Landtag

Religionsexperte Michael Blume zum Antisemitismusbeauftragten ernannt

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mi, 14. März 2018 um 10:53 Uhr

Südwest

Das Landeskabinett ernennt den Religionsexperten Michael Blume zum Antisemitismusbeauftragten. Kretschman bezeichnet ihn als "außerordentlich kompetente Person".

Wenige Tage nach einem entsprechenden Landtagsbeschluss hat die Landesregierung einen Antisemitismusbeauftragten für Baden-Württemberg bestellt. Der promovierte Religionswissenschaftler Michael Blume soll als Anlaufstelle für Beschwerden dienen und vom Staatsministerium aus den Kampf gegen Judenfeindlichkeit koordinieren.

Blume sei ein hochgeschätzter Experte, der zu den jüdischen Gemeinschaften wie zu Kirchen und muslimischen Verbänden ein enges Vertrauensverhältnis habe, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag vor der Presse. "Ich halte ihn daher für eine außerordentlich kompetente Person für diese Aufgabe."

Der 41-jährige Blume arbeitet seit 2003 im Staatsministerium, derzeit als Leiter des Referats für "Nichtchristliche Religionen, Werte, Minderheiten, Projekte Nordirak". 2015 betreute er die Überführung von gut 1000 jesidischen Frauen und Kindern nach Baden-Württemberg, die zuvor in IS-Gefangenschaft gewesen waren. 2017 veröffentlichte er das Buch "Islam in der Krise". Der evangelische Christ ist verheiratet und hat drei Kinder.

Personalie mit der jüdischen Gemeinschaft abgestimmt

Seine bisherige Tätigkeit soll er weiter ausüben. Hinzu kommen nun aber Funktionen als Ansprechpartner sowie als Koordinator zwischen den Ministerien. Kretschmann zufolge haben sich jüdische Gesprächspartner eine solche Struktur gewünscht; die Personalie sei mit ihnen abgestimmt. Blume soll eine unabhängige Expertenkommission einrichten und in einer geplanten Bund-Länder-Kommission mitwirken. Auch öffentliche Aufklärung gehört zu seinen Aufgaben.

"Der Antisemitismus hat wieder zugenommen, und leider eben auch in unseren Parlamenten", sagte Kretschmann unter Bezug auf AfD-Beiträge in einer hitzigen Landtagsdebatte der vergangenen Woche. "80 Jahre später so was wieder in einem deutschen Parlament zu erleben, was die da geboten haben, das war wirklich sehr schwer zu ertragen."



Grüne, CDU, SPD und FDP hatten am vergangenen Mittwoch zum Kampf gegen die erstarkende Judenfeindlichkeit aufgerufen und für einen Antisemitismusbeauftragten votiert. Die AfD-Fraktion hatte sich enthalten, der fraktionslose AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon dagegen gestimmt (Bericht vom 8. März).

"Der Rechtsextremismus und der Bereich Islamismus sind die beiden großen Bereiche, in denen wir gerade mit Antisemitismus zu kämpfen haben", sagte Blume am Dienstag. Er soll muslimische Gemeinden für diesen Kampf gewinnen und auch an Konzepten für Kindergärten oder Schulen mitwirken, die sich aus Zuwandererfamilien mit antisemitischem Gedankengut konfrontiert sehen. Am 25. April will Blume an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg seine Antrittsrede halten. 2019 soll der Landtag einen ersten Antisemitismusbericht erhalten, anschließend alle vier Jahre.