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18. März 2016 06:00 Uhr

Seelsorge

Evangelische Landeskirche startet Kampagne

Die Evangelische Landeskirche will ihr Angebot in der Seelsorge bekannter machen. Helfen dabei soll die Kampagne "Seelsorge ist Kirche", die nun in Freiburg gestartet ist.

  1. Gut sichtbar: der Turm der evangelischen Markuskirche in Freiburg Foto: Ingo Schneider

Ob in Kliniken, bei einem akuten Notfall oder in der Kirchengemeinde – Seelsorger der Evangelischen Kirche begleiten und unterstützen Menschen, die Hilfe brauchen. Die Kampagne "Seelsorge ist Kirche" der Evangelischen Landeskirche Baden soll dieses Angebot bekannter machen. Sie ist nun gestartet, zuallererst in Freiburg. Das Thema: die Schulseelsorge.

Das große Banner mit der Aufschrift "Schulseelsorge macht mir Mut" hängt am Turm der Markuskirche in Freiburg. Gut sichtbar für die Menschen, die daran vorbeilaufen – besonders für die Schüler der nahegelegenen Schulen. Die Seelsorge spiele sich eigentlich weitgehend im Verborgenen ab, sagt Kirchenrätin Sabine Kast-Streib, Geschäftsführerin des Zentrums für Seelsorge in Heidelberg. Das sei einerseits gut, andererseits sollen die Angebote auch genutzt und die Arbeit der Seelsorger gewürdigt werden. Die Kampagne soll beides öffentlicher machen. "Wir wollten dabei die Flächen nutzen, die wir haben", erklärt Ruth Muslija-Kasper vom Zentrum für Kommunikation (ZfK) der Evangelischen Kirche. Die Kirchtürme dafür zu verwenden, sei nachhaltig und kostensparend. Daher werden die Banner, die auf verschiedene Seelsorgebereiche aufmerksam machen sollen, über verschiedene Kirchtürme Badens verteilt. In Freiburg hat man den Anfang gemacht.

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Die Stadt habe ein großes städtisches Zentrum evangelischen Lebens, so Daniel Meier, Pressesprecher des ZfK. Zudem habe die Markuskirche einen sehr exponierten Turm, von dem aus das Banner weithin sichtbar sei.

Das Thema Schulseelsorge habe sich angeboten, sagt Ulrich Bayer, Pfarrer an der Markuskirche. Denn rund 1900 Schüler gehen in die nahegelegene Grundschule, die Realschule oder das Gymnasium. Die Markuskirche werde dazu für regelmäßig für Veranstaltungen genutzt.

"Die Schülerseelsorge hat in den letzten 20 Jahren bei Lehrern, Schülern und Eltern immer mehr Zuspruch bekommen", berichtet Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht. Die Religionslehrer seien dabei eigens als Schulseelsorger ausgebildet. Themen der Ausbildung sind etwa Gesprächsführung, die Verortung der Seelsorge im System Schule, dort der Umgang mit Tod und Trauer und Rituale wie Gottesdienste und Andachten. Ziel der ökumenisch ausgerichteten Seelsorge können Einzelgespräche, aber auch Gespräche mit einer Gruppe sein. Dabei begegne man Problemen, im Unterschied zu Schulsozialarbeitern, mit einer geistlichen Grundhaltung, so Schneider-Harpprecht. Wichtig dabei: Die Schweigepflicht gilt auch für Schulseelsorger.

Bis zu 80 Mal sei er in einem Schuljahr schulseelsorgerisch tätig gewesen, erzählt Matthias Bücklein, Pfarrer und selbst Schulseelsorger. Die Themen, mit denen er dabei umgehen muss, seien sehr unterschiedlich: die Anschläge von Paris etwa. Aber auch die Ausbildung, Eltern, Drogen, Stress bis hin zum Burnout.

Einmal, sagt Bücklein, sei ein Junge zu ihm gekommen, dessen Freund sich das Leben genommen hatte. Mit ihm sei er lange spazieren gegangen – auch das kann eine Art der Begleitung sein. Die Schulseelsorger würden in der Ausbildung aber auch lernen, wann es Zeit ist, jemanden an einen Therapeuten zu vermitteln.

Was sind besondere Herausforderungen für die Schulseelsorger in Zukunft? Diese seien interkultureller und interreligiöser Art, sagt Kirchenrätin Kast-Streib. Etwa im Kontakt mit Flüchtlingen und Migranten. Spezielle Trainingsangebote sollen den Seelsorgern helfen, künftig dialogfähig zu bleiben.

Das nächste Banner wird demnächst in Heidelberg aufgehängt. Das Thema wird Klinikseelsorge sein.

Autor: ehm