"Papst Franziskus setzt großes Vertrauen in mich"

Gerhard Kiefer

Von Gerhard Kiefer

Fr, 28. Juli 2017

Südwest

IM PROFIL: Hans-Peter Fischer wirkt als erster Freiburger Diözesanpriester an einem vatikanischen Gericht.

Der Anruf der Chefetage überraschte Hans-Peter Fischer völlig: Der Papst bat den Rektor der deutschen Stiftung Campo Santo Teutonico zum Gespräch. Was Franziskus mit ihm vorhat, überraschte ihn erst recht, wie er erzählt: Der Pontifex persönlich beruft den promovierten Priester in das "Tribunal Rotae Romanae". Das "Gericht der Römischen Rota" ist nach der Apostolischen Signatur unter Kardinal Dominique Mamberti die zweite Gerichtsinstanz. Nach Fischers Kenntnis ist nie zuvor ein Theologe aus dem Erzbistum Freiburg an ein Gericht im Vatikan berufen worden.

Der Campo Santo Teutonico liegt innerhalb des Vatikans, aber ummauert und auf italienischem Territorium. Nicht einmal der Papst wohnt so dicht am Petersdom wie Hans-Peter Fischer. Dort gibt es neben dem deutschen Friedhof (so die wörtliche Übersetzung) mit 1400 Grabplatten aus 500 Jahren eine Kirche, ein Priesterkolleg und den Sitz der Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes. An der von Jesuiten geführten Päpstlichen Universität Gregoriana doziert Fischer Pastoraltheologie und Kirchengeschichte. Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und Konventualkaplan des Malteserordens ist er auch. Für seine neue Aufgabe qualifizieren ihn sein kanonistisches (kirchenrechtliches) Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die ihn mit dem Lizentiat "promovierte", und seine sechs Jahre als Diözesanrichter am Erzbischöflichen Offizialat in Freiburg.

Nach dem Studium der Theologie und der Philosophie in Freiburg und in Rom, seiner kirchenhistorischen Doktorarbeit und seiner Priesterweihe 1989 wirkte Fischer als Vikar in Gottmadingen und als Pfarradministrator in Bollschweil und Sölden. Als Seelsorger prägten ihn vor allem seine acht Jahre als Stadtpfarrer in Donaueschingen. Fischers Nähe zu den Menschen galt nicht nur dem benachbarten Fürstenhaus.

Die Menschen auf der Baar ließen ihren Pfarrer nur ungern ziehen, als ihn im Jahr 2010 der Ruf nach Rom erreichte. Hatte er seine Karriere Georg Gänswein zu verdanken, dem Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., wie manche damals unkten? "Aber nein", stellt Fischer im Gespräch mit der BZ klar: "Das war das Verdienst von Robert Zollitsch." Der erfuhr als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz im Vatikan, dass das päpstliche Kolleg einen Rektor brauchte und das Deutsche Pilgerzentrum bald einen neuen Leiter.

Als viertes von sieben Kindern habe er in seinem Freiburger Elternhaus früh zu vermitteln und sich zu verständigen gelernt – auch das sieht Hans-Peter Fischer als gute Erfahrung, um Richter und als solcher barmherzig zu sein. So verteidigt und bekräftigt er den Markenkern des aktuellen Pontifikats. Fischer macht das an jener Fußnote im nachsynodalen Schreiben "Amoris Laetitia" fest, die konservativen Theologen viel zu weit und aus ihrer Sicht dem Zeitgeist auf den Leim geht. Denn mit ihr erlaubt es Papst Franziskus, im pastoral streng geprüften Einzelfall Katholiken in Zweitehen die Sakramente nicht mehr zu verweigern.

Nach sieben Jahren in Rom macht Fischer nun ein weiteres Mal Kirchenkarriere. Der asketische Theologe, den sich nach Zollitschs Emeritierung 2014 manche auch als Freiburger Erzbischof vorstellen konnten, wirkt im historischen Palazzo della Cancelleria, einem der schönsten Paläste in Rom, der zum Unesco-Weltkulturerbe geadelten wurde. Dort setzen sich 20 Richter der international besetzten Rota – ausschließlich Priester im Rang von Prälaten – in erster Instanz mit Konflikten zwischen Bischöfen oder Ordensoberen auseinander; in zweiter mit Ehenichtigkeitsverfahren, die Ortsbischöfe nicht zu entflechten verstanden. Ihre Urteile verfassen sie noch heute in Latein.

Zum Aufstieg gratuliert hat ihm Erzbischof Stephan Burger möglicherweise mit nur einem lachenden Auge, denn wiedersehen als Priester im Dienst der Erzdiözese Freiburg wird er Fischer nun wohl nicht mehr. Der 56-Jährige hat als Richter keinen Zeitvertrag, sondern er wird auf Lebenszeit berufen, den Rentenbescheid bekommt er erst mit 75. Ein ähnliches Schicksal wie Gerhard Ludwig Müller droht Hans-Peter Fischer also nicht. Auch deshalb nicht, weil Franziskus ihn offenbar deutlich mehr schätzt, als den eben spektakulär gefeuerten deutschen Kurienkardinal: "Der Papst setzt großes Vertrauen in mich", sagt Fischer selbst.