Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Mai 2013 20:19 Uhr

Baden-Württemberg

Bemühungen für leisere Motorräder verpuffen

Das Knattern bleibt: Während der Geräuschpegel von neuen Autos per EU-Gesetz künftig auf 68 Dezibel beschränkt werden soll, dürfen Motorräder weiterhin so laut sein wie schwere Lastkraftwagen. Die EU-Kommission sträubt sich gegen eine Neuregelung.

  1. Motorradfahrer genießen einen Trip ins Grüne, Anwohner fühlen sich dadurch öfters gestört. Foto: dpa

Das Rheinvorland oder der Schwarzwald sind für Spaziergänger wie Motorradfahrer gleichermaßen attraktive Ziele – ein Umstand, dem so manch eine der Bürgerinitiativen im Südwesten ihre Gründung verdankt. Wie zum Beispiel die Todtmooser BI: Anwohner und Kurgäste der kleinen Schwarzwälder Gemeinde im Landkreis Waldshut haben den Motorradlärm dermaßen satt, dass sie seit etwa einem Jahr in Stuttgart gegen den Krach der Zweiräder mobil machen.

In Brüssel tut sich nichts

Der Landesregierung sind jedoch die Hände gebunden. Zwar kann sie sich für Streckensperrungen oder verstärkte Polizeikontrollen einsetzen, aber über technische Standards von Motorrädern wird in Brüssel entschieden. Und dort sieht es nicht so aus, als würde sich in den nächsten Jahren etwas tun. Erst im Januar hat das EU-Parlament mit dem Ministerrat eine neue Verordnung über die Zulassung von Krafträdern verabschiedet. Die darin festgelegten Geräusch-Emissionsgrenzwerte entsprechen den gleichen wie bisher, das heißt für Motorräder gilt ein europaweiter Grenzwert von 80 dB, genau wie für Lkw.

Werbung


Alle Hoffnungen lagen deshalb auf einer Überarbeitung der Regelung ECE-R 41, einer von den Vereinten Nationen entwickelten Richtlinie über weltweite Geräuschstandards von Motorrädern, die noch in diesem Jahr in europäisches Recht umgesetzt werden soll. Auf Baden-Württembergs Initiative forderte der Bundesrat im Oktober Verkehrsminister Ramsauer auf, sich bei der EU-Kommission für eine Absenkung der Grenzwerte von Krafträdern einzusetzen. Technisch sei dies schon lange möglich, hieß es in der Begründung. Die EU-Kommission denkt allerdings nicht daran, schärfere Grenzwerte für Motorräder durchzusetzen.

"Für mich bleibt das Thema weit oben auf der Agenda." Gisela Splett
"Die Geräuschpegel von neuen Krafträdern sind nicht zu hoch", verteidigt Sara Tironi, Sprecherin von EU-Kommissar Antonio Tajani, die Untätigkeit der Brüsseler Beamten. In den meisten Fällen seien Manipulationen am Auspuff oder unverantwortliches Verhalten des Fahrers die Ursache für den störenden Lärm. Und schwarze Schafe aus dem Verkehr zu ziehen sei keine Aufgabe der Kommission, sondern Ländersache. Allerdings schließt Tironi nicht aus, dass bei einer späteren Überarbeitung der Richtlinie die Grenzwerte gesenkt werden.

Das kann allerdings dauern. "Wenn man sieht, wie lange die Diskussionen bezüglich der Geräuschemissionen von Pkw gedauert haben, wird man für bessere Regelungen bei Motorrädern wohl noch einen langen Atem brauchen", sagt Baden-Württembergs Lärmschutzbeauftragte Gisela Splett, auf deren Initiative der Bundesratsbeschluss unter anderem zurückgeht. Und in der Tat: Beobachter im Europäischen Parlament gehen davon aus, dass mit einer Überarbeitung der Motorrad-Richtlinie nicht vor 2020 zu rechnen ist. Aber davon lässt Splett sich nicht abschrecken: "Für mich bleibt das Thema weit oben auf der Agenda."

Mehr zum Thema:

Autor: Antje Ritzert