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12. Juni 2010 00:09 Uhr
Mangelnde Effizienz
Kernkraftwerk Neckarwestheim I ist ein Stromfresser
Das AKW Neckarwestheim I verbraucht knapp ein Fünftel des erzeugten Stroms selbst. Effizient ist das nur politisch betrachtet.
STUTTGART. Seit Beginn des Jahres müssen Neubauten mit digitalen Stromzähler ausgestattet sein. Sie sollen dem Verbraucher helfen, Stromfresser zu identifizieren und so Strom zu sparen. Während die Bürger angehalten werden, möglichst effizient mit Energie umzugehen, schert sich das Atomkraftwerk Neckarwestheim I weniger um sparsamen Umgang mit Strom. Im Gegenteil: Knapp 20 Prozent des Stroms, den der Atommeiler derzeit produziert, gehen für den Eigenverbrauch drauf.
"Ich höre immer, Atomenergie sei effizient. Tatsächlich muss Neckarwestheim I enorme Strommengen für den eigenen Anlagenbetrieb bereitstellen", schimpft Grünen-Fraktionvize Franz Untersteller. Lege man den üblichen Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie von 4000 Kilowattstunden zu Grunde, dann entspreche der Stromverbrauch von Neckarwestheim I dem von mehr als 100 000 Vier-Personen-Haushalten. "Im Vergleich dazu war selbst die Schwarze Pumpe in der DDR ein Musterbetrieb für Energieeffizienz", sagt Untersteller.
Nun kann der Betreiber, die Energie Baden-Württemberg (ENBW), aus finanziellen Gründen eigentlich wenig Interesse an einem Reaktor haben, der ein Fünftel des erzeugten Stroms selbst verbraucht. Doch in diesem Fall kalkulieren die Atomstromer offensichtlich anders. Denn Neckarwestheim I, das seit 1976 am Netz ist, gehört zu den Reaktoren, deren Tage nach geltendem Recht eigentlich gezählt sind. Die von der damaligen rot-grünen Bundesregierung mit dem Atomausstieg zugestandene Restproduktionsmenge wäre wohl sogar schon im April aufgebraucht gewesen – hätten die Betreiber nicht die Leistung massiv heruntergefahren.
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Im März 2010 hat die ENBW den Meiler sogar auf unter 25 Prozent seiner Produktionsfähigkeit gedrosselt– in der Hoffnung, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung bald den Ausstieg aus dem Atomausstieg beschließt. Dann könnte wohl auch Neckarwestheim I noch eine ganze Reihe von Jahren am Netz bleiben – ohne seine Leistung drosseln zu müssen.
Autor: Roland Muschel
