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07. Januar 2016

Baden-Württemberg

Mehr Wald schonen, Natur- und Artenschutz fördern

Das Land will zehn Prozent der Waldfläche von der Nutzung ausschließen und so die Artenvielfalt fördern. Im bundesweiten Vergleich steht der Südwesten damit an der Spitze. Die entsprechende Naturschutzstrategie soll bis 2020 umgesetzt werden.

  1. Ein Teil des Waldes soll nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden. Foto: dpa

FREIBURG (dpa). Die Förster des Landes müssen mit Axt und Motorsäge künftig zurückhaltender umgehen. Zehn Prozent des landeseigenen Waldes würden in den kommenden vier Jahren von der Nutzung dauerhaft ausgeschlossen, kündigte der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos an. Dies seien dann landesweit 33 000 Hektar Fläche. Diese Wälder sollen sich künftig natürlich und ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Der Anteil der Waldfläche, in der keine Bäume abgeholzt werden dürfen, werde damit bis zum Jahr 2020 mehr als verdoppelt. Mit diesem Konzept gehe Baden-Württemberg einen in Deutschland einmaligen Weg. Ziel sei ein größerer Natur- und Artenschutz.

"Wir setzen auf eine natürliche Waldentwicklung und erhöhen deshalb den Anteil jener Wälder, die auf Dauer nutzungsfrei bleiben", sagte Joos. Die Landesregierung habe hierfür eine Naturschutzstrategie beschlossen, die in den Wäldern bis 2020 umgesetzt werde. So könne die Vielfalt von Pflanzen und Tieren in den Wäldern des Landes wieder gesteigert werden, nachdem sie seit Jahren sinkt. Im bundesweiten Vergleich stehe der Südwesten damit an der Spitze. Deutschlandweit werden bis 2020 laut Joos fünf Prozent des Staatswaldes dauerhaft nutzungsfrei, in Baden-Württemberg ist dieser Wert doppelt so hoch.

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In den restlichen 90 Prozent der landeseigenen Wälder im Südwesten würden weiter Bäume gefällt und für die Holzverarbeitung genutzt, betonte Joos. An der Holzwirtschaft grundsätzlich zu rütteln, mache auch ökologisch keinen Sinn. Durch das Abholzen werde ein unkontrolliertes Zuwachsen und Verschatten des Waldes verhindert, es entstehe so Raum für neue Bäume sowie Platz und Licht für bedrohte Pflanzen- und Tierarten, die sonst von den bestehenden Bäumen verdrängt werden. Als Beispiele nannte Joos seltene Schmetterlings- und Libellenarten sowie andere Insekten.

Das Konzept laufe in Zusammenarbeit mit Naturschützern, sagte ein Sprecher des Forstministeriums. Das Land investiere hierfür bis 2020 zusätzlich rund eine Million Euro. Auch auf Wälder, die im Besitz von Kommunen und Privatleuten sind, lasse es sich übertragen. Wichtiger Bestandteil seien Schutzgebiete im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb, in denen Wälder besonders geschont werden. 24 Prozent des Waldes im Südwesten sind im Besitz des Landes. Der Rest ist Kommunal- und Privatwald, ein geringer Teil gehört dem Bund.

Joos ist als Forstpräsident zuständig für den Wald in den Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg, er leitet eine von zwei Forstdirektionen im Land. Zudem ist er, gemeinsam mit drei Kollegen, Geschäftsführer der Forstgesellschaft ForstBW, die sich im Besitz des Landes befindet und zuständig ist für den sogenannten Staatswald im Südwesten.

Autor: dpa