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17. Februar 2013 10:56 Uhr

Schule

Auch Baden-Württemberg ist gegen das Sitzenbleiben

Ist Sitzenbleiben sinnvoll oder verlorene Zeit? Die Debatte darüber erregt die Gemüter. Die Landesregierung schlägt sich auf die Seite der Reformer: Sitzenbleiben soll überflüssig gemacht werden.

  1. Schüler sollen nicht mehr sitzenbleiben. Foto: dpa

Stuttgart (dpa/lsw) - Der neue baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hat sich in der Debatte über das Sitzenbleiben von Schülern auf die Seite der Reformer geschlagen. "Die Angst vor dem Sitzenbleiben ist keine sinnvolle Lernmotivation für die Schülerinnen und Schüler", sagte er am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Damit unterstützt er die rot-grüne Koalition in Niedersachsen, die mit ihrer Ankündigung, das Sitzenbleiben mittelfristig abzuschaffen, für heftige Reaktionen gesorgt hatte.

"Sitzenbleiben ist längst nicht mehr zeitgemäß." Ties Rabe
Stoch erklärte, in der jüngst von der grün-roten Landesregierung eingeführten Gemeinschaftsschule könnten die Kinder bereits nicht mehr durchfallen. Dies wolle er Schritt für Schritt auch an den anderen Schulen durchsetzen, indem er entsprechende Voraussetzungen schaffe. "Wir wollen das individuelle Lernen an allen Schularten ausbauen, um jede Schülerin und jeden Schüler dabei zu unterstützen, den jeweils bestmöglichen Abschluss zu erreichen." Dann sei Sitzenbleiben nicht mehr nötig.

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Damit ist Stoch genau auf der Linie der designierten niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Sie hatte darauf verwiesen, dass die Koalition ein perspektivisches Ziel formuliert habe, "das nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann". Im Koalitionsvertrag sei festgeschrieben, Sitzenbleiben "durch individuelle Förderung überflüssig" zu machen.

In Hamburg bleiben Schüler schon seit zwei Jahren nicht mehr sitzen

Bundesweit wiederholen pro Jahr etwa zwei Prozent aller Schüler eine Klasse. In den vergangenen Jahren haben eine ganze Reihe von Ländern entschieden, das Durchfallen ganz oder zumindest teilweise zu streichen. In Hamburg zum Beispiel ist Sitzenbleiben seit dem Schuljahr 2010 abgeschafft. Zurzeit gilt dies für die Klassen 1 bis 9, jährlich kommt eine weitere Stufe hinzu, so dass es bis 2017 in allen Klassen kein Sitzenbleiben mehr gibt. Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir haben eine Ersatzregelung eingeführt, die lautet: Wer in einem Kernfach eine 5 in einem Zeugnis hat, muss in eine kostenlose schulische Nachhilfemaßnahme." Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Sitzenbleiben verschwendet Lern- und Lebenszeit - es ist längst nicht mehr zeitgemäß."

Nach Ansicht von Stoch "bringt das Sitzenbleiben erhebliche psychische Belastungen mit sich und nimmt den Mädchen und Jungen viel Selbstvertrauen". Es sei längst nachgewiesen, dass Schüler durch eine sogenannte Ehrenrunde wenig gewinnen, um in der Schule besser voranzukommen.

Autor: dpa