegründete Elternbündnis hat am Samstag in Stuttgart "Killerspiele" eingesammelt, um diese zu entsorgen.
In den aufgestellten Müllcontainer hatten bis zum frühen Nachmittag vor allem Jugendliche etwa zwei Dutzend Computerspiele wie das umstrittene Counter-Strike reingeworfen. Bündnis-Vorstand Hardy Schober geht es weniger um die Masse, denn um die Symbolik: "Wir wollen, dass diskutiert wird und ein Zeichen setzen, dass Killerspiele aus den Kinderzimmern verbannt werden."
Wenige hundert Meter entfernt hatten sich Computerspieler zu einer Gegenaktion postiert. Sie fühlten sich "pauschal verurteilt", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes für Deutschlands Video- und Computerspieler, Patrik Schönfeldt.
Bei dem Amoklauf am 11. März hatte ein 17-jähriger Schüler mit einer großkalibrigen Pistole in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst tötete.
Ähnliche Aktionen in anderen Städten
Die Angehörigen von Opfern des Amoklaufs, die in dem Aktionsbündnis organisiert sind, setzen sich für eine Ächtung von sogenannten Killerspielen ein. Im Hinblick darauf, dass der Amokläufer von Winnenden auch regelmäßig gewaltverherrlichende Spiele spielte, meinte Schober: "Wenn ich einen Amoklauf in Deutschland mit der Aktion verhindere, ist das Ziel erreicht." Bei dem Amoklauf von Winnenden wurde auch Schobers Tochter getötet. Die Aktion soll in verschiedenen Städten fortgesetzt werden.
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Ein Aktivist des Spieler-Verbandes demonstrierte derweil gegen die Ächtung von Computerspielen und gegen Vernichtung von "Kulturgut". Das Plakat "Stoppt den Trauer-Terror" wurde nach Beschwerden von Passanten aber schnell verstaut. Die Spieler nahmen unter dem Motto "Videospiele – Menschen verbinden statt aufhetzen" Spiele an, die sie an Jugendtreffs weiter reichen wollten. Der Spieler-Verband begrüßte zwar die Bemühungen des Aktionsbündnisses, Eltern aufmerksam zu machen, dass nicht alle Medien für ihre Kinder geeignet sind. Die "massenhafte Vernichtung von Kulturgut" könne aber angesichts der Geschichte falsch aufgefasst werden, sagte Schönfeldt.
Das Aktionsbündnis, das wegen seines Engagements gegen großkalibrige Waffen und Ego-Shooter (Kategorie besonders gewalttätiger Computerspiele) bereits seit seinem Bestehen angefeindet wird, hatte für den Samstag sicherheitshalber einen privaten Sicherheitsdienst engagiert. Die beiden Aktionen blieben aber friedlich.
Ego-Shooter: So viele wie möglich töten
Bei sogenannten Killerspielen blickt der Computerspieler durch die Augen einer schwer bewaffneten Figur. In der Regel will er so viele Gegner wie möglich töten, bevor es ihn selbst erwischt. Die im Fachjargon "Ego-Shooter" genannten Spiele sind häufig in einer apokalyptischen Zukunft angesiedelt. Beliebt sind aber auch Kriegsspiele. Die meisten Gewaltspiele sind netzwerkfähig. Die Spieler treffen sich im Internet oder auch tatsächlich in einem Raum bei sogenannten LAN-Partys (LAN steht für lokales Netzwerk).
Ein bekanntes Online-Spiel ist "Counter-Strike", das auch der Amokläufer von Winnenden gespielt haben soll. Dabei jagen Polizisten Terroristen und erschießen sie. Das Töten von Menschen ist in der fiktiven Welt des Computerspiels ein wesentlicher Bestandteil der Handlung. In einigen Versionen fließt kein Blut – gängige Internet- Versionen sind aber durchaus blutrünstig.
Autor: dpa

