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07. März 2015

Der Blick aufs ganze System

Nachhaltig, aber auch verwertbar: Die anwendungsnahe Kooperation der Universität mit fünf Instituten ist noch Neuland.

  1. LED statt Glühbirne: Wie überzeugt man Käufer? Foto: dpa

  2. Foto: Fraunhofer-Institut

Wer glaubt, viele Umweltprobleme seien gelöst, wenn nur alle Menschen Elektroautos führen statt mit Benzin getriebene Fahrzeuge, der irrt. Denn die Frage der Energie ist nur das eine – man müsse auch sehen, dass mit den Antrieben das eingesetzte Material ebenfalls anders werde, sagt Klaus Dieterich, früher Chef der Forschung bei Bosch. Es geht vorrangig um die Batterien und deren Bauteile, über deren Produktion und vor allem deren Recycling sich man heute schon Gedanken machen müsse. Denn sonst laufe das ganze System der Elektromobilität Gefahr, doch nicht nachhaltig zu sein.

Genau diesen Blick aufs ganze System erhofft sich Dieterich von dem Leistungszentrum Nachhaltigkeit, das die Universität Freiburg und die fünf in der Stadt ansässigen Fraunhofer-Institute gemeinsam betreiben wollen. Aus Sicht der Fraunhofer-Gesellschaft ist es das Pilotprojekt für weitere derartige Leistungszentren in Deutschland, in denen ihre Institute mit den örtlichen Hochschulen zusammenarbeiten sollen; aus Sicht der Universität Freiburg das richtige Mittel, um die ganze Region als Forschungsschwerpunkt international sichtbar zu machen.

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Am Freitag erfolgte der offizielle Start des Leistungszentrums, das das Land für die nächsten drei Jahre mit fünf Millionen Euro fördert. Je 2,5 Millionen geben Fraunhofer und die Universität dazu, und von der Wirtschaft erhofft man sich weitere sechs Millionen über konkrete Forschungsvorhaben. Deshalb nahmen an der Diskussionsrunde während des Festakts im Freiburger Historischen Kaufhaus mit Dieterich, Robert Bauer, dem Vorstandsvorsitzenden der Sick AG, und Ulrich Kaiser, Technologiedirektor bei Endress + Hauser drei Vertreter der im Leistungszentrum engagierten Unternehmen teil. Deren Erwartungen sind ganz konkret – und sehr nahe am Selbstverständnis der Fraunhofer-Institute, aber für die Universität wohl noch gewöhnungsbedürftig: Forschungsergebnisse, die den Firmen weiterhelfen, die sich wirtschaftlich verwerten lassen. Das breite Thema Nachhaltigkeit wird im Freiburger Leistungszentrum auf vier Bereiche fokussiert: Es geht um neue Werkstoffe, um die Energiewende, um die Widerstandsfähigkeit von Systemen (Resilienz) und um die gesellschaftliche Vermittlung des Nachhaltigkeitsgedankens. Die ersten sechs Projekte sind bereits gestartet, im Oktober wird es eine erste Konferenz geben, in der man über deren Fortschritte mehr erfahren wird.

Reimund Neugebauer, Chef der Fraunhofer-Gesellschaft, setzt darauf, dass in drei Jahren der Bund in die Finanzierung einsteigt – über einen Wettbewerb für Profilzentren, in dem die von Fraunhofer mitgetragenen Leistungszentren 2016 gute Chancen haben dürften, "wenn nicht allzu viel falsch gemacht wird". Zugleich rechnen er und der Unirektor Hans-Jochen Schiewer damit, dass das Leistungszentrum – das erste von zunächst vier in Deutschland – die Aussichten Freiburgs für die dritte Runde der Exzellenzinitiative deutlich heben wird. Noch weiß allerdings niemand, wie deren Bedingungen aussehen werden, aber Neugebauer fordert, dass dann die Verwertung von Erforschtem eine wichtigere Rolle spielen müsse als bisher.

Doch das Leistungszentrum soll auch sein eigenes Gewicht erhalten. Freiburg werde, sagte Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne), damit fürs Land zum zentralen Standort der Nachhaltigkeitsforschung. Die Technische Fakultät der Universität erhält ein neues Institut für nachhaltige Ingenieursysteme mit 14 Professuren, die Fraunhofer und Hochschule gemeinsam besetzen, und die Fraunhofer-Gesellschaft plant noch ein Laborgebäude direkt neben dem neuen Institut, das seine Arbeit im Herbst aufnimmt.

Autor: Wulf Rüskamp