Sozialministerium

Grün-Rot will die "Pille danach" frei geben

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Do, 17. Januar 2013 um 00:02 Uhr

Südwest

Sozialministerin Katrin Altpeter will einen parlamentarischen Antrag zur Aufhebung der Verschreibungspflicht der "Pille danach" umsetzen – notfalls über eine Bundesratsinitiative.

In dem von allen zehn Grünen- und SPD-Mitgliedern des Sozialausschusses des Landtags getragenen Vorstoß fordern die Fachpolitiker eine entsprechende Bundesratsinitiative der grün-roten Landesregierung. "Wenn sich auf Bundesebene in dieser Frage nichts bewegt, werden wir aktiv werden", sagte ein Sprecher des Sozialministeriums. Denn bei rezeptfreier Abgabe der "Pille danach" seien weder besondere gesundheitliche Risiken noch leichtfertige Verhütungspraktiken zu befürchten. Allerdings sollten dann die Apotheker verpflichtet werden, ein Beratungsgespräch anzubieten.

Wie auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen, setzen bereits 28 europäische Länder und weltweit 60 Länder auf die Rezeptfreiheit der "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, die nicht mit der Abtreibungspille RU-486 zu verwechseln ist. Letztere verursacht einen tatsächlichen Abgang, während die "Pille danach" dafür sorgen soll, dass nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine ungewollte Schwangerschaft nicht eintritt: Sie verhindert oder verschiebt den Eisprung so, dass keine Befruchtung stattfinden kann. Ist es bereits zur Befruchtung gekommen, verhindert sie die Einnistung in die Gebärmutter. Nach erfolgter Einnistung der befruchteten Eizelle wirkt sie nicht mehr.

Der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe lehnen das Vorhaben ab. In einem offenen Brief vom November 2012 argumentierten sie, dass die "Pille danach" mit dem Präparat Levonorgestrel nur "eine begrenzte Sicherheit" biete. Es sei sei inzwischen ein wirksameres Präparat auf dem Markt – das aber in ganz Europa verschreibungspflichtig sei.