An der Uni Freiburg kehrt west-östliche Weisheit ein

Volker Hasenauer

Von Volker Hasenauer

Mi, 09. Mai 2012

Südwest

Ein Pilotstudiengang der Religionswissenschaftler widmet sich der Spiritualität / Exkurse auch in die Hirnforschung.

FREIBURG. Keine Buchhandlung ohne Esoterik-Ecke, überfüllte Selbstfindungskurse, Zen-Meditationen, Exerzitien: Der Markt spiritueller und esoterischer Angebote ist weit gefächert. Die Suche nach geistlicher Orientierung bewegt immer mehr Menschen. Ein bundesweit einzigartiger Studiengang an der Universität Freiburg nähert sich den Phänomenen Spiritualität und Sinnsuche nun wissenschaftlich und praktisch-kontemplativ zugleich. An diesem Freitag startet das "Kontaktstudium Interkulturalität und Spiritualität". Eingeschrieben haben sich 50 Teilnehmer.

Innerhalb von vier Semestern will der Gründer des Projekts, der Freiburger Religionswissenschaftler Bernhard Uhde, mit weiteren Theologen und Experten aus Islam und anderen Religionen sowie Wissenschaftlern aus Hirnforschung oder Quantenphysik eine wissenschaftlich fundierte Betrachtung von Spiritualität in den Weltreligionen angehen. "Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach spiritueller Orientierung. Es gibt einen riesigen Markt, aber kaum wissenschaftliches Nachdenken darüber, was Spiritualität eigentlich meint und worin sie gründet. Diese Lücke wollen wir schließen", verspricht Uhde.

Zielgruppe des am eigens gegründeten "Institut West-Östliche Weisheit an der Universität Freiburg" angesiedelten Studiengangs, der mit einem "Diploma of Advanced Studies" abschließt, sind einerseits in Meditation erfahrene Menschen, etwa Meditationslehrer, und andererseits jene, die sich als religiös-spirituell Suchende bezeichnen. Wenige Jüngere sind dabei, die große Mehrheit steht bereits im Berufsleben.

Das Weiterbildungsstudium gliedert sich in über vier Semester verteilte Module, die Themen wie religionswissenschaftliche Grundlagen, Interkulturalität oder "Weltverantwortung" mit Exkursen in die moderne Hirnforschung verbinden. Die aus ganz Deutschland stammenden Teilnehmer sollen vor allem über das Internet Themen erarbeiten und kommunizieren. Gleichzeitig gibt es pro Semester ein Präsenzwochenende. Jeder Teilnehmer muss zudem die behandelten Inhalte in einem frei wählbaren Meditationskurs anwenden.

Mittelfristig soll sich der neue Studiengang allein durch die Teilnehmergebühren tragen. Derzeit sind es 4000 Euro für vier Semester. Eine Anschubfinanzierung in sechsstelliger Höhe kommt von der "Stiftung Akademie west-östliche Weisheit". Hinter ihr steht der im unterfränkischen Holzkirchen ansässige Benediktushof, einer der größten deutschen Anbieter für Meditation, der vom katholischen Priester und Zen-Meister Willigis Jäger gegründet wurde. Er gilt seit Jahren als eine der großen charismatischen Figuren west-östlicher Spiritualität in Deutschland. Seine Beschäftigung mit Zen, Meditation und nichtchristlichen Religionen führte indes zum Konflikt mit seiner Kirche, die schließlich 2002 in einem vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, ausgesprochenen Rede- und Publikationsverbot mündete. Bis heute ist Jäger exklaustriertes Mitglied der Abtei Münsterschwarzach.

Eine direkte Beteiligung der katholischen Kirche an dem Projekt gibt es bislang nicht. "Ein Kontakt könnte aber durchaus sinnvoll sein, gerade weil hier religiös Interessierte und spirituell Suchende anzutreffen sind, die in traditionellen kirchlichen Strukturen kaum auftauchen", sagt Uhde. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch habe sich mit großem Interesse nach dem neuen Projekt erkundigt.

Mehr Informationen gibt es unter http://www.westoestlicheweisheit.de