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13. November 2009

Interview - Frankenberg über die Exzellenzinitiative

BZ-Interview mit Wissenschaftsminister Peter Frankenberg über die nächste Exzellenzinitiative und die Kritik am Wettbewerb

  1. Peter Frankenberg Foto: dpa

FREIBURG. Die nächste Exzellenzinitiative von Bund und Ländern soll im Herbst 2010 starten. Dabei geht es auch für die vier im ersten Wettbewerb siegreichen Universitäten im Land wieder um alles. Doch andere Hochschulen sehen sich benachteiligt, weil sie nicht um gleichen Maße Zuschüsse für die Forschung erhalten haben. Bettina Wieselmann sprach mit Wissenschaftsminister Peter Frankenberg.

BZ: Vor Beginn der zweiten Runde der Exzellenzinititative mehren sich kritische Stimmen: Es würden dadurch verkrustete Strukturen gefestigt, auch weil ein Wissenschaftler-Kartell monopolartig Fördergelder zuteile.

Frankenberg: Das ist Unsinn. Auch bei der Exzellenzinitiative wird nach objektiven Kriterien entschieden, und dazu gehört, dass externe, internationale Gutachter bewerten.

BZ: Es gibt eben bessere und schlechtere Universitäten?

Frankenberg: So ist es, und mit einem Kartell hat das nichts zu tun.

BZ: Die Exzellenzinitiative verschärft also nur bestehende Ungleichheiten?

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Frankenberg: Wir haben etwa 100 sehr unterschiedliche Universitäten in Deutschland. Es wäre doch eine völlig weltfremde Annahme, man müsste erst einmal gleiche Bedingungen schaffen. Es ist im Leben immer so, dass es keine absolut gleichen Voraussetzungen gibt.

BZ: Angeblich seien auch die Kriterien, nach denen Forschungsexzellenz bemessen wird, unfair. Kleine Universitäten könnten beispielsweise nicht so umfangreich publizieren wie große .

Frankenberg: Nicht die absoluten Zahlen werden bewertet, sondern die Publikation pro Professor oder Professorin. Das erklärt, dass eine kleine Universität wie Konstanz zu den Gewinnern im ersten Elite-Wettbewerb zählen konnte.

BZ: Kritisch wird auch der zeitliche und personelle Aufwand für die Exzellenzinitiative bewertet. Soll es dabei bleiben?

Frankenberg: Es gab und gibt für die erste und zweite Runde keine Alternative. Wir mussten den Aufbruch schaffen. Wir mussten Exzellenz sichtbar machen, damit, wie ich hoffe, auf Dauer mehr Mittel in exzellente Forschung fließen. Aber klar ist auch, dass so ein aufwendiger Wettbewerb nicht auf Dauer alle fünf Jahre veranstaltet werden kann.

BZ: An die 600 Millionen Euro fließen aus der ersten Runde zusätzlich an die vier Elite-Universitäten im Land. Was zählt noch mehr als dieses Geld?

Frankenberg: Der Aufbruch an sich. Ganz wichtig ist bei diesem Prozess die innere Mobilisierung, die Profilierung und Bündelung von Forschungsressourcen, die verstärkte Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Graduiertenschulen.

BZ: Und wenn 2016 die Förderung der zweiten Runde ausläuft, fällt alles wieder auf den alten Stand zurück?

Frankenberg: Das darf nicht sein. Wir haben dann an bestimmten Orten exzellente Forschungsstrukturen geschaffen, Hunderte von Professoren auf Lebenszeit eingestellt. Das aber können die Länder nicht allein weiterfinanzieren. Die Exzellenz wird nur zu halten sein, wenn der Bund in der Größenordnung von ein bis zwei Milliarden Euro jährlich bei der Finanzierung der Forschung mithilft.

BZ: Wagen Sie doch mal eine Prognose: Könnte es Aufsteiger geben, ohne dass eine der vier Elite-Unis absteigt?

Frankenberg: Es kann gut sein, dass statt der bundesweit jetzt neun künftig 12 oder 13 Unis das Exzellenz-Etikett bekommen. Ich habe auch schon Favoriten außerhalb unseres Landes im Kopf – in den neuen Bundesländern. Dresden zum Beispiel ist ein guter Standort. Die Gutachter gehen aber nicht nach geografischen Gesichtspunkten vor. Deswegen ist vorstellbar, dass wir auch für eine fünfte oder sechste Universität im Land den Zuschlag erhalten könnten.

BZ: Tübingen?

Frankenberg: Ich sehe Tübingen auf sehr gutem Weg. Durchaus erfolgversprechendes Potenzial hat auch Stuttgart.

BZ: Und wer ist abstiegsgefährdet?

Frankenberg: Wir wollen natürlich keinen Absteiger. Ich sehe auch nicht, dass irgendwo die Umsetzung begonnener Projekte so hapert, dass es dazu kommen könnte.

Autor: wie