Ranking

Angespannter Wohnungsmarkt für Studenten im Südwesten

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Di, 27. September 2016

Südwest

In keinem anderen Bundesland ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt für Studenten so angespannt wie in Baden-Württemberg.

FREIBURG. Wenige Wochen vor Beginn des Wintersemesters an den Universitäten des Landes hat sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt erneut zugespitzt. Freiburg, Stuttgart, Tübingen und Konstanz sind besonders betroffen.

Das Ranking, das das Moses-Mendelssohn-Institut (MMI) im Auftrag des Immobilienunternehmens GBI erstellt hat, basiert auf einem "Anspannungsindex". Der errechnet sich aus Faktoren wie dem Mietpreis, dem Anteil der Einwohner unter 30 Jahren sowie dem Zuzug von Personen aus dieser Altersgruppe. Das Besondere an der vierten Erhebung dieser Art ist, dass die Autoren die Daten des Internetportals WG-gesucht auswerten konnten. Gut 60 Millionen Menschen nutzen die Seite jährlich für die Wohnungssuche, alle drei Minuten erfolgt nach GBI-Angaben eine Vermittlung. Hier lassen sich Angebots- und Nachfragepreise ermitteln. Für das bundesweite Ranking wurden 91 Hochschulstandorte mit mehr als 5000 Studierenden verglichen. Den höchsten Anspannungsfaktor hat München, Stuttgart rangiert auf Platz 5, Freiburg auf 6, auch Tübingen (9), Konstanz (10) und Heidelberg (11) sind vorne platziert. Der Südwesten ist Zuzugsgebiet.

Dabei ist gerade in Baden-Württemberg nach der Statistik des Deutschen Studierendenwerks (DSW) die Versorgungs- oder Unterbringungsquote in Studentenwohnheimen mit 12,6 Prozent überdurchschnittlich gut (bundesweit: 9,9 Prozent). Baden-Württemberg liegt im Ländervergleich auf Platz 4 hinter Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Die Versorgungsquote in Konstanz liegt mit 19,9 Prozent bundesweit sogar an der Spitze, dennoch ist die Wohnungssituation am Bodensee angespannt. In Stuttgart gibt es indes ein Missverhältnis zwischen Wohnheimplätzen und Nachfrage: Die Versorgungsquote liegt bei 12,7 Prozent, der Anteil ausländischer Studierender ist mit 14,8 Prozent besonders hoch. Sie sind jedoch vor allem auf Wohnheimplätze angewiesen, weil sie auf dem freien Wohnungsmarkt kaum Chancen haben – nicht zuletzt, weil sie oft nach nur einem Semester die Stadt wieder verlassen.

Freiburg verfügt nach Angaben der stellvertretenden Geschäftsführerin des Studierendenwerks (SW), Renate Heyberger, bei 33 000 Studierenden über 3860 Plätze in Häusern des SW, dazu kommen 905 Plätze in kirchlichen oder privaten Wohnheimen. Bis zum Jahr 2020 plant das Studierendenwerk den Bau neuer Einrichtungen in der Größenordnung von rund 1000 Plätzen. Das Problem seien die fehlenden Flächen. Dennoch sagt Heyberger: "Der Bedarf ist groß, die Situation ist schwierig. Aber das war sie auch in den vergangenen Jahren." Man werde wieder Notunterkünfte einrichten, "wir lassen niemanden auf der Straße stehen". Studienanfänger müssten eventuell zum Einstieg mit zweit- oder drittbesten Lösungen zufrieden sein, sie sollten zudem "den Mut nicht verlieren". Erfahrungsgemäß entspanne sich die Situation zum Sommersemester. Unbekannt ist die Zahl der Erstsemester, die Mitte Oktober ihr Studium beginnen. Freiburg hatte in dem Ranking 2015 noch auf Platz 9 gelegen.

In den Jahren 2011 bis 2015 hat das Land den Bau von 2400 Studentenwohnheimen mit 24,3 Millionen Euro gefördert, noch einmal so viele Wohnheimplätze sollen bis 2020 folgen, erklärte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. Das Land unterstützt die Studierendenwerke beim Wohnheimbau mit Zuschüssen von bis zu 20 Prozent der Baukosten beziehungsweise maximal 8000 Euro pro Platz.

Für den Freiburger Immobilienexperten Marco Wölfle vom Freiburger Center for Real Estate Studies des privaten Steinbeis-Instituts ist der Mangel an günstigem Wohnraum für Studenten "kein Einzelphänomen, sondern tritt systematisch dort auf, wo Angebot zu knapp ist und der steigenden Nachfrage nicht folgt". Als dringend erachtet auch er, neue Bauflächen auszuweisen.