Kraftakt für Wasserkraft

Fred Thelen

Von Fred Thelen

Sa, 24. Mai 2008

Südwest

Die 40 Millionen Euro teure Sanierung des Kavernenkraftwerks Wehr hat begonnen

WEHR/HERRISCHRIED. Das Riesenprojekt läuft, die Generalsanierung rund ums Kavernenkraftwerk Wehr hat begonnen. Zu der Anlage gehört das 700 Meter lange Hornbergbecken – dem Betreiber zufolge die höchste Stauanlage Deutschlands. Etwa 40 Millionen Euro kosten die Arbeiten. Der Ausfall der Stromproduktion wird auf die gleiche Höhe geschätzt.

"Es ist schon ein ungeheurer Aufwand, bis die Versorgungssicherheit wieder gewährleistet ist und der Strom aus der Steckdose kommt", bringt Klaus Schneider von der Schluchseewerk AG die Arbeiten auf den Punkt. Die 32 Jahre alte Wasserkraftanlage, bestehend aus dem Kraftwerk Wehr und dem Becken bei Herrischried, soll bis 2009 wieder auf Vordermann gebracht werden.

Fische umsiedeln
Bevor es richtig losgehen konnte, mussten erst 4,4 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Speicherbecken ins Wehrastaubecken beim Kraftwerk abgelassen werden. Dabei gab es ein zusätzliches Problem. Denn Fische hatten sich in dem auf 1000 Meter Höhe liegenden Becken offenbar sehr wohl gefühlt: Vier Tonnen Fisch mussten umgesiedelt werden.

Becken sanieren
Inzwischen sind die Schlammschichten am Beckengrund so weit abgetrocknet, dass sie nach und nach abgefahren und auf einer Mülldeponie entsorgt werden können. Die Sanierungsspezialisten haben ihre Arbeit in dem 300 Meter breiten Hornbergbecken aufgenommen. Die alte Abdichtung von den steilen, über 40 Meter hohen Beckenwänden abzufräsen, ist kein Kinderspiel. Sie wird durch eine neue ersetzt. Zudem wird der Einlassturm saniert und der Rostschutz im Druckschacht erneuert. Dieser 1300 Meter lange Schacht führt vom Becken hinunter zur unterirdischen Kaverne.

Kraftwerk ohne Saft
Die Maschinenhalle wurde einst direkt in den Felsen gehauen. Sie ist etwa 220 Meter lang und 40 Meter hoch. Da kein Wasser zugeführt und somit die Turbinen keinen Strom erzeugen können, wird der Stillstand für eine Generalüberholung des Kraftwerksinnern genutzt, erklärt Klaus Schneider, Fachbereichsleiter Technik.

Diese Arbeiten sind noch wesentlich umfangreicher als am Hornbergbecken. So werden zum Beispiel die 68 Tonnen schweren Schieber zur Druckleitung entfernt und wie die Generatoren außerhalb erneuert, weil es in der Kaverne zu eng ist. Fachleute begutachten den Zustand und reparieren etwaige Mängel. Bei der Generalüberholung wird auch die Leittechnik automatisiert. "Ziel ist es, das Kavernenkraftwerk ab 2010/2011 nicht mehr rund um die Uhr besetzen zu müssen", sagt Klaus Schneider.

Wasser marsch
Zu den weiteren vielen kleinen Arbeiten im Umfeld gehört Schneider zufolge auch, die Masten der Freileitungen verstärkt werden, über die der Strom aus der Kaverne fließt. Bis Ende Januar 2009 sollen die Arbeiten beendet sein. Dann wird das Wasser mit Pumpen aus dem Wehrabecken in das Hornbergbecken gefüllt – und die Stromproduktion kann wieder anlaufen.