Tierschutz

Kommunen dürfen streunende Katzen künftig kastrieren

Karen Bauer und Nikola Vogt

Von Karen Bauer & Nikola Vogt

Di, 19. November 2013 um 20:45 Uhr

Südwest

Für einige Katzenbesitzer im Land steht vielleicht schon bald der Gang zum Tierarzt an: Kommunen ist es jetzt erlaubt, die Halter zur Kastration ihrer Katzen zu zwingen.

Das hat die grün-rote Landesregierung am Dienstag beschlossen. Sie will den Kommunen damit helfen, gegen Katzenplagen vorzugehen. Der Tierschutz stehe dabei im Vordergrund – sagt die Tierschutzbeauftragte.

Etwa zwei Millionen herrenlose Katzen gibt es in Deutschland, schätzt die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. Oftmals, sagt sie, seien die Tiere verwahrlost, litten Hunger, übertrügen Krankheiten und gefährdeten andere Tierarten.

Mit dem neuen Beschluss der Landesregierung können Kommunen künftig gemeinsam mit dem Veterinäramt Problemgebiete ausweisen, in denen sie stark anwachsende Katzenpopulationen beobachten. Tierhalter, deren freilaufende Katzen sich dort aufhalten, können dazu verpflichtet werden, ihr Tier je nach Geschlecht kastrieren oder sterilisieren zu lassen.

Tierschutz per Skalpell?

"Das Land übernimmt hier eine echte Vorreiterrolle in dieser dringlichen Tierschutzangelegenheit", sagt Jäger. Es setzt damit als erstes Bundesland eine neue Rechtsgrundlage im Bundestierschutzgesetz um. In Deutschland gibt es zwar bereits zahlreiche Kommunen, die eine Kastrationspflicht angeordnet haben, diese Verordnungen gingen jedoch auf Beschwerden von Anwohnern zurück. Sie stützten sich auf das Polizei- und Ordnungsrecht. Tierschutz war hier zweitrangig.

In der Stadt Freiburg sei kein besonders großes Problem mit verwilderten Katzen bekannt, sagte Pressesprecherin Edith Lamersdorf der Badischen Zeitung. Elena Jahn vom Freiburger Tierschutzverein begrüßt die Entscheidung der Landesregierung: "Wir hatten auch dieses Jahr wieder eine Schwemme von verwilderten Katzen, die keiner haben möchte."

Auch Christine Pemsel, Amtstierärztin in Lörrach, befürwortet die Neuregelung. Ob es eine Kastrationspflicht in Lörrach geben wird, entscheidet allerdings die Stadt, so Pemsel. Sie findet es schwierig, die vielen verwilderten Katzen Haltern zuzuordnen. Durch ihre Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben wisse sie, dass viele Bauern gegen die Kastrationspflicht sind. "Die sagen, sie brauchen die Katzen, weil sie sonst eine Mäuseplage haben."

Andere südbadische Gemeinden wie Bad Krozingen, Lahr und Titisee-Neustadt sehen keinen Handlungsbedarf: "Ich wüsste nicht, dass Katzenhorden umherstreunen", sagt Lothar Willmann vom Ordnungsamt in Titisee-Neustadt.

Erfahrungswerte gibt es aus Paderborn: Die Stadt hat die Kastrationspflicht bereits im Jahr 2008 eingeführt und war damit die erste Kommune bundesweit. "Mittlerweile ist die Kastrationspflicht bei einem Großteil der Leute angekommen", sagt Amtstierarzt Ralf Lang. Ob es inzwischen weniger verwilderte Katzen gibt, weiß die Stadt nicht. "Wir haben da keinen Kontrolldienst", so Lang.

Viele Beschwerden seitens der Halter habe es nicht gegeben, berichtet der Amtstierarzt. Die erforderliche Operation kostet zwischen 20 und 50 Euro und kann von jedem Tierarzt vorgenommen werden. Die Lage in den Paderborner Tierheimen habe sich seither etwas entspannt. "Jede kastrierte Katze hilft."

Im Unterschied zu Hunden gibt es für Katzen keine Meldepflicht. Nach Schätzungen der Landestierschutzbeauftragten Cornelie Jäger gibt es derzeit bundesweit rund zwei Millionen verwilderte Katzen. Bis zu 100.000 Streuner vermutet der Landestierschutzverband im Südwesten.