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02. Juni 2015 07:36 Uhr

Rheintalbahn

Schienen wurden geschliffen – jetzt sind die Züge lauter

Frisch geschliffene Schienen bereiten seit einigen Wochen Anwohnern der Rheintalbahn im nördlichen Breisgau und in der südlichen Ortenau schlaflose Nächte: Die Züge machen deutlich mehr Lärm als zuvor.

  1. Raue Schienen nerven die Anwohner der Rheintalbahn durch größeren Lärm. Foto: dpa

Die unebene Laufoberfläche von Rädern und Schienen ist die wichtigste Ursache des Lärms, den die Bahn verursacht. Denn es rollt Stahl auf Stahl, und jede noch so kleine Rille hat einen unrunden Lauf zur Folge, lauter kleine Hammerschläge. Deshalb setzt die Technik der Lärmminderung auch vor allem an der Quelle Rad/Schiene an: Andere Bremssysteme sollen dafür sorgen, dass die Lauffläche des Rades glatt bleibt. Deshalb sollen die Klötze aus Grauguss, die auf die Radlauffläche gepresst werden, ersetzt werden. Moderne Personenzüge sind ohnehin mit Scheibenbremsen ausgestattet. Dadurch wird die Oberfläche des Laufrades gar nicht berührt.

Eigentlich sollen die Schienen leiser werden

Ein zweiter Ansatzpunkt ist es, die Oberfläche der nur wenige Zentimeter breiten Schienen möglichst glatt zu halten. Deshalb werden die Oberflächen der Schienen der Rheintalstrecke einmal pro Jahr geschliffen, "präventiv", wie ein Bahnsprecher betont. Bei den "Besonders überwachten Gleisen" (BüG) werden sogar zwei- bis dreimal pro Jahr ein bis zwei Zehntel Millimeter von der Lauffläche abgetragen. Die Bahn verspricht dadurch eine Lärmminderung von bis zu drei Dezibel, was einer Halbierung der Schallimmission gleichkommt.

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Nun machen Anwohner zwischen Offenburg und Emmendingen aber gerade die gegenteilige Erfahrung: Anfang Mai wurden die Gleise mit der Schleifmaschine bearbeitet – und in der Folge wurde es lauter statt leiser. In Herbolzheim zum Beispiel hat Albrecht Künstle, Mitglied der dortigen Bürgerinitiative gegen den Bahnausbau, gemessen: 69 Dezibel betrug der Wert in 300 Meter Entfernung, knapp zehn Dezibel mehr als üblich und zulässig. Und dies, obgleich zwischen Bahngleisen und seinem Wohnhaus Gebäude stehen. Auch anderen Anwohnern ist der vermehrte Lärm aufgefallen. Eine Inaugenscheinnahme hat ergeben, dass die Oberfläche der Schienenstränge nach dem Schleifen rauer ist als zuvor.

Bahn verspricht: Es dauert nur drei bis vier Wochen

Das räumt ein Sprecher der Bahn auf Anfrage der Badischen Zeitung ein. Man bedaure die zusätzliche Belastung, aber sie sei unvermeidlich. Denn durch den Einsatz von Schleifmitteln würden nicht nur Unebenheiten entfernt, zugleich werde die Oberfläche in der Kleinstruktur etwas rauer und stumpfer. Und dadurch lauter. Es brauche zwei bis vier Wochen, "bis die Gleise wieder eingefahren" seien. Das sei durchaus üblich, aber nicht in allen Schienenabschnitten im gleichen Maße zu beobachten. Das hänge davon ab, wie und mit welcher Technik genau geschliffen werden müsse.

Künstle hat unterdessen das Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Er verlangt detaillierte Auskunft. Nicht zuletzt, weil beim Ausbau der Rheintalbahn mit Lärmminderung durch das sogenannte BüG gerechnet wird, die nun in Frage steht. Ihn ärgert nicht zuletzt die mangelnde Kommunikation der Bahn mit den Anwohnern. Immerhin gibt es eine erste Entschuldigung der Bahn für das Ungemach.

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Autor: Franz Schmider