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23. März 2012 00:05 Uhr

Kleinkinderbetreuung

Netzwerk will Qualität von Kinderkrippen steigern

Der Ausbau der Krippenbetreuung im Land läuft auf Hochtouren. Doch es fehlt an Fachkräften. Ein neu gegründetes Netzwerk der Freiburger Evangelischen Hochschule sucht Antworten.

  1. Ein kleiner „Wiese-Wicht“ einer Freiburger Krippe. Foto: bamberger

FREIBURG. Spätestens 2013, so die Vorgabe der Bundesregierung, hat jedes Kind im Alter von einem Jahr an Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Der Ausbau der Krippenbetreuung im Land läuft deshalb auf Hochtouren. Von derzeit 23 Prozent der Unterdreijährigen sollen dann 34 Prozent versorgt werden können. Aber wie geht das? Schließlich betreten alle damit pädagogisches Neuland. Ein in dieser Woche in der Freiburger Evangelischen Hochschule (EH) geknüpftes "Netzwerk Qualität in Kinderkrippen und in der Kindertagespflege – Quikk Freiburg Südbaden" sucht Antworten.

"Wir haben noch ganz viel nachzuholen", räumt Staatssekretär Frank Mentrup (SPD) vom Kultusministerium ein. Zu sehr habe die Politik bei Kinderkrippen bisher auf die Ausbauzahlen geschielt, den Wirtschaftsstandort und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Blick gehabt. Aber was brauchen die Knirpse, damit sie zu selbstbewussten und starken Persönlichkeiten heranwachsen können?

Laien als Lückenbüßer, die in Crashkursen fit gemacht werden, genügen nach Ansicht von Netzwerkkoordinatorin Dorothee Gutknecht dafür nicht. Und Erzieherinnen, die die Betreuung von Drei- bis Sechsjährigen gelernt haben, fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet auf die neuen Herausforderungen. Die EH-Professorin für Krippenpädagogik sieht den Schlüssel für die Qualität von Kinderkrippen vorrangig in einer hohen Professionalisierung der Fachkräfte: "Die Arbeit mit kleinen Kindern ist ein hochsensibler Bereich." Sie müssten fähig sein, eine enge Beziehung zu den Kleinen aufzubauen und ihre Signale feinfühlig aufnehmen und interpretieren können. So könne selbst das Wickeln und Füttern ein Bildungsangebot für die Kinder werden.

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Die Pädagogik hält mit den Ausbauplänen nicht Schritt

"Es geht nicht um Instrumente, sondern um Haltungen", bekräftigt Mentrup. Qualität aber kostet Geld. Für höchstens drei Ein- bis Dreijährige sollte eine Fachkraft zuständig sein. Zurzeit sind es fünf. Mentrup verweist auf das Geld aus der Erhöhung der Grunderwerbsteuer, das das Land den Kommunen für den Ausbau der Betreuung zur Verfügung stellt. Für Freiburgs grüne Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik war es "wie Ostern und Neujahr zusammen", als zusätzliche elf Millionen Euro vom Land kamen. Damit sollen noch mehr Krippenplätze geschaffen werden, so dass bis 2014 jeder zweite Unterdreijährige in Freiburg versorgt ist.

Die Pädagogik allerdings hält mit den Ausbauplänen nicht Schritt, wie diverse Studien herausgefunden haben: Weder in der Aus- und Weiterbildung in den Fach- und Hochschulen noch in den Bildungsplänen der Bundesländer fanden die Bildungsforscher die Krippenpädagogik ausreichend thematisiert. Das südbadische Netzwerk, so hoffen die beteiligten Krippen und Tageselternvereine, Verwaltungen und Fachberater, Fach- und Hochschulen, freien Träger, Kinderschutzbund, Mediziner und Therapeuten aus der gesamten Region, soll einen Qualitätsschub bringen und das Thema in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Erfahrungen aus der Praxis sollen die Forschung befruchten und umgekehrt.

EH-Rektor Professor Reiner Marquard erwartet Anregungen für die Ausgestaltung von Studiengängen und Weiterbildungen. Auch das Kultusministerium, das die Zuständigkeit für die Krippen "frisch vom Sozialministerium" übernommen hat, begreift sich laut Mentrup als "ein lernendes". Bleibt das Problem Fachkräftemangel: "Das müssen wir auf die Reihe kriegen", sagt Mentrup, zum Beispiel mit mehr Werbung für diesen "absolut zukunftsträchtigen Beruf".

Autor: Anita Rüffer