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03. Februar 2014 10:55 Uhr

Verfassungsschutz

Gülen-Schulen im Südwesten unter Islamismus-Verdacht

Der Verfassungsschutz warnt vor der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Das berichten Report Mainz und der Spiegel.

  1. Fethullah Gülen Foto: Selahattin Sevi/Handout Zaman Da

Ein internes Papier des Landesamtes für Verfassungsschutz werfe Gülen vor, dass sein Gedankengut in mancherlei Hinsicht im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen Grundordnung stehe.

Die Bewegung betreibt in Deutschland – zum Teil mit staatlicher Unterstützung – 300 Bildungseinrichtungen für Migrantenkinder, auch in Baden-Württemberg, etwa in Freiburg und Ludwigsburg. Sie verfolge einen türkischen Nationalismus in "seriösem Gewand" mit "islamistischen Komponenten", zitieren die beiden Medien den Verfassungsschutz. Gülen selbst strebe einen Gottesstaat an.

Die Gülen-Bewegung spielt eine zentrale Rolle bei den derzeitigen Turbulenzen in der Türkei. 2013 hatten Istanbuler Staatsanwälte Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan publik gemacht. Dieser sieht darin den Versuch von Gülen, seine Regierung zu stürzen. Gülens Bewegung verfügt über viele Anhänger in Justiz und Polizei. Erdogan hat seither mehrere tausend Polizisten, Richter und Staatsanwälte versetzen lassen, um den vermuteten Einfluss Gülens zu bekämpfen. Anhänger des in den USA lebenden Imams sind in 140 Ländern aktiv.

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Das Landesamt für Verfassungsschutz kritisiert den Berichten zufolge nun, dass Äußerungen Gülens mitunter nicht mit dem Prinzip der Gewaltenteilung, der Religionsfreiheit, der Freiheit von Wissenschaft und Lehre und der Gleichberechtigung von Mann und Frau in Einklang zu bringen seien.

Report und Spiegel berichten auch über Vorwürfe gegen Bildungseinrichtungen, die der Gülen-Bewegung zugerechnet werden. Eltern in Rüsselsheim gaben an, ihr dreijähriges Kind sei während der Kinderbetreuung bei einem Integrationskurs geschlagen worden. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat eine Erzieherin des Vereins eingeräumt, dem Kind einen "leichten Klaps" gegeben zu haben. Das BAMF habe zudem festgestellt, dass ein Kind während der Kinderbetreuung in seinem Buggy "festgeschnallt" gewesen sei. Der Gülen-nahe Förderkreis Rhein-Main darf keine Integrationskurse mehr anbieten.

Auch gegen eine private Schule in Ludwigsburg werden laut den Recherchen Vorwürfe erhoben. Eine Mutter berichtete, ihre Tochter sei an der Schule dazu gedrängt worden, Kopftuch zu tragen. Mehrere Zeugen berichten zudem von systematischem Mobbing und Gewalt gegenüber Schülern, die nicht zur Bewegung gehörten. Auch würden die Einrichtungen dazu genutzt, Kinder als neue Anhänger und Funktionäre der sektenähnlichen Gemeinschaft zu rekrutieren.

Autor: afp