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01. Dezember 2012

Güterwaggons auf Geisterfahrt

In Stuttgart-Feuerbach hätte es fast eine Katastrophe gegeben.

STUTTGART. Drei außer Kontrolle geratene Güterwaggons hätten am frühen Freitagmorgen in Stuttgart fast eine Katastrophe verursacht. Gegen vier Uhr hatte sich ein Gespann von drei Waggons mit tonnenschweren Gleisen in Kornwestheim selbstständig gemacht und war auf abschüssiger Strecke in den Bahnhof von Stuttgart-Feuerbach gerast, wie die Polizei mitteilte.

Die halboffenen Waggons sprangen aus den Gleisen und zermalmten einen Bahnsteig. Dieser war um diese Uhrzeit noch menschenleer, nur zwei Stunden später hätten hier wohl Dutzende Pendler gestanden. Nah- und Fernverkehr der Bahn war über Stunden erheblich eingeschränkt. Tausende Pendler mussten bei Schnee und Regen Verspätungen und Zugausfälle in Kauf nehmen.

Der Feuerbacher Bahnhof gleicht am Freitagmittag einem Trümmerfeld: Auf dem Bahnsteig steht ein schwer beschädigter Güterwaggon, das Regenschutzdach für die Reisenden ist eingestürzt, die Unfallstelle von Trümmern übersät. Gegen vier Uhr morgens waren drei aneinandergekoppelte, mit Eisenbahnschienen beladene Güterwagen in Kornwestheim ins Rollen gekommen. Acht Kilometer rollten sie auf der abschüssigen Strecke Richtung Hauptbahnhof und nahmen dabei schnell an Fahrt auf. Ein geistesgegenwärtiger Eisenbahner im Stellwerk Zuffenhausen, so teilte die Bahn mit, habe die Wagen dann auf ein Gleis gelenkt, das unmittelbar vor dem Bahnhof Zuffenhausen mit einem Prellbock endet.

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Die führerlosen Waggons durchbrachen diese Barriere, die beiden vorderen, vierachsigen Waggons wurden auf den Hauptbahnsteig hinaufgeschoben. Sie rissen Stützen des Blechdachs mit, das teilweise einstürzte, und zerstörten Masten der Oberleitung. Erst am Abgang einer Unterführung kam der Zug zum Stehen.

Die Folgen für den Zugverkehr sind erheblich: Der Bahnhof ist gesperrt, "hier halten auch am Samstag zu 100 Prozent keine Züge", sagte ein Sprecher der Bahn. Der Fernverkehr ist von den Störungen nur teilweise betroffen: Die Intercity-Züge zwischen Karlsruhe/Frankfurt und Ulm halten derzeit nicht im Hauptbahnhof, sondern stoppen nur in Vaihingen und Esslingen, um den Knoten zu entlasten. Alle ICE-Verbindungen fahren planmäßig.

Warum die drei Waggons ins Rollen kamen, ist noch ungeklärt. Abgestellte Güterwaggons werden in der Regel durch eine mechanische Bremse oder einen Keil, einen sogenannten "Hemmschuh", gesichert, sagte ein Bahnsprecher. Ermittler des Eisenbahn-Bundesamts sollen nun prüfen, wie sich das Gespann mitten in der Nacht selbstständig machen konnte. Wie ein Sprecher der Bahn mitteilte, werde ein 75 Tonnen schwerer Kran eingesetzt, um schwere Eisenelemente und die Waggons von den Bahnsteigen zu räumen.

Autor: Andreas Böhme und dpa