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28. Oktober 2015

Mehrere Beben sind riskant

Französische Experten halten es für möglich, dass der Damm beim Akw Fessenheim brechen könnte.

  1. Befürworter der Atomkraft protestieren gegen eine Schließung des Kernkraftwerks Fessenheim. Foto: AFP

COLMAR. Hält der Damm am Rheinseitenkanal einem starken Erdbeben stand, bietet er im Ernstfall ausreichend Schutz vor einer gefährlichen Überflutung des Akw Fessenheim? Der atomare GAU im japanischen Fukushima, der sich nach einem Beben ereignet hatte, hat diese Frage erneut ins Zentrum gerückt. Am Dienstag befasste sich die Fessenheim-Kommission (Clis) auf Drängen der deutschen Mitglieder erneut mit dieser Frage.

Das lapidare Statement von Akw-Direktor Marc Simon-Jean zur Stilllegung des Akw Fessenheim erschien neben der Debatte um den Überflutungsschutz der Anlage fast wie eine Fußnote. Doch es war das erste Mal, seit die sozialistische Regierung 2012 in Paris mit dem Vorhaben angetreten ist, Fessenheim abzuschalten, dass ein EdF-Mann vor der Fessenheim-Kommission (Clis) nicht mehr über diesen Regierungsplan schwieg.

Simon-Jean hielt den seit nun einer Woche bekannten Sachstand fest: EdF-Chef Bernard-Henry Lévy habe in einem Schreiben vom 9. Oktober um eine Verlängerung der Baufrist für den neuen Reaktor EPR in Nordfrankreich gebeten und gleichzeitig angekündigt, der Stromkonzern bereite parallel dazu die Stilllegung der beiden Reaktoren in Fessenheim vor.

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Ungeachtet dieser aktuellen Entwicklung wurde über die Auswirkungen eines schweren Erdbebens für den Hochwasserdamm diskutiert. Das älteste französische Atomkraftwerk steht bekanntlich in einer Region mit hohem Erdbebenrisiko. Vor vier Jahren hatte die Clis eine Untersuchung von externen Fachleuten vorgelegt, die erhebliche Zweifel an der Standfestigkeit des Hochwasserdamms nährte, sollte es zu einer starken Bodenerschütterung kommen. Die Experten hielten einen Dammbruch und eine Überflutung für möglich – und zwar mit einer Geschwindigkeit, die 24-mal höher läge, als vom Betreiber veranschlagt. EdF bestritt dies stets. Der damalige Direktor konterte, Fessenheim liege nicht am Pazifik.

Eine aktuelle Analyse von Bodenproben des französischen Forschungsinstituts für nukleare Sicherheit (IRSN) kommt nun zum Schluss, dass die Sicherheit des Standortes im Falle eines isolierten Bebens gewährleistet sei. Sie problematisiert zudem, welche Auswirkungen Nachbeben auf die Zusammensetzung des Kies- und Sandgemisches, aus dem der Damm besteht, haben könnten. "Zwei aufeinanderfolgende seismische Erschütterungen stellen ein spezifisches Risiko dar", so der Experte des IRSN.

Die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer reagierte auf diese Äußerungen beunruhigt. "Diese Schlussfolgerung stützt sich zudem auf Bodenproben, die möglicherweise nicht repräsentativ sind", so Schäfer. Sie forderte Analysen nach der in Deutschland gebräuchlichen geoelektrischen Methode, die ein lückenloses Zustandsbild des Damms liefern könnte. Je höher der Kiesgehalt, desto sicherer die Substanz. Clis-Präsident Michel Habig versprach, weitere Untersuchungen zur Sicherheit des Damms in die Wege zu leiten.

Autor: Bärbel Nückles