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02. März 2010 06:02 Uhr

Friedhofsrecht

Erfolg für Xertifix: Keine Grabsteine aus Kinderarbeit

Seit Jahren kämpft der Freiburger Verein Xertifix gegen Billig-Grabsteine aus Kinderarbeit in Indien. Jetzt konnte er einen Mitstreiter für sich gewinnen: Der CDU-Landesvorstand fordert ein neues Friedhofsrecht.

  1. Kämpft seit Jahren gegen Kinderarbeit in Indien: Benjamin Pütter, Geschäftsführer des Freiburger Vereins Xertifix. Foto: Ingo Schneider

Nach Experten-Schätzungen sind zwischen 30 und 60 Prozent der neu errichteten Grabsteine auf deutschen Friedhöfen Billigimporte aus Indien. Wiederholt rief der Freiburger Verein Xertifix in der Vergangenheit die Kommunen dazu auf, auf ihren Friedhöfen nur noch Grabsteine aus fairem Handel aufzustellen. Sein Vorwurf: In den indischen Steinbrüchen würden Kinder ausgebeutet, sie müssten mit 45 Kilogramm schweren Schlagbohrmaschinen hantieren, würden ungeschützt gefährlichen Steinstaub einatmen und hätten eine Lebenserwartung von höchstens 40 Jahren.

Xertifix-Geschäftsführer Benjamin Pütter gilt in Deutschland als ausgewiesener Experte in Sachen Kinderarbeit in Indien. Am Montag hörte der CDU-Landesvorstand den gebürtigen Freiburger an und fordert jetzt die schwarz-gelbe Landesregierung auf, die Verwendung von Grabsteinen aus Kinderarbeit künftig auszuschließen.

Damit die Kommunen in ihren Friedhofssatzungen die Verwendung entsprechender Waren ausschließen können, müsse das Land das Friedhofsrecht ergänzen, heißt es in dem nun beschlossenen Antrag, der auf eine Initiative der CDU-Sozialausschüsse zurückgeht. "Ich begrüße den Beschluss, er ergänzt das CDU-Konzept Kinderland Baden-Württemberg", sagte Christian Bäumler, Landeschef des CDU-Sozialflügels.

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Erfolg für Xertifix

Mit der Modernisierung des Vergaberechts seien inzwischen zwar die Voraussetzungen geschaffen worden, um beim Erteilen öffentlicher Aufträge Kinderarbeit zu vermeiden, heißt es in der Begründung des Antrags. Das Vergaberecht gelte jedoch nicht für die Friedhöfe und die Frage, ob Grabsteine aus Kinderarbeit aufgestellt werden dürfen. Daher sei die Novellierung des Friedhofsrechts notwendig.

Der Vorstoß zielt insbesondere auf Importe aus Indien, einem Hauptlieferanten für in Deutschland verwendete Grabsteine und auf zur Grabmalherstellung benutzte Steinblöcke sowie auf Pflastersteine, die beim Bau von Straßen und Wegen eingesetzt werden. Er ist ein klarer Erfolg für Xertifix, der trotz mehrerer Klagen weiter behaupten darf, dass es in indischen Steinbrüchen zu Kinderarbeit kommt.

Unangekündigte Kontrollen im Kampf gegen Kinderarbeit

Xertifix, dem der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) vorsitzt, vergibt ein Siegel für Steinimporte aus indischen Steinbrüchen, in denen nachweislich weder Kinder- noch Sklavenarbeit stattfinden. Um das sicherzustellen, so Pütters langjährige Erfahrung, müssen regelmäßig unangemeldete Überprüfungen stattfinden. Die leisten übers Jahr Mitarbeiter von Misereor und Terre des Hommes in Indien. Dabei stellen sie laut Xertifix-Geschäftsführer immer wieder fest: In den Export-Steinbrüchen arbeiten definitiv Kinder. Die jüngsten, denen Kontrolleure bislang begegneten, waren zehn Jahre alt.

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Autor: Roland Muschel/BZ