Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Januar 2015

Bahnlärm bleibt Offenburg bis 2035 erhalten

Geplanter Tunnel kommt wohl erst später / Lärmschutzwände sollen vorerst helfen / Raumordnung für Autobahntrasse verlangt.

  1. Bis 2035 werden die Güterzüge wohl durch den Offenburger Bahngraben rattern, weil sich der Bau des Tunnels verzögert. Foto: Seller

OFFENBURG. Mit ihrer Forderung nach einem Güterzugtunnel ist die lärmgeplagte Stadt Offenburg vorerst auf dem Abstellgleis gelandet. Weil der geforderte Tunnel in diesem besonders lärmsensiblen Bereich nach jetzigem Stand der Planung laut Bahn frühestens im Jahr 2035 in Betrieb gehen wird, beabsichtigt das Unternehmen gar, kurzfristig in eine freiwillige Lärmsanierung zu investieren und so mehr als 2100 Wohneinheiten besser vor Bahnlärm zu schützen. Für Manfred Wahl, Chef der Bürgerinitiative Bahntrasse, ist das "eine Kriegserklärung an die Bevölkerung". Denn schon jetzt rattern immer mehr Güterzüge durch die Stadt – vor allem nachts. Und ihre Zahl wird mit dem Ausbau der anderen Streckenabschnitte weiter steigen.

Anfang Februar stellt die Bahn in Offenburg ihre Pläne für eine Lärmsanierung vor. Diese freiwillige Leistung sieht aktiven Lärmschutz durch bis zu drei Meter hohe Wände vor, vor allem aber auch passiven Schallschutz durch den Einbau neuer Fenster und schallgedämmter Lüfter. Was in welchem Umfang verwirklicht wird, soll auch vom Stimmungsbild in der Bevölkerung abhängig gemacht werden. Eine Lärmsanierung gibt es nur, wenn sich an einer Strecke für mindestens zehn Jahre baulich nichts tut – und diese Voraussetzung droht in Offenburg bereits um das Doppelte übertroffen zu werden. Stand bislang noch das Jahr 2029 für die Inbetriebnahme eines Tunnels im Raum, so soll es nach aktuellen Angaben der Bahn nun 2035 werden. "Wir planen von Süden nach Norden – und da ist Offenburg eben der letzte Abschnitt", erklärte ein Bahnsprecher.

Werbung


Für Manfred Wahl von der Bürgerinitiative ist das nicht hinnehmbar. "Wir werden alles dafür tun, dass es zu einem früheren Termin kommt." Schon bisher habe man noch bei allen Planungsunterlagen der Bahn Punkte entdeckt, für die es bessere Lösungen gibt. So habe man gemeinsam mit der Stadt Offenburg nachweisen können, dass eine Tunneleinfahrt auch mit sechs Promille Neigung möglich ist. Die Bahn hatte die Grenze bei zwölf Promille gezogen. Ebenso konnte durch Gutachter widerlegt werden, dass auch nach einem Tunnelbau noch 35 Prozent der Güterzüge durch Offenburg geleitet werden müssen. Es seien gerade mal sechs Prozent.

Für Wahl ist eine schnellere Planung auch eine Frage der Personalausstattung bei der Bahn. Es sei von daher immerhin erfreulich, dass der neue Projektleiter Matthias Hudaff in Karlsruhe schon weitere Planungsstellen geschaffen habe. "Es kann nicht sein", sagt der evangelische Dekan i. R., dass sich die größte und erfolgreichste Industrienation Europas dadurch lächerlich mache, dass die kleine Schweiz weitaus längere Tunnel in viel kürzerer Zeit realisiert bekomme. "Und wir murksen nach einer Planungszeit von 40 Jahren jetzt nochmals 20 Jahre rum – das ist ein Armutszeugnis erster Klasse."

Wie Wahl setzt auch Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (CDU) auf die für Sommer anberaumte nächste Sitzung des Projektbeirats zum Ausbau der Rheintalbahn. Von dem Gremium wird erwartet, dass es im Bundestag die nötigen Planungsgelder für den Offenburger Tunnel durchsetzt – grob geschätzt 80 bis 100 Millionen Euro. 2035 sei jedenfalls zu spät: "Dieses Datum akzeptieren wir nicht", sagt Schreiner. "Der Tunnel muss vor 2030 fertiggestellt sein." Ein Bahnsprecher sieht den Bund in der Verantwortung. "Solange wir kein Geld haben für die Planung, können wir nicht planen. Sobald der Bund die Mittel bereitstellt, fangen wir an." Bis dahin werde man sich vorrangig um die Trassen im Markgräflerland und im Raum Freiburg kümmern.

Für den Abschnitt dazwischen verlangen die Gemeinderäte der zehn in der Grafenhausener Erklärung zusammengeschlossenen Gemeinden erneut ein Raumordnungsverfahren, um die alternativen Trassenführungen an der Autobahn beziehungsweise an der bestehenden Strecke zu vergleichen. Zugleich forderten die mehr als 100 Stadt- und Gemeinderäte der EU eine Verordnung, wonach von 2020 an nur noch lärmreduzierte Güterwaggons eingesetzt werden dürfen.

Autor: Helmut Seller, Franz Schmider und Hubert Röderer