Akw Fessenheim

Reaktor abschalten – Atomaufsicht drängt auf Klarheit

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Fr, 06. Oktober 2017 um 17:23 Uhr

Südwest

Noch ist unklar, wann das Akw Fessenheim vom Netz geht. Die französische Kontrollbehörde ASN verlangt vom Betreiber Klarheit und warnt vor Risiken.

Den Zeitpunkt der endgültigen Stilllegung des Akw Fessenheim werden das französische Umweltministerium und der Stromkonzern Electricité de France aushandeln. Die französische Kontrollbehörde ASN hat sich bei ihrer Jahrespressekonferenz am Donnerstag in Straßburg allerdings kritisch in die Debatte eingemischt.
"Wir üben keinen politischen Druck aus, unsere Aufgabe ist es allerdings, Risiken zu identifizieren." Pierre Bois, Leiter der ASN Straßburg
"Wir halten es für notwendig, dass der Betreiber Klarheit schafft und darlegt, wie er vorzugehen gedenkt", sagte Pierre Bois, Leiter der ASN Straßburg. Man sehe keine Gefahr im Verzug. Gleichwohl wisse man in der Behörde, dass ein solcher Schwebezustand Auswirkungen auf die Beteiligten haben könne. Die andauernde Ungewissheit hält man bei der Atomaufsicht nicht zuletzt für die Belegschaft des Akw für nicht mehr tragbar. "Wir üben keinen politischen Druck aus, unsere Aufgabe ist es allerdings, Risiken zu identifizieren", so der Atomkontrolleur.

Wird Reaktor 2 wieder hochgefahren?

Die Entscheidungshoheit hat Bois mit seiner Behörde in einer anderen Frage, die das Akw betrifft: nämlich, ob Reaktor 2 vor einer endgültigen Abschaltung noch einmal hochgefahren wird. Block 1 wurde am vergangenen Sonntag nach gut zwei Monaten, in denen ein Teil des Brennmaterials ausgetauscht worden ist, wieder hochgefahren. Reaktor 2 jedoch ist seit Juni 2016 außer Betrieb.

Kontrolleure stellten Materialfehler fest

Bois’ Behörde hatte nach dem Skandal um die Reaktorschmiede Le Creusot das Prüfzertifikat eines Dampferzeugers in Block 2 bis auf weiteres aufgehoben. Die Kontrolleure hatten festgestellt, dass dessen Rumpf produktionsbedingte Materialfehler aufweist. Ob diese nun die Sicherheit beeinträchtigen oder gar einen endgültigen Entzug der Betriebsgenehmigung rechtfertigen, dazu muss sich die Atomaufsicht in den kommenden Monaten positionieren.

Am Rande der Pressekonferenz äußerte sich Bois nur vorsichtig zu diesem Punkt. EdF habe im Sommer einen umfassenden Bericht übermittelt, der darlegen soll, dass das fragliche Bauteil gefahrlos genutzt werden, das Akw also wieder in normalen Betrieb übergehen könne. "Wir benötigen mehrere Monate, um die Daten zu prüfen", sagte Bois.

Bis dahin könnte allerdings eine kritische Frist verstreichen. Wäre im Frühsommer 2018 noch immer nichts entschieden, müsste EdF nach einem Stillstand von zwei Jahren eine Fristverlängerung für Block 2 beantragen, sonst verfiele die Betriebsgenehmigung.

Französische Energiewende-Gesetz bleibt vage

Das französische Energiewende-Gesetz von 2015 habe mit dieser Klausel gewährleisten wollen, dass nukleare Anlagen gesichert werden, sobald der Betrieb gestoppt ist, erklärte Bois. Ob einzelne Reaktoren oder komplette Anlagen gemeint sind, ist im Text nicht präzisiert. Im Falle von Fessenheim wäre das gleichwohl entscheidend. Schließlich war seit 2016, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, ständig einer der beiden dortigen Reaktoren in Betrieb.

Es könnte sein, dass die ASN von EdF einen Austausch des Dampferzeugers verlangt und die Inbetriebnahme von Reaktor 2 genehmigt, obwohl schon ein Jahr später die endgültige Stilllegung kommen könnte. EdF wird die beschlossene Stilllegung des Akw in die Wege leiten, wenn als Ausgleich der Reaktor EPR in der Normandie in Betrieb geht – mutmaßlich 2019.

Mehr zum Thema: