Unterrichtsausfälle

Eltern wollen jetzt klagen

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 07. Oktober 2018

Südwest

Weil an Gymnasien in Baden-Württemberg immer mehr Unterricht ausfällt, will die Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte (Arge) Stuttgart das Land verklagen. Eltern berufen sich dabei auf Chancengleichheit. Das Kultusministerium hat diese Woche Stellung bezogen.

Einer Vollerhebung des Kultusministeriums zufolge fallen landesweit über alle Schularten hinweg 4,1 Prozent aller Stunden des Pflichtunterrichts aus – Vertretungsstunden nicht eingerechnet. Die höchsten Ausfälle verzeichnen allgemeinbildende Gymnasien vor Berufs- und Realschulen. Im Regierungsbezirk Freiburg liegt die Ausfallquote gegenüber Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen mit 4,4 Prozent am höchsten.

"Wir haben seit Jahren eine miserable Bildungspolitik", sagt der Vorsitzende der Arge Stuttgart, Michael Mattig-Gerlach. Die Unterrichtsausfälle verletzten das Recht auf Chancengleichheit, so Mattig-Gerlach. Schüler verlören dadurch etwa ein Jahr ihrer Schulzeit. Derzeit werde die Klage geprüft, bestätigte der Elternvertreter am Freitag: "Wir müssen konkret belegen, dass Unterricht nicht wie vorgesehen stattfand." Die Arge sucht noch betroffene Eltern, die klagen wollen. Ein Musterfall liege mit einem Elftklässler bereits vor.

Die Arge wirft dem Land vor, zu wenig gegen die Ausfälle zu unternehmen. Das wies Kultusministerin Susanne Eisenmann in einer Stellungnahme zurück. Durch Maßnahmen wie Teilzeiterhöhungen, den Einsatz von Pensionären oder den Abschluss von Zeitverträgen sei es kurzfristig gelungen , rund tausend zusätzliche Deputate für die Unterrichtsversorgung zu gewinnen. Sprecher Markus Adler vom Regierungspräsidium Freiburg sagt, im Regierungsbezirk wurden zum Schuljahr 2018/19 1398 befristete Verträge abgeschlossen. Viel mehr sei kurzfristig nicht machbar. ras