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09. Juni 2011 12:15 Uhr

Notfallpläne

Fessenheim: Evakuierungszone wird ausgeweitet

Die Katastrophenschutzbehörden in Südbaden werden die Evakuierungszone um das Atomkraftwerk Fessenheim von bisher 10 auf 25 Kilometer ausweiten. Sie folgen mit diesem neuen Katastrophenschutzplan einer Forderung aus der Region.

Vor dem Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit erläuterte Markus Ragg von der Katastrophenschutzbehörde des Regierungspräsidiums die Einzelheiten des neuen Konzeptes. In Zusammenarbeit mit den Kommunen, der Freiburger Stadtverwaltung sowie den Landratsämtern Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen werde die Evakuierung vorgeplant, sagte Ragg.

So muss für den Fall einer Freisetzung von Radioaktivität nach einem Atomunfall im französischen Kraftwerk Fessenheim beispielsweise festgelegt werden, wo Sammelstellen und Notunterkünfte eingerichtet werden oder über welche Routen der Strom der fliehenden Menschen, aber auch die Fahrzeuge der Rettungsleute zu lenken seien. Zudem müssen alle für die Versorgung der Bevölkerung nötigen Strukturen festgelegt werden. Wie die Grenzen der Evakuierungszone – die in unserer Grafik schemahaft als Kreis eintragen ist und deshalb etwa den Freiburger Stadtraum durchschneidet – exakt verlaufen werden, muss freilich noch erarbeitet werden, so wie alle Details für die Notfallpläne in Südbaden.

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Betroffen wären jetzt 453.000 Menschen

Die logistischen Herausforderungen, vor denen die Katastrophenschutzplaner stehen, sind gewaltig: Auf deutscher Seite wohnen innerhalb des Evakuierungsbezirks derzeit 453.000 Menschen. Bislang ist eine komplette Räumung nur für ein Areal im Radius von zehn Kilometern rund um das Atomkraftwerk vorgesehen, sagte Markus Ragg. Das entspreche der Rahmenempfehlung des Bundes für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen. Nach den alten Plänen wären 49.000 Einwohner von der Evakuierung betroffen.

Die Neuregelung ist eine Folge der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Dort mussten die Menschen ein Gebiet im Radius von 20 bis 30 Kilometern um den Unglücksort verlassen, punktuell sogar darüber hinaus. Das hatte Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon, die Landräte Dorothea Störr-Ritter (Breisgau-Hochschwarzwald) und Hanno Hurth (Emmendingen) sowie Regierungsvizepräsident Klemens Ficht bewogen, Evakuierungspläne für ein größeres Gebiet auf den Weg zu bringen.

Erweiterter Radius wird an Gemeinden weitergegeben

Dementsprechend wird auch der Notfallschutzratgeber zum AKW Fessenheim, der über die Landratsämter an die Kommunen verteilt wird und von der Webseite des Regierungspräsidiums heruntergeladen werden kann, aktualisiert und an die Gemeinden im erweiterten Radius ausgegeben. Ragg erklärte, dass auf der Internetseite des Regierungspräsidiums aktuelle Meldungen zu den Atomkraftwerken Fessenheim in Frankreich sowie Beznau und Leibstadt in der Schweiz abgerufen werden können.

In der Diskussion im Landtag des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald machten die Kreisräte vor allem ihrer Ohnmacht Luft. Die Ereignisse in Japan zeigten, dass die Folgen eines Reaktorunglücks auch in einem Hochtechnologieland nicht beherrschbar seien. "Wir können nur wünschen, dass wir diese Notfallpläne nie umsetzen müssen", sagte Rainer Zimmermann, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Grünen-Kreisrätin Dora Pfeifer-Suger stellte in Frage, ob der 25-Kilometer-Radius ausreichend sei und ob es gelinge, so viele Menschen wirklich in geordneten Bahnen evakuieren zu können. "Es kann außerhalb dieses Gebiets zu Belastungen kommen, aber eine generelle Evakuierung für ein Areal in einem noch viel größeren Radius zu planen, wird wohl nicht machbar sein", sagte Markus Ragg vom Regierungspräsidium.

BUND begrüßt den Schritt

In einer Stellungnahme begrüßte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) "die vorsichtige Anpassung der Katastrophenschutzplanung an die Realität in Fukushima und Tschernobyl". Die bisherige Planung sei völlig unrealistisch gewesen. Der BUND verweist zudem darauf, dass nach einer Studie des Ökoinstituts bei der vorherrschenden Windrichtung ein weitaus größeres Gebiet von der Verstrahlung bedroht sei.

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Autor: Silvia Faller