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23. Februar 2010 18:35 Uhr
Podiumsdiskussion
Risse: Eine Stadt schöpft Hoffnung
Das Landesamt für Geologie ist überzeugt, die Ursache für die seit mehr als zwei Jahren andauernde Hebung der Staufener Altstadt erkannt und deren Motor gestoppt zu haben. Trotzdem sind noch viele Fragen offen.
Clemens Ruch, Leiter des Referats Ingenieurgeologie, erläuterte bei einer Podiumsdiskussion, 2007 sei eine Tiefenbohrung zur Erschließung von Erdwärme in der Stadtmitte auf unter Druck stehendes Grundwasser in mehr als 140 Metern Tiefe gestoßen. "Durch die Bohrung konnte Wasser bis auf etwa 60 Meter in quellfähiges Gestein aufsteigen", erfuhren die 300 Zuhörer. Ruch machte aber Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sein könnte. So hätten Messungen im Altstadtgebiet gezeigt, dass die Hebungsraten von anfänglich bis zu elf Millimetern pro Monat im Kernbereich auf rund acht Millimeter zurückgegangen seien.
Als Sofortmaßnahme hatte das Landesamt 2008 den Wasserspiegel im angebohrten Grundwasserkörper abgesenkt. Auch war ein Bohrloch mit Spezialzement verpresst worden. "Das hat den Zutritt von Wasser in das quellfähige Gestein gestoppt", so Ruch.
Der emeritierte Geologieprofessor Helmut Bock wollte sich diesem zaghaften Optimismus allerdings nicht anschließen: "Erfahrungen aus dem Tunnelbau zeigen, dass Quellprozesse, sind sie erst einmal in Gang geraten, nicht ohne weiteres zu stoppen sind – auch nicht mit allen technischen Mitteln, die wir haben." So blieb auch die Frage eines Zuhörers unbeantwortet, wie lange die Hebung noch andauern könnte. Bock: "Da betreten wir ingenieursgeologisches Neuland."
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Den Vorwurf aus dem Publikum, man habe gewusst, dass quellfähiges Gestein im Untergrund lagert, akzeptierte Clemens Ruch, verteidigte sich aber: "Nach damaligem Wissensstand gab es keinen Grund, Bohrungen in Gips oder Anhydrit zu verweigern. Ein Quellphänomen wie in Staufen war vorher schlicht unbekannt." In Staufen sind 254 Gebäude durch Risse beschädigt. Der Schaden wird auf 41 Millionen Euro geschätzt.
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Autor: Bastian Henning
