27. August 2009 08:14 Uhr
Festnahme
Plante Weiler Neonazi ein Attentat in Freiburg?
Ein junger Rechtsextremist aus Weil am Rhein steht unter einem ungeheuren Verdacht: Er soll Chemikalien gehortet haben, um daraus einen Sprengsatz zu bauen. Hatte er ein Ziel in Freiburg im Visier? Die Polizei ermittelt.

- Ein junger Mann steht im Verdacht, in Weil am Rhein an einem Sprengsatz gearbeitet zu haben. Er war auch schon Mitglied einer Lörracher Skinhead-Gruppe. | Foto: ddp
Nach Informationen, die der BZ vorliegen, soll der Stützpunktleiter der Neonaziorganisation, ein 22-jähriger Mann aus Weil am Rhein, seit Ende 2008 systematisch und zum Teil über die Adressen von anderen Rechtsextremisten, Chemikalien wie Kalkammonsalpeter, Wasserstoffperoxid, Schwefelsäure, Nitromethan und Calciumkarbid bei verschiedenen Versandfirmen in erheblichen Mengen gekauft haben. Zu seinen Helfern soll auch der Lörracher NPD-Chef gehören. Aus den Substanzen können zusammen mit weiteren frei verkäuflichen Stoffen wie Glycerin gefährliche Sprengmittel wie Trinitrotoluol (TNT) oder Triacetat-Triperoxid (TATP) hergestellt werden. Mit Wasserstoffperoxid wollte etwa die zur Zeit in Düsseldorf vor Gericht stehende islamistische Sauerlandgruppe
Werbung
FREIBURG IM ZENTRUM DER ANSCHLAGSPLÄNE?
Über die genauen Pläne des Rechtsextremisten, der nach seiner zweijährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr derzeit eine Ausbildung als Altenpfleger in Lörrach absolviert, gibt es noch keine endgültige Klarheit. Er ist erst seit Juni dieses Jahres Stützpunktleiter der Jungen Nationaldemokraten und war zuvor Skinhead und Mitglied der militanten Neonazigruppe "Freie Kräfte" Lörrach. Anlässlich der Stützpunkt-Gründung erklärte er: "Ab jetzt prangern wir Überfremdung und Ausbeutung offensiv in der Region an. Wir werden es nicht schweigend hinnehmen, dass unsere Region immer mehr verkommt und wir in den Gesichtern der Menschen immer weniger die unseres Volkes erkennen."
Möglicherweise lag das Ziel eines eventuellen Bombenanschlags aber gar nicht im Dreiländereck, sondern in Freiburg. Dort gibt es eine rege antifaschistische Szene, die Aktivitäten von Rechtsextremisten bislang erfolgreich unterbunden hat. Eine angekündigte Demonstration der NPD vor sieben Jahren war durch eine Demonstration von rund 15.000 Freiburgern verhindert worden.
Auch die Gründung von Ortsgruppen wurde jeweils vereitelt. Erst vor kurzem hatte eine Gruppe, die sich Autonome Antifa nennt, die Identität des Freiburger NPD-Vorsitzenden in allen Einzelheiten geoutet, woraufhin sich der geheime Kreisverband auflöste. In der Neonazi-Szene kursieren seit einiger Zeit wütende E-Mails gegen die "linken Zecken".
Die Lörracher Neonazis, darunter auch der Chemikalienkäufer, wollten mehrfach den linken Szenetreff KTS in Freiburg verdeckt ausspionieren. Dabei ist es auch zu Tätlichkeiten gekommen. Freiburg ist für die Neonazis zu einer Prestigefrage geworden; dass sie dort nicht Fuß fassen können, empfinden sie als Schmach.
- Hintergrund: Ein tiefer Einblick in das Innenleben der NPD
- Freiburg: Widerstand gegen Rechtsextreme
- Freiburg: Breites Bündnis gegen rechte Gewalt
- Rheinfelden: Schweiz verweigert Skinheads die Einreise
Autor: Heinz Siebold





