Mobilität

Radschnellwege in Südbaden: Highway für Pedal-Pendler

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Mo, 08. Januar 2018 um 11:59 Uhr

Südwest

Der Sonntag Neue Wege vom Land in die Großstadt: Auch Südbaden plant Radschnellwege. Im Raum Freiburg prüft man Routen in die Stadt, im Dreiland Strecken nach Basel.

Dass Südbaden vorerst kein offizielles Testgebiet für Radschnellwege wird, missfällt Politikern in der Region. Doch egal – in Zeiten von Pedelec und Co. werden Radschnellwege als Überlandverbindungen für Pendler kommen, da sind sich viele sicher. Im Raum Freiburg prüft man Routen in die Stadt, im Dreiland Strecken nach Basel.

Mit dem Fahrrad von daheim in eine andere Stadt zu fahren, verstehen viele Menschen immer noch als eine Art Freizeitvergnügen. Doch wenn die Voraussetzungen stimmen, so die Theorie hinter den Radschnellwegen, lässt sich mit dem Rad auch der Überland-Pendelverkehr im Umland großer Zentren effizient absolvieren.

Das Szenario: Auf breiten Asphaltstreifen, auf denen Fußgänger oder gar Autos nichts verloren haben, sausen wohltrainierte oder elektrifizierte Arbeitnehmer per Rad oder Pedelec gen Arbeitsort, unbehindert von Kreuzungen oder Ampeln. Den Schnellweg erreicht man über Zu- und Abfahrten wie bei der Autobahn, es gibt einen Winterdienst und im Idealfall auch Beleuchtung.

Da man die Innenstädte mit dem Auto kaum noch erreicht und die EU auf Einhaltung der Luftreinheit pocht, liebäugeln auch Landesregierungen mit dieser Idee. Die in Stuttgart möchte bis 2025 bereits zehn dieser Strecken im Ländle realisiert sehen und beteiligt sich an den Kosten, wenn Regionen prüfen, ob das für sie in Frage kommt. An Hoch- und Oberrhein tut man das, es geht um drei Routen, die alle auf den Arbeitsort Basel ausgerichtet sind. 82 000 Euro kostet die Studie, 80 Prozent davon zahlt das Land. Dieses Jahr sollen die Resultate vorliegen.

Zu einer Testfahrt sind südbadische Politiker und Verkehrsexperten im Mai vergangenen Jahres an die Ruhr gereist. Denn dort entsteht derzeit Deutschlands Prototyp, der Radschnellweg RS1, dessen erste Teilstücke bereits fertig sind und der bis zum Jahr 2020 auf 100 Kilometern Länge das Ruhrgebiet durchqueren soll – von Duisburg über Essen und Dortmund nach Hamm. Am Ende soll er durchgängig beleuchtet sein. Nordrhein-Westfalen gilt auch als Vorreiter der Radschnellwege, weil die Landesregierung verfügt hat, dass solche Wege wie Landstraßen betrachtet werden – und ihr Bau somit vom Land bezahlt wird und nicht von den Kommunen, wie sonst bei Radwegen der Fall.

Einen Vorsprung hatten auch die Planer im Regionalverband Südlicher Oberrhein herausgefahren und bereits vor einem Jahr eine Analyse vorgelegt, wo in ihrem Gebiet der größte Nutzen von Fahrradautobahnen eintreten könnte. "Damit waren wir die ersten in Baden-Württemberg", so Regionalverbandsdirektor Dieter Karlin gegenüber Der Sonntag . Ein gesplitteter Korridor von Waldkirch und Emmendingen zum Zentrum Freiburg galt seitdem als Favorit, ein weiterer vom westlichen Umland in die Stadt als Zweitplatzierter. Rund 11 000 Menschen pendeln dort täglich, hat der Verband errechnet. "Ich bin überzeugt, dass viele Pendlerinnen und Pendler auch bei größeren Distanzen auf das Rad umsteigen", sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, als sie die Förderbescheide für die hier laufenden Machbarkeitsstudien überreichte.

Wegen gut gemachter planerischer Hausaufgaben und vielleicht auch wegen guter Beziehung zur Landesregierung waren sich die Freiburger Planer vergangenen Sommer ziemlich sicher, als Pilotregion ausgewählt zu werden, dann hätte das Land den Bau mindestens eines ersten Rad-Highways bezahlt. Umso größer dann die Enttäuschung, dass das Verkehrsministerium des grünen Winfried Hermann stattdessen Strecken zwischen Heidelberg und Mannheim, Heilbronn und Neckarsulm sowie Esslingen und Stuttgart auswählte.

"Warum nicht bei uns?" Noch vor kurzem zeigte sich Verbandsdirektor Dieter Karlin verständnislos. Zumal eine Rückfrage des Regionalverbands beim Verkehrsministerium kaum Klarheit gebracht haben soll. "Das Schreiben warf mehr Fragen auf, als es beantwortete." Im ersten Quartal des angebrochenen Jahres soll das Ergebnis einer vom Land beauftragten Analyse vorgestellt werden, wo in Baden-Württemberg sich Radschnellwege besonders lohnen würden. Vielleicht bringt das neue Impulse, hofft man in Südbaden.