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22. August 2017 15:19 Uhr

Erdrutsch

Deutsche Bahn bestätigt: Rheintalstrecke bleibt bis zum 7. Oktober gesperrt

Die wegen des abgesackten Tunnels gesperrte Rheintal-Bahnstrecke bleibt bis zum 7. Oktober stillgelegt. Ursprünglich hatte die Bahn gehofft, die Arbeiten bis zum 26. August abzuschließen.

  1. Arbeiten bei Rastatt-Niederbühl Foto: dpa

Die Instandsetzungsarbeiten an der Rheintalbahnstrecke werden weit länger dauern als zunächst angenommen. Erst zum 7. Oktober sollen die Gleise wieder befahrbar sein, teilte die Bahn in einem Pressegespräch in Karlsruhe mit. Für Kunden des Karlsruher Verkehrsverbunds und regelmäßige Pendler sind Kulanzmaßnahmen geplant.

Nach einem Einbruch von Wasser und Erdmassen beim Vortrieb für den Bau des neuen Tunnels Rastatt am 12. August hatte sich der Zustand vom 14. auf den 15. August verschlimmert. Um die darüber verlaufende Rheintaltrasse nicht zu gefährden, hatten Deutsche Bahn und die ausführenden Firmen der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt (Arge) daraufhin beschlossen, den schadhaften, 160 Meter langen Tunnelabschnitt mit Beton zu verfüllen.

70 Prozent dieser Arbeit waren am gestrigen Montag um die Mittagszeit abgeschlossen. Die 18 Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine, die mit einbetoniert wird, ist nicht mehr zu retten.

Um dauerhaft Stabilität zu gewährleisten, will die Bahn aber auch die Rheintalstrecke selbst zunächst über der Absenkung demontieren. In den nächsten Wochen soll eine rund 120 Meter lange und 15 Meter breite, stark bewehrte Betonplatte aufgebracht werden, über der dann das Gleisbett wieder installiert wird. "Die Rheintalstrecke wird voraussichtlich ab dem 7. Oktober 2017 um 0 Uhr wieder befahrbar sein", sagte Klaus Pöllath von der Arge.

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"Erhebliche Herausforderungen"

Dirk Rompf, Vorstand Großprojekte bei der DB, räumte ein, "dass wir uns einen zügigeren Zeitplan sehr gewünscht hätten". Mehrere hundert Mitarbeiter arbeiteten unter Hochdruck daran, den Kunden im Personen- und Güterverkehr möglichst schnell wieder normale Bedingungen bieten zu können. "Uns ist sehr bewusst, dass die nächsten Wochen erhebliche Herausforderungen bieten."



Mit dem Karlsruher Verkehrsverbund hat sich die Bahn darauf geeinigt, Kunden von Zeitkarten für die Dauer der Sperrung eine 50-prozentige Entschädigung anzubieten. Fernverkehrskunden mit Wohnorten in der betroffenen Region will die DB in den nächsten Tagen selbst kontaktieren; tägliche Pendler, die außerhalb wohnen, können sich im Abocenter (01806011066) oder dem Comfort-Service der Bahn melden (Kunden mit BahnCard 100).

Fahrplan wird aktualisiert

Vom 22. August an wird der Fahrplan schrittweise aktualisiert; bis dahin erworbene Tickets werden auf den Umleitungsstrecken und im Schienenersatzverkehr anerkannt. Eventuelle Zugbindungen sind aufgehoben. Vor dem 22. August gekaufte Fahrkarten können außerdem kostenfrei umgetauscht oder zurück gegeben werden.

Seit dem 13. August gibt es zwischen Rastatt und Baden-Baden Ersatzbusse, die im Schnitt alle fünf bis zehn Minute verkehren. Rompf kündigte an, diese Kapazitäten auch nach dem Ende der Schulferien mindestens zu halten. Nichtsdestotrotz müssen Fahrgäste auf diesem Abschnitt mit Reisezeitverlängerungen von einer Stunde rechnen, unter Umständen auch mehr.

Alternativen für Güterverkehr

Noch größere Herausforderungen erwartet die Bahn im Güterverkehr, für den es großräumige Alternativrouten gibt. Grundsätzlich genügen die Kapazitäten der Bahn zwar für das zu erwartende Aufkommen, so Rompf. Da es aber auf diversen Strecken Einschränkungen und besondere Anforderungen gebe, sei für jeden Kunden ein maßgeschneiderter Plan erforderlich. "Das wird jetzt hier ein Häuserkampf, wir müssen runter in die Details."

Zu den Ursachen des Wassereinbruchs wollten die Verantwortlichen noch nichts sagen, da es dazu noch keine Erkenntnisse gebe. Die Auswertung der Überwachungssysteme habe allerdings gezeigt, dass zu keiner Zeit Gefahr für Menschen oder Güter bestanden habe. Auch dazu, wie die Bahn später mit dem Bau des Tunnels fortfahren will, der gerade zu einem nicht unbeträchtlichen Teil zubetoniert wird, sei noch nichts entschieden, erklärte Pöllath. Allerdings gebe es durchaus Optionen: "Wir stehen jetzt nicht vor einem technischen Problem, es gibt weltweit viele Stellen, wo eine Tunnelbohrmaschine aufgegeben wurde."

Autor: Jens Schmitz, aktualisiert um 16.27 Uhr